Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 16 (12.4.1864)
- Date
- 1864-04-12
- Page
- Seite 241 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226418-3226435--22060-3259310- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
241 unseres guten, höchstseligen Königs Max, der so unerwartet von uns gerissen worden ist. Wenn es noch eines Beweises bedürfte, wie aufrichtig diese Klage ist, wie sehr man den Dahingegangenen beweint, so könnte die allgemeine Theilnahme an den Trauergottesdiensten, die in allen Gotteshäusern abgehalten wurden, den besten Beweis liefern, wie groß der Kummer über unfern Verlust das Land ergriffen hat. Auch in unserer Synagoge wurde am 23. d. M. abends ein Trauergottesdienst abgehalten, nachdem in der katholischen und protestantischen Kirche eine gleiche Feier schon stattgefunden hatte. Das Innere der Synagoge, welche mit schwarzen Draperien reich ausgestattet und durch Gasflammen tageshell erleuchtet war, verfehlte nicht auf die Versammlung den tiefsten Eindruck zu machen. Se. Excellenz der Herr Präsident der Regierung, sämmtliche Regierungsräthe, der Magistrat, die Gemeindebevollmächtigten und die übrigen Civilbehörden sowie sämmtliche Militärbehörden der Stadt wohnten der Feier bei. Nach einer Trauermusik wurde ein hebr. Gesang vom Liederkranze vorgetragen. Hierauf betrat Herr Rabbiner vr. Fürst die Kanzel. Derselbe gab in einer ausgezeichneten Predigt unter Zugrundelegung des Textes Ps. 16 V. 10—11. dem tiefen Schmerze wie dem göttlichen Tröste der Verheißung der Seligkeit einen ergreifenden Ausdruck. Mit beredten Worten hob er die großen Verdienste unseres höchstseligen Königs, die sich derselbe in so hohem Grade um die Wiffenfchaften sowie um das engere und weitere Vaterland erworben, hervor. Die hohe Versammlung war tief ergriffen von der meisterhaft ausgeführten Predigt,*) was für Herrn vr. Fürst um so ehrender ist, da in den zuvor abgehaltenen Trauergottesdiensten der beiden christlichen Confessionen ebenfalls ausgezeichnete Prediger gehört wurden. Gesang und Trauermusik bildeten den Schluß dieser in jeder Beziehung gelungenen Feier. Anerkennend wollen wir noch hervorheben, daß auf Befehl der städtischen Behörden sämmtliche Verkaufsläden der Stadt während des Gottesdienstes geschlossen bleiben mußten. München, 28. März. Sehr ergreifend war der Trauergottesdienst, der zum Andenken des verstorbenen *) Wir haben diese Predigt gedruckt erhalten und finden sie des hohen Gegenstandes in Form und Inhalt sehr würdig, besonders gefühlvoll und lauterster Anschauung. Die Redaction. Königs in der Synagoge abgehalten wurde. Der jüdische Prediger feierte in seiner Rede den König als das Ideal eines Fürsten, dem die Glaubensgenossen der verschiedensten Bekenntnisse gleich liebe Kinder waren. Es hat sich ein Central-Comits „für Gründung eines National-Denkmals für König Maximilian II." gebildet; dasselbe, aus Männern verschiedenen Standes und Ranges bestehend — neben dem Grafen Arco- Balley sigurirt gleich Rabbiner Aub und neben dem Kron-Oberfthofmeister Fürst Dettingen Redacteur Vogl — fordert in einem Aufruf: „An das bairische Volk", zu Beiträgen auf. Preußen. Berlin, 30. März. Die „Volks-Zeitung" schreibt: Am 22. März ist dem König eine Gratulationsadresse zugegangen, welche unterzeichnet ist: „Die orthodoxen (rechtgläubigen) Israeliten der kgl. Residenzstadt Berlin." — Die feudale Correspondenz theilt den Wortlaut der Adresse mit. — (Vorausgesetzt, daß diese Mittheilung richtig ist, so wäre es abermals ein Beweis, wie es jetzt um gewisse Juden beschaffen ist. Daß eine Anzahl Preußen an Se. Majestät eine Geburtstagsgratulation richten, das ist nichts Besonderes, und niemand wird es dem verdenken, der sich dazu gedrungen fühlt; daß sie sich aber als eine gewisse religiöse Partei geriren, daß sie sich als „die orthodoxen Juden Ber- 'lins" bezeichnen, daß sie sich so von ihren Glaubensbrüdern aussondern, daß sie, die Unterzeichner, zugleich allein sich als orthodox bezeichnen uud jeden anderen von diesem Prädicat ausschließen, dies spielt auf ein Gebiet hinüber, welches der Denuneiation, Inquisition, dem Bannschleudern so ähnlich sieht wie ein Ei dem andern! Geht, geht, was habt Ihr für Religion! Was haltet Ihr für religiös, sittlich, recht! — Die Redaction.) Bonn, 31. März. (Privatmitth.) Wir haben in No. 45 des vorig. I. über die Unterstützungen armer Studirenden zu Bonn, die aus den in den katholischen, protestantischen und israelitischen Gemeinden gesammelten Geldern geleistet werden, und darüber Klage geführt, daß, während die jüdischen Gemeinden 441 Thlr. geliefert, nur sechs jüdische Studenten mit zusammen 90 Thlr. unterstützt wurden, und zwar so, daß, während