Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 17 (19.4.1864)
- Date
- 1864-04-19
- Page
- Seite 261 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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26t die Galle über. Mögen unsere Glaubensgenossen nur überall dahin wirken, daß wir keine hierarchische Stufenleiter von Rabbinen bekommen, wir brauchen keine Würdenträger des Judenthums; wir brauchen Lehrer und Weise, aber keine mit den Prunklappen hoher Stellungen geschmückte Pfaffen; das ist ebenso unjüdisch wie schädlich. Sobald solche Leutchen oben stehen, wird ihr Herz der Eitelkeit und Jntrigue voll. Nordamerika. Philadelphia, 8. März. (Privatmitth.) Da bereits 14 Tage verflossen sind, ohne daß der Senator Sumner auf das Anschreiben des vr. Einhorn eine Antwort hat erfolgen lassen, so theile ich Ihnen jenes zur Veröffentlichung mit. Philadelphia, 19. Febr. Hrn. Charles Sumner, Washington. Indem ich mich beehre, Ihnen als geringes Zeichen meiner Hochachtung für einen der bedeutendsten Vorkämpfer gegen das fluchwürdige Sklaveninstitut anliegende Hefte*) zu übersenden, wollen Sie mir gestatten, Sie um gefälligen Aufschluß über folgende äußerst räthselhafte Erscheinung zu bitten. Nach einem Berichte der New-Iork Tribüne vom 5. Febr. l. I. wurde von einer im Januar stattgefundenen Convention in Alleghanh City, Pa., an den Congreß ein Memorial des Inhalts gerichtet: Die Constitution der Ver. Staaten mit einem Amendement zu versehen, wonach die amerikanische Nation den Charakter einer christlichen annimmt, Jesus Christus als den Lenker der Völker anerkennt, dessen Willen als höchstes Landesgesetz betrachtet und diese Grundsätze als Maßstab gelten läßt für die Sklavenfrage, den Amtseid und alle anderen Materien. Es mag wenig Ueberraschendes haben, wenn eine gewisse Classe von christlichen Geistlichen, die, wie es scheint, in jener Versammlung die Hauptwortführer bildeten, mit dem verwerflichen Plane sich trägt, das Bürgerrecht vorläufig an das allgemeine, später vielleicht an das von ihrer eigenen Secte formulirte christliche Glaubensbekenntniß zu knüpfen und den Grundpfeiler der Constitution und der Wohlfahrt der Ver. Staaten, die Gewissensfreiheit, umzustürzen; wenn von solcher *) Einige Aufsätze des vr. Einhorn über die Sklavenfrage. Corresp. Seite her in derselben Zeit, in welcher die mächtigsten Monarchien Europas die letzten Fesseln des Glaubenszwanges abschütteln und z. B. England Juden ins Parlament aufnimmt und einem Juden gestattet, Lord- Mayor seiner Hauptstadt zu sein, dahin gestrebt wird in der amerikanischen Republik, dem freiesten Lande der Welt, eine Ehe zwischen Staat und Kirche zu erzielen, woraus nach der Lehre der Geschichte immer nur moralische Ungeheuer entsprangen, die, weit schlimmer als das Negersklaventhum, den Fluch der Knechtschaft über ungleich weitere Kreise ausdehnen und den Verfolgten nicht etwa blos zum schuldlosen und nutzbringenden, daher immer noch eine gewisse Schonung ansprechenden Thiere erniedrigen, sondern zum verworfenen, gemeinschädlichen und von Gott verdammten Wesen stempeln. So gewagt es auch ist, dem intelligenten und noch dazu in zahllose religiöse Secten zersplitterten amerikanischen Volke einen solchen Anachronismus zuzumuthen, unbegreiflich ist — ich wiederhole es — eine solche Erscheinung nicht; denn keine Confession ist frei von engherzigen Priestern und der Fanatismus besitzt die Eigenschaft, tollkühn und blind zugleich zu machen. Unbegreiflich dagegen erscheint es mir, daß nach dem genannten Berichte ein Mann von solcher geistigen und moralischen Größe wie Senator Sumner der erwähnten Convention seine Sympathien zu solchem Unternehmen schriftlich zu erkennen gegeben haben soll. Ich habe in Ihren meisterhaften Reden oft den llaren staatsmännischen Blick, die logische Schärfe, die flammende Zunge bewundert, die mit ihren Donnerkeilen die Feinde der menschlichen Freiheit zu Boden wirft. Ist es möglich, daß der Mann, welcher mit der ganzen Energie sittlicher Entrüstung gegen die Raxentyrannei in die Schranken tritt, der im Princip noch verwerflicheren und in den Consequenzen noch weit gefährlicheren Glaubenstyrannei das Wort redet und damit umgeht, uns aus der Scylla in die Charybdis zu bringen? Ist es möglich, daß Sie der Logik des in der Weltgeschichte und namentlich in der gegenwärtigen Geschichte Amerikas sich offenbarenden Gottesgeistes in solcher Weise Hohn sprechen? Kann ein solches Attentat auf die heiligsten Menschenrechte unter Ihrem Beistände versucht werden? Können Sie wollen, daß die Stürme, welche jetzt die Republik durchwühlen, die Gräber der Jahrhunderte zu dem Behufe sprengen, um aus diesen Gräbern ein mittelalterliches Skelett 17**