Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 16 (12.4.1864)
- Date
- 1864-04-12
- Page
- Seite 244 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Besonders Dr. Kranz hat eine seltene Rednergabe bewiesen. — In, der Stadt Bochnia blüht jetzt eine neue jüdische Gemeinde auf, die vielleicht bestimmt ist, im Laufe einer kurzen Zeit zu einer Großgemeinde Galiziens anzuwachsen. Ob wir die Erlaubniß zur Niederlassung unserer Glaubensgenossen in einer bis jetzt nur von Christen bewohnten Stadt der Toleranz derselben oder nur der aus dem furchtbaren Brande in Wicznice unweit Bochnias hervorgegangenen Nothwendigkeit zu verdanken haben, darüber wird die Zukunft entscheiden. A. Moll mann. Frankreich. Paris, im März. «Privatmitth.) In unserer Zeit darf man sich über nichts mehr wundern, selbst nicht über unfern Hrn. Grand-Rabbin Ulmann. Was ist aus dem Manne innerhalb 8 Jahren geworden! Anno 1856 stimmte dieses geistliche Haupt der französischen Juden für Einführung der Orgel, Abschaffung der Piutim und dergleichen Sächelchen, und heute? Der Genosse des Reb. Seligman Bär, der Freund des privilegirten Zänkers in Frankfurt am Main! Der Grand-Rabbin mag sich nicht mehr im Spiegel sehen, er schämt sich vor sich selber, daß er, der Grand-Rabbin von Frankreich, noch vor wenigen Jahren ein anderer und ein solcher Grano-Radbin gewesen ist. Er hat es sich auch nicht nehmen lassen, zu der noblen Gesellschaft der Protestanten gegen Rabbiner Horwitz in Men zu zählen; vor kaum einem Jahre hat er einem französischen Rabbiner dictirt, eine öffentlich ausgesprochene Ansicht öffentlich zu widerrufen — nun — aus dem Manne läßt sich noch alles machen! Man spricht hier davon, der Herr Ulmann sei heute so und so, weil die Kaiserin, der Clerus — Herr Ulmann gehört ja auch zum Clerus — vielleicht schreibt er in einigen Jahren — für den Papst oder zu Gunsten der Jesuiten. Warten Sie nur! Paris, 1. April. (Nach den Arch. isr. *) Am 12. März fand die Einweihung des dem verstorbenen *) Es thut uns leid, immer wieder auf einen leidigen Gegenstand zurückzulommen. Wir geben stets aufs genaueste die jüdischen Journale an, aus denen wir etwas entlehnen. Warum übersetzen aber die Arch. isr. S. 315 einen Artikel ans Frankfurt und S. 316 aus Philadelphia aus unserer Zeitung, ohne die Quelle anzugeben? Die Redaction. Halävh errichteten Monuments in sehr feierlicher Weise und im Beisein eines ,großen undgewählten Publikums statt. Das Monument besteht in einer prächtigen Statue aus weißem Marmor von Durst auf einem Piedestal von Lebas. Das edle und geistreiche Gesicht des Verstorbenen ist bewunderungswürdig wiedergegeben und die Stellung des Monuments auf einem Hügel trägt zu der Wirkung bei. Mit Recht ist man aber mit, geringer Ausnahme in allen jüdischen Kreisen von Paris über die Aufrichtung einer Statue auf einem jüdischen Gottesacher sehr entrüstet und auch die Redaction der Arch. isr. drückt ihre Mißbilligung aufs schärfste aus. (Bedurfte es denn aber hierzu nicht der Beistimmung der pariser Rabbiner? oder konnten diese nicht ihren Protest erheben? Es ist dies sicherlich das erste Beispiel, daß die Statue eines Juden aus einem jüdischen Gottesacker errichtet wurde!) — Herr Gustav Bedarrides, Generalprocurator am kaiserl. Gerichtshöfe von Bastia, ist zum General-Advocaten am Caffationshof ernannt worden; es ist dies, wie die Arch. isr. bemerken, die Höchste richterliche Stelle, welche in Frankreich bis jetzt ein Israelit eingenommen. — Herr Adolf Abraham, Bataillonschef des 85. Linienregiments, hat den Officiersgrad der Ehrenlegion erhalten. Die Arch. isr. bemerken hierzu: „Dieser hochgestellte Officier, im Gegensätze zu dem, was leider oft genug von gewissen Glaubensgenossen geschieht, läßt keine Gelegenheit Vorbeigehen, die Religion, der er angehört, zu verherrlichen, selbst in Rom, wo sein Regiment gegenwärtig in Garnison steht." Schweiz. Zürich, im März. (Privatmitth.) Der vor noch nicht drei Jahren hierher berufene Professor Dr. Büdinger ist dieses Jahr zum Rector der Universität erwählt; zwei der drei schweizerischen Hochschulen, Bern und Zürich, haben also dieses Jahr Juden zu Rectoren. St«-Gallen, 28. März. <Privatmitth.) Den verschiedenen Gerüchten gegenüber, welche über die Bildung einer israelitischen Gemeinde am hiesigen Orte laut geworden und auch in diese Zeitung übergegangen sind, können wir heute versichern, daß die hier wohnenden Israeliten durchaus nicht beabsichtigen, den Samstag auf den Sonntag zu verlegen. Wohl aber wird die Gründung der Gemeinde, die Einführung ei-