Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 17 (19.4.1864)
- Date
- 1864-04-19
- Page
- Seite 255 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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25S Wunder, Berather, Gottesheld, beständiger Vater, Friedensfürst; zu mehren die Herrschaft, zum Frieden ohne Ende für David's Thron und sein Reich, zu festigen es und jzu stützen durch Recht und Gerechtigkeit von jetzt bis in Ewigkeit.- der Eifer des Ewigen der Heerscharen wird solches thun." Dann 1!, 1—10: „Dann geht ein Reis aus Jischai's Stamm heraus, ein Sproß aus seinen Wurzeln bricht hervor. Es ruht auf ihm der Geist des Ewigen, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rathes und der Kraft, der Geist der Erkenntniß und der Furcht des Ewigen. Ihm Wohlgeruch ist Furcht des Ewigen, nicht nach der Augen Schauen richtet er, nicht nach der Ohren Hören urtheilt er. Er richtet in Gerechtigkeit die Armen, urtheilt in Billigkeit den Leidenden des Landes: so schlägt er das Land mit der Ruthe seines Mundes, mit dem Hauche seiner Lippen tödtet er den Bösewicht. Gerechtigkeit ist seiner Hüften Gurt und Treue seiner Lenden Gurt. Da wohnt der Wolf mit dem Lamme, beim Böcklein lagert der Pardel, Kalb und junger Leu und Mastkalb beisammen: ein kleiner Knabe leitet sie. Und Kuh und Bär weiden, beisammen lagern ihre Jungen, der Löwe, wie ein Rind, frißt Stroh. Es spielt der Säugling an der Natter Kluft, und in des Basilisken Höhle streckt die Hand der kaum Entwöhnte. Nicht böse, nicht verderblich handeln sie auf meinem ganzen heiligen Berge, denn voll ist das Land der Erkenntniß des Ewigen, wie Wasser bedecken den Meeresgrund. An jenem Tage wird es sein: die Wurzel Jischai's, die zum Panier den Völkern steht, Nationen suchen sie auf, und seine Ruhestätte ist Herrlichkeit." Die erste dieser beiden Stellen beschränkt ihre Tragweite allerdings auf das Heil und den Bestand Israels, und erwägen wir, daß der Prophet diese Heilszeit gleich nach dem Sturze der assyrischen Herrschaft, welcher späterhin wirklich während der Lebenszeit Jeschajah's vor sich ging, ein treten glaubt, so kann es nicht fraglich sein, daß er unter diesem „Kinde" den damals ungefähr 12 Jahre alten Chiskijahu, der bereits besondere Zeichen seines frommen Sinnes gegeben haben konnte, verstanden hat. Wenn auch Targum den Messias versteht, so schwankt diese Ansicht doch bei den Talmudisten (Sanhedr. 94, 1.), wie auch Raschi, Kimchi und Abarbanel für den Chiskijahu stimmen. Die zweite Stelle bringt die weitere Ausführung der ersten, indem die Heilszeit unter dem Bilde, daß alle Raubthiere ihre wilde Natur verlieren, Pflanzen fressen und mit den zahmen Thieren friedlich zusammen weiden werden, geschildert, alle Völker im Bunde der Wahrheit, des Rechts und des Friedens vereinigt und dies aus dem göttlichen Geiste hergeleitet wird, der auf einer aus davidischem Geschlecht stammenden Persönlichkeit ruhe. Wenn nun allerdings der Zusammenhang lehrt, wie auch hier der Prophet auf den jugendlichen Prinzen Chiskijahu blickte, was schon ein Hillel (Sanhedr. 98, 2.) und Aben-Esra behaupteten: so ist dies doch im allgemeinen von keiner weiteren Bedeutung, da jedenfalls Jeschajah an diesen beiden Stellen die messianische Zeit durch eine von Gott hierzu berufene und ausgerüstete Person herbeigeführt hinstellt, wobei wir jedoch hervorheben wollen, daß der Prophet weder besondere Wunder hiermit verbindet, noch die messianische Person von irgend göttlicher Natur sein, sondern nur von göttlichem Geiste inspirirt sein läßt. — Wie Jirmejah alle seine Verkündigungen in einfaches und klares Wort kleidet, so geschieht dies auch hinsichtlich der messianischen Zeit. Er sagt hierüber 3, 17.: „In jener Zeit wird man Jeruschalajim Thron des Ewigen nennen, und versammeln sich dahin alle Völker zum Namen des Ewigen, nach Jeruschalajim, und werden nicht mehr wandeln nach der Verstocktheit ihres bösen Herzens;" ebenso 16, 19—21.: „Ewiger, meine Stärke und meine Veste und meine Zuflucht am Tage der Bedrängniß! zu dir werden Völker kommen von den Enden der Erde und sprechen: Nur Lüge halten unsere Väter zu eigen, Nichtigkeit, durch die keine Hilfe. Götter soll ein Mensch sich machen? Das sind keine Götter! Darum, siehe, ich mache ihnen diesmal kund, ich mache ihnen kund meine Hand und Allgewalt: sie sollen erkennen, daß mein Name Ewiger ist." Bon einer messianischen Person ist bei ihm nirgends die Rede, wenn er auch 23, 5. 6. und 33, 15. ff. über das wiederhergestellte Israel einen König aus dem Geschlechte David's regieren läßt, „der Recht und Gerechtigkeit übt im Lande", was zu erklären bei der damaligen Entartung der Königsfamilie und den oftmaligen Drohungen, die Jirm. gegen sie schleudern mußte, für ihn ein Bedürfniß war. — lSchluß folgt.) Zur Geschichte des Bannes. Von G. Wolf. Die Schrift des Rabbiners Hrn. Wiesner: „Der Bann in seiner geschichtlichen Entwickelung", welche das