Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 17 (19.4.1864)
- Date
- 1864-04-19
- Page
- Seite 254 (sequence 4)
- Language
- German
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254 gemeinen Frieden gelangen werde. Es ist daher im gegenwärtigen Judenthume diese Frage, ob persönlicher Messias oder messianische Zeit? dem Individuum zu eigener Beantwortung freigestellt — die eigentliche Idee der erhabenen und heiligen Zukunst der Menschheit, zu welcher sie die göttliche Vorsehung bestimmt hat und führt, bleibt in beiden Fällen dieselbe und ist ein unantastbares Eigenthum des Judenthums. Von den Propheten, deren Schriften uns überliefert worden, sprechen sich über diese Vereinigung der ganzen Menschheit in der Gotteserkenntniß, im Recht und Frieden ihrer Zeitsolge nach diese aus: Amos, Jeschajah I tKap. 1 — 39), Michah, Jirmejah, Secharjah I (Kap. 9 —14), Chabakuk, Jeschajah II (Kap. 40—66), Secharjah II (Kap. 1—8). Sehen wir nun, in wieweit diese sich darüber auslaffen. >— Im Amos tritt der ganze Gedanke noch in sehr schwachen Umrissen und völlig individualisirt als Herstellung Israels und seines Königthums in Verbindung mit anderen Völkern ans; 9, 11. 12: „An selbigem Tage werde ich aufrichten die verfallene Hütte Davids und vermauern ihre Risse und richte auf ihre Trümmer und baue sie wie in den Tagen der Vorzeit; auf daß sie erwerben den Ueberrest Edom's und alle Völker, über die mein Name genannt wird, spricht der Ewige, der solches rhut." — Eine viel bedeutendere Grundlage und zwar für die reine Idee der messianischen Zeit gibt ein Ausspruch des Jeschajah 2, 2—4., welcher sich, uud zwar in ursprünglicherer Fassung, bei Michah 4, 1 — 4. wiederfindet, jedoch so, daß die Umgebung dieser Verse beweist, daß der Ausspruch weder dem einen noch dem andern originaliter angehört, sondern von beiden einem alten Prophetenspruche entlehnt ist, welchen sie an die Spitze von ihren Reden stellten. Er lautet: „Und sein wirds in der Folge der Zeiten: gegründet wird stehen der Berg des Hauses des Ewigen an der Spitze der Berge und über die Hügel erhaben, und zu ihm strömen Völker. Und es gehen viele Nationen und sprechen: Aus! hinan laßt uns ziehen zum Berge des Ewigen, zum Hause des Gottes Jakob's, daß er uns lehre von seinen Wegen und wir wandeln in feinen Pfaden: denn von Zijon geht die Lehre aus und des Ewigen Wort von Jeruschalajim. Dann wird er richten zwischen vielen Völkern, schiedsrichten mächtigen Nationen bis in die Ferne, daß sie schmieden ihre Schwerter zu Sensen und ihre Speere zu Winzermessern: nicht hebt Volk gegen Volk das Schwert und nicht lernen sie fürder den Krieg. Dann wohnt ein jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbäume, und niemand schreckt: denn der Mund des Ewigen der Heerscharen hats geredet." Es ist hervorzuheben, daß gerade dieses älteste Stück über die messianische Zeit weder darüber sich ausspricht, wodurch diese herbeigeführt werden würde, noch etwa über die Art des Cultus (Opfer), sondern nur enthält, daß die Wahrheit der Gotteslehre von allen Völkern und darum das Gotteshaus in Jerusalem als das höchste anerkannt werde, daß die Völker die Lehre und das Sittengesetz als für sie verbindlich annehmen und daß damit ein allgemeiner Friede, ein Aufhören alles Krieges stattfinden werde. So auch läßt Jeschajah Kap. 18 Boten ausgehen zum hochgewachsenen, glänzenden Volk, zum furchtbaren Volke von je und fortan, der Nation der Kraft und Zermalmung, deß Land Ströme durchschneiden", wozu „alle Bewohner der Welt, Insassen der Erde" sich gesellen sollen und jenes furchtbare Volk „Gaben darbringen dem Ewigen der Heerscharen zum Orte seines Namens." Das hier speciell gemeinte Volk sind die Aethiopier, tritt hier aber als Repräsentant aller Völker auf. Ebenso läßt er in Kap. 19 Egypten sich vollständig zum Ewigen bekennen, der ihm daher Hilfe und Rettung bereitet. Fügen wir hinzu 25, 6—8: „Da bereitet der Ewige der Heerscharen allen Völkern auf diesem Berge ein Mahl von Fettem, ein Mahl von Hefenweinen, von markigem Fettem, geläuterten Hefenweinen; und tilgt auf diesem Berge die Hülle, die alle Völker umhüllt, und die Decke, auf alle Nationen gedeckt; er tilgt den Tod auf ewig, er nimmt, der Herr, der Ewige, die Zähre von jeglichem Angesichte und schafft seines Volkes Schmach von der ganzen Erde: denn der Ewige sprachs." In drei Bildern zeichnet der Prophet hier die friedliche Einigung aller Völker als ein herrliches Mahl auf dem Berge Zion, wie ein Mahl beim Friedensschlüsse oft erwähnte Sitte war, die allgemeine Erkenntniß als ein Zerreißen der Decke, welche die Geister der Völker verdunkelt, und das Aufhören alles Unheils, sittlichen und materiellen Verderbens, als das Aufhören des Todes und der Thränen. Ebenso verkündet auch Michah 7, 12. eine Zeit, wo alle Völker —- es werden Assyrien und Egypten genannt — nach Israel kommen und sich ihm zugesellen. Dahingegen haben wir bei Jeschajah zwei Stellen, wo das Eintreten jener erhabenen Zukunft der ganzen Menschheit an eine Persönlichkeit geknüpft wird. Zuerst 9, 5. 6: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, auf seiner Schulter ruht die Herrschaft und seinen Namen nennt man: