Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-04-26 · Heft 18 (26.4.1864) · p. Seite 268

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 18 (26.4.1864)
Date
1864-04-26
Page
Seite 268 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226437--22089-3259341
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

268 denn der Bestand der Menschheit beruht in der Gotteserkenntniß, die dereinst in allen aufkommen werde. — Bei dem Propheten Jecheskel findet sich keine Verkündigung, weder auf einen Messias noch auf eine messianische Zeit im eigentlichen Sinne, und wenn er, der Gefangene in Babylonien, wiederholt über die Wiederherstellung Israels spricht, dieses nach seiner Rückkehr in das h. Land nicht mehr in zwei Reiche gespalten sein, sondern von einem Könige aus dem davidischen Geschlechte beherrschen läßt (34, 23. 24., wie aus 37, 22 ff. überklar hervorgeht) und hinzufügt, daß durch dieses Geschehniß der Name Gottes vor dem Angesichte der Völker geheiligt würde und sie die göttliche Wallung und Allmacht erkennen werden (36, 23. 39, 2l. 23.), wie: „So zeige ich mich groß und heilige mich und thue mich kund vor den Augen meiner Völker, daß sie erkennen, daß ich der Ewige": so ist es einsichtlich, daß der Pr. hiermit weder eine messianische Zeit noch einen Messias im wahren Sinne dieser Worte verstanden und geschildert hat. — Auf die Höhe der prophetischen Anschauung aber versetzt uns Ieschajah II (Kap. 40—66). Er, der begeistertsten und weitschauendsten Propheten einer, der, in Babel lebend, den nahenden Siegeszug des Cyrus, den Fall Babels und die daraus entspringende Freiheit Juda's, nach dem heiligen Lande zurückzukehren, voraussah und mit aller Kraft des Wortes die theils in Schlaffheit theils in Götzendienst versunkenen Juden in Babel zur Rückkehr in das verwüstete Land der Väter aufzuregen und zu begeistern strebte, besaß den tiefsten Einblick in die ganze Bewegung der Völker, verstand es, hoch über allem Einzelnen das Allgemeine zu durchdringen, war von dem Bewußtsein des Berufes Israels, Lehrer der Völker zu werden, völlig erfüllt und festigte durch diese klare Einsicht und seinen heißen Enthusiasmus recht eigentlich die Bahn dieser Anschauung. Ihm ist Israel nur das Werkzeug Gottes, um das Menschengeschlecht mit der Lehre und dem Recht bekannt zu machen, dafür zu zeugen und zu leiden; ihm ist daher die Wiederherstellung Israels nur der Durchgang zum Reiche der Erkenntniß, des Rechts und des Friedens. Mit so glühenden Farben er auch die Herrlichkeit dieses neu erstehenden Jerusalems schildert, er geht darüber hinaus zu der dereinstigen Herrlichkeit der ganzen Menschheit. Schon seine dritte Rede beginnt er 42, 1—7.: „Siehe, mein Knecht, den ich stütze, mein Erkorener, an dem Gefallen meine Seele hat: meinen Geist legte ich auf ihn, das Recht soll er den Völkern bringen. Nicht schreiet er, nicht ruft er laut, läßt draußen seine Stimme nicht vernehmen. Geknicktes Rohr zerbricht er nicht, glimmenden Docht verlöscht er nicht: mit Wahrheit soll das Recht er bringen. Nicht müde wird er, nicht entkräftet, bis daß auf Erden er das Recht gegründet und seiner Lehre die Länder harren. — So spricht der Gott, der Ewige, der die Himmel geschaffen, sie ausgespannt, der die Erde gebreitet mit ihren Sprossen, der Odem gibt dem Volk auf ihr und Geist den auf ihr Wandelnden: „Ich, der Ewige, habe dich berufen zum Heile, ich fasse deine Hand, ich wahre dich, ich mache dich zum Bund der Völker, zum Lichte der Nationen, blinde Augen zu öffnen, aus dem Kerker Gefangene zu führen, aus dem Hause der Haft, die in Finsterniß wohnen." Daß der 'n „Knecht Gottes" kein anderer als das Volk Israel ist, wie schon die Septuaginta und Raschi richtig sagen (vergl. 41, 8. 9. 43, 10. 44, 1. 45, 4. 49, 3.), kann jetzt nicht mehr zweifelhaft sein. Der Prophet spricht hier nun die allgemeine Bestimmung Israels aus, die Gotteslehre und das göttliche Recht den Völkern zu lehren und sie dadurch zu einem Bunde zu vereinigen, sie von der Verfinsterung des Aberglaubens zu befreien und den Kerker des Irrwahns zu öffnen; dies soll aber Israel nicht durch Uebung von Gewalt, durch lärmendes Auftreten, zudringliche Ueberredung, die sämmtlich der Wahrheit doch keine feste Wurzel bereiten, sondern allein durch die Kraft der Wahrheit, die zwar langsam, aber desto vollständiger siegt, innerhalb der freien Entwickelung des Menschengeschlechts vollbringen. Dazu legte Gott seinen Geist auf dieses Volk, dazu ist es unermüdlich und fest bestehend, bis das ferne, aber erhabene Ziel erreicht ist. (Vgl. 49, 6. 22.) Daher ruft der Prophet 43, D. aus: „Alle Völker, versammelt Euch zumal; znsammenkommen sollen die Nationen" — (45, 6.) „auf daß man erkenne vom Aufgang der Sonne und vom Niedergang, daß nichts ist außer mir, ich bin der Ewige, und keiner noch." Ferner 45, 22—24.: „Wendet euch zu mir, auf daß ihr gerettet werdet, alle Enden der Erde, denn ich bin Gott, und keiner noch. Bei mir schwor ich, Heil ist aus meinem Mund gegangen, ein Wort, das nicht zurückkehrt; daß mir sich beugen werde jedes Knie, schwören jede Zunge. Nur bei dem Ewigen, spricht man von mir, ist Heil und Macht; zu ihm werden kommen und sich schämen alle, die wider ihn entbrennen." — In einer Rede, die mit 52, 13. beginnt und 53, 12. endigt, widerlegt der Prophet den Einwand gegen den oben gezeichneten Beruf Israels, welchen man

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.