Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 17 (19.4.1864)
- Date
- 1864-04-19
- Page
- Seite 260 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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260 wenigstens 4 — 500 Vorständen und Rabbiner» gefertigt, an den Gefeierten überreicht werden könnte. Hr. Rabbiner Silbermann wird dann die Adresse nebst allen Unterschriften, was sich wohl von selbst versteht, besonders und als Prachtexemplar gedruckt an den Adressaten übersenden. — Es ist diese Idee, die Sie, geehrter Herr Redacteur! wie Sie bereits No. 13 erwähnt, vor 25 Jahren bei der traurigen Angelegenheit in Damascus in Anregung gebracht und in so glänzender Weise ausgeführt haben, recht praktisch und verdient darum von der Presse kräftigst unterstützt zu werden. Von dem Uebertritte von 10 Russenfamitien zum Judenthume haben auch Sie Meldung gethan. Immerhin ist der von der russischen Regierung bewilligte Uebertritt zum Judenthume eine Merkwürdigkeit und eS scheint, daß auch die Glaubensfreiheit unter der Regierung des Kaisers Alexander II. ebenso wie die Emancipation der Leibeigenen einen großen Triumph feiern wird. Leider sind constitutionelle Staaten noch nicht dahin gelangt, sich von den Fesseln des Concordates zu befreien — und der freie Uebertritt, ja sogar der Rücktritt zum Judenthume, der selbst im Mittelalter von den Päpsten gestattet war und wovon die Waranen wirklich oft Gebrauch machen durften, ist noch immer gesetzlich strenge verboten. Der österreichische Reichstag ist noch nicht dahin gekommen, das Religionsgesetz zu berathen, und selbst in der nächsten Session hat dasselbe wenig Aussicht, zum Abschlüsse zu kommen — und die klerikale Partei hat also Muße genug, sich mit allen Waffen und Mitteln dagegen zu rüsten. Rabbiner D. Oppenheim. Frankreich. Paris, im April. (Journ. des Deb.) Sir Moses Montefiore hatte auf seiner Rückkehr von Marokko die Ehre, vom Kaiser empfangen zu werden und ihm eine Copie des Firmans zu überreichen, vermittelst dessen der Sultan den Israeliten bürgerliche und religiöse Gleichstellung (?) in seinen Besitzungen verlieh. Der Kaiser empfing Sir Moses sehr gnädig und drückte seine dolle Sympathie für die Sache aus, deren Vertheidigung Sir Moses so edel übernommen hat, wohin ihn auch immer die Leiden seiner Glaubensgenossen gerufen haben. Paris, 5. April. (Privatmitth.) Erlauben Sie daß ich auf die bereits von Ihnen gegebene Mittheilung, daß dem Componisten Halsvy eine Bildsäule auf dem israelitischen Kirchhofe des Mont Marlre errichtet worden ist, noch einmal zurückkomme. Wenn dies die erste Statue ist, die einem Juden gesetzt worden, so hat eine zweite nicht lange auf sich warten lassen. Denn in diesen Tagen wurde der neugeschmückte Peristyl des Thdatre frangais dem Publicum zum Gebrauch eröffnet und in demselben sind zwei marmorne Bildsäulen der Rachel und der Mars aufgestellt. Man wird aber zugeben, daß eine solche einem unserer Glaubensgenossen von einer nichtjüdischen Instanz an einem solchen Platze dargebrachte Ehre mit allseitigem Beifall und Dank ausgenommen werden muß, und hätte Halevh's Statue im Foyer der Oper ihren Platz gefunden, da, wo auch andere Componisten ihre Ehrenstelle gefunden, oder in einem Saale des Conservatoire, so würde diese Anerkennung und Auszeichnung uns hoch erfreut haben. Nur auf dem jüdischen Gottesacker hätte sie nicht aufgestellt werden müssen. Selbst das Talent darf auf unserm Gräberfelde ein solches Anrecht nicht in Anspruch nehmen. Daß man sich hier wundert, wie der Herr Großrabbiner Ullmann dagegen nicht eingeschritten, kann man sich denken. Derselbe Ullmann, der die Anathemata der Obskuranten vor 4 Jahren und jetzt wieder (gegen Mannheimer und Horwitz) mit unterzeichnet hat, derselbe Ullmann läßt eine Bildsäule auf dem Beth-Olam zu? Freilich galt es hierbei, vor ganz Paris offen aufzutreten, während man bei jenen Verketzerungen nur seine Glaubensgenossen vor sich hat; dort gilt es, sich den Ruf der Freisinnigkeit zu erhalten, und hier, den Mantel der Frömmelei um sich zu werfen. Aber solche Künste helfen wenig und fallen in der Regel als falsche Berechnung aus. Hier wie da erkennt man die Maske. Ich bin fest überzeugt, daß ein freimüthigeS Wort, offen gegen diese Neuerung auf dem jüdischen Gottesacker vor ganz Paris ausgesprochen, nur einen sehr guten Eindruck gemacht hätte, während die Genossenschaft des Hrn. Ullmann mit den Obscuranten ihm mit geringer Ausnahme nur zur Schmach gereicht, noch dazu, da man auch im Lager dieser Herrn Ullmann nur als einen Ueberläuser betrachtet. Entschuldigen Sie, wenn ich mich über diesen an sich so unbedeutenden Mann ausgelassen, aber wenn man die Angelegenheiten des Judenthums in solchen Händen sieht, so läuft einem doch