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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-04-19 · Heft 17 (19.4.1864) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 17 (19.4.1864)
Date
1864-04-19
Page
Seite 258 (sequence 8)
Language
German
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238 Durch eine leicht erklärliche Jdeenverbindung komme ich auf den anathematisirten, gegen katholische Klerisei und besonders gegen den Jesuitenorden gerichteten Roman I« Maudil, und kann abermals den Ausruf nicht unterdrücken: Gott Lob, daß wir Deutsche sind und daß man — pro oder contra — uns mit solchen Jämmerlichkeiten nicht kommen kann! Gegen diese armseligen Figuren stehen Gutzkow's Dichtungen ähnlichen Zwecks im „Zauberer von Rom" wie Heroen gegen Polichinellen da. Aber ich füge hinzu: Gott Lob, daß bei uns Juden, aufgeklärt oder nicht, dieser ganze Apparat von kirchlichen Erbschleichereien, von Priestern, die eine ganz separate Welt für sich bilden, von Mirakeln und Erscheinungen, constatirt oder nicht, gar nicht einmal eine Analogie finden! Ach, unter den in dem Leitartikel d. Z. aufgeführten „Enttäuschungen" fehlt noch eine sehr wichtige, vielleicht die wichtigste von allen: — der Glaube an die Aufklärung ist dahin! denn ungeachtet aller Phrasen und ungeachtet des Fortschritts der Wissenschaften und ungeachtet der Erleuchtung Einzelner können wir uns nicht verhehlen, daß Europa im ganzen jetzt von der Bigotterie geleitet wird, ebenso gut wie vor 400 Jahren. *) Noch eins! Ist es nicht auch ein Zeichen von der Unverbesserlichkeit der menschlichen Natur, daß Herr Hirsch trotz aller traurigen Erfahrungen, die er bei seinem Chorab in Mähren bei dem 77er-Bann gemacht hat, sich auf seine alten Tage abermals in den Protestschwindel einläßt? Oder beherrscht seine Clique ihn in solchem Grade? Uebrigens könnte man diesen Neu-Orthodoxen einen schönen Streich spielen und das ganz in ihrer eigenen Manier. Man brauchte nur, wie sie jetzt mit ver Messiaslehre thun, die Lehre von Unsterblichkeit und Auferstehung als Schiboleth hinzustellen. Hui! was würden da für Frontveränderungen statthaben! Doch nein, lieber nicht. Rak cmeth we-Schalom alieliw! *) „Wie vor 400 Jahren!" Mit Verlaub, verehrter Hr. Corresp., das ist doch wohl eine Uebertreibunz. Wir geben zu, Bigotterie ist in Fülle da, aber sie ist doch — ebenfalls „mit Ausnahme Einzelner" — an sich schon viel schwächlicherer Natur und es stehen ihr ganz andere Massen gegenüber und viel weniger Mittel zu Gebote als vor 4 Jahrhunderten. Man erinnere sich, was für Zeiten auf 1450 folgten — und niemand wird zugeben, daß solche jetzt wiederkehren können. Die Red. Der Verband des Judenthums, wie es sich bis in die jetzige Zeit historisch entwickelt hat, ist reich und elastisch genug, um allen diesen Gestaltungen ihren Raum, sie umfassend, zu gönnen. Preußen. Bonn, 10. April. Wir haben einige Male den Protest erwähnt, welchen auf Veranlassung der schleswig-holsteinschen Sache zahlreiche evangelische Geistliche gegen die „Kreuzzeitung" und ihre Partei erhoben haben. Daher hier noch die Mittheilung, „daß jetzt die Actenstücke der etwa 3000 Geistlichen rc. Deutschlands, welche der Erklärung gegen die Kreuzzeitung zugestimmt haben, eben zusammen gedruckt und die ärmlichen Erklärungen für die Kreuzzeitung vergleichshalber daneben gedruckt werden." So der „Alt. M." Man wird sich erinnern, daß in allen jenen Erklärungen der „Krcuzzeitung" Heuchelei und Maske vorgeworfen wurden. Nun — wir schließen weiter: wer in einer Sache so fürchterlich heuchelt, thut es auch in anderen Dingen! Bonn, 10. April. Die „Wiener Kirchenzeitung" zeiht uns, wie wir aus einer Nummer ersehen, die man uns zugesendet, der Jnconsequenz und des Widerspruchs, wenn wir der Erklärung Mannheimer's beistimmten, daß es nur ein Judenthum gebe, während wir doch so häufig von den „Secten" der „Culturjuden, Orthodoxen und Chassidim" sprächen, und citirt zu diesem Zwecke viele Stellen von uns. Das wahrheitsliebende Blatt erlaubt sich dabei nur die kleine List, da, wo wir von „Richtungen", ja „Parteien" im Judenthume sprechen, „Secten" unterzuschieben. Man sieht, zu welchem Zwecke. Wir lassen uns grundsätzlich mit diesem Bl. in keine Polemik ein. Die paar hundert Abonnenten der „W. K.-Z." lesen die „A. Z. d. Jud." nicht und die Abonnenten der „A. Z. d. Jud." lesen, vielleicht ein paar Wiener ausgenommen, die „W. K.-Z." nicht — also wäre eine Polemik ein sehr nutzloses Spiel. Daher nur die eine Bemerkung. Die „W. K.-Z." selbst weiß, wie verhältnißmäßig wenige aus der großen katholischen Bevölkerung Wiens zur Messe, zur Beichte, zur Communion gehen, die Fasten halten u. s. w., während wieder andere stundenlang auf den Knieen liegen, Gebete verrichten, Wallfahrten machen u. s. w. u. s. w. Wird nun die „W. K.-Z." deshalh

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