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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-04-12 · Heft 16 (12.4.1864) · p. Seite 240

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 16 (12.4.1864)
Date
1864-04-12
Page
Seite 240 (sequence 6)
Language
German
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240 man ihnen vortragt, und wissen diese Gründe kurz und schlagend vorzuführen. Die Verfassung der Kaffern ist theils patriarchalischen, theils feudalen Charakters. Das Volk, als Ganzes, steht unter der Oberherrschaft eines erblichen Häuptlings, der durch eine Rathsversammlung beschränkt ist, deren Mitglieder Amapakati heißen, welche duxch Tapserkeit und Klugheit sich Einstuß im Volke verschafft haben. Die Grundsätze ihrer Rechtspflege und manche der ihnen eigenthümlichen Gebräuche sind vor wenigen Jahren auf Befehl der Regierung von Britisch Kafraria gesammelt und veröffentlicht worden, und es wäre wohl Sache eines der vielen Juden in der Capstadt, darüber Nachforschungen und Vergleiche anzustellen, um dadurch noch mehr zu ermitteln, in wieweit die Kaffern jüdischen Ursprungs sein könnten oder nicht.*) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 17. März. Von der neuen Ausgabe der sämmtlichen Werke Berthold Auerbachs liegen uns jetzt acht Bände vor, welche die sämmtlichen „Schwarzwälder Dorfgeschichten" enthalten. Wir können nach der wiederholten Lectüre derselben aufrichtig bekennen, daß diese dichterische Erzeugnisse sind, deren meiste uns um so schätzbarer erscheinen, je näher wir sie kennen lernen. Sie sind Genrebilder von der tiefsten psychologischen Wahrheit, jeder Pinselstrich der Natur abgelauscht und doch voller Grazie und von einem geläuterten Geschmack. Man kann durchaus nicht sagen, daß hier die bäuerliche Natur idealisirt sei; die Eigenthümlichkeiten und Schwächen derselben sind überall gewürdigt; aber der Dichter verstand es, die psychologischen Motive, die Triebfedern in Gedanken- und Empfindungsweise herauszufinden, und darum erscheinen sie anders, als sie uns Vorkommen, und sind doch nur so gezeichnet, wie sie wirklich sind, denken und empfinden. Von unserm Standpunkte aus können wir nur bedauern, daß Auerback diese seine herrliche Begabung nicht auch auf dem Gebiete der jüdischen Welt, die er doch mindestens ebenso gut kennt wie die *) Man weiß, wie wenig Zutrauen den Berichten der englischen Reisenden nach dieser Richtung hin zu schenken ist. Ueberall wittern sie Abkömmlinge der Juden, überall sehen sie Anknüpfungspunkte an jüdische Sitte und Satzung. Die Redaction. bäuerliche, verwendet hat, denn gerade in seinem Spinoza und Kuh hat er jene nicht angebracht und wird sie um desto ungerner vermißt. — „Israels Glaube. Predigt über 2 Mos. 14, 31. Bei Gelegenheit einer Sepher- Thora-Einweihung. Von vr. v. Rothschild, Kreisrabbiner in Alzey. (Preis 2 Sgr., der Reinertrag ist der Unterstützungskaffe für israelitische Lehrer in Deutschland zugewiesen)." Diese Predigt hat unfern ganzen Beifall, denn sie ist ebenso geistwie gemüthreich, hat eine einfache und doch schöne Form und eine, wenn auch nicht schwungreiche, doch ergreifende Sprache. Der Inhalt ist: Der Glaube Israels ist ein Glaube der Ueberzeugung und ein Glaube der That. (Wir hätten hier statt „Glaube" lieber Religion gesagt, da die specifische Bedeutung des Wortes Glaube mit „That" nicht gut verbunden werden kann und der Redner also das Wort nur in seinem allgemeinen Sinne für Religion verstanden hat.) Aus Westphalen, im März. Der Lehrer R. Treu in Münster gibt eine „Israelitische Jugendbibliothek" heraus, von welcher bereits zwei Bändchen erschienen find. Der erste Band enthält eine Geschichte, die sich auf jüdischem Gebiete bewegt, „Selke", die sich bereits einer allgemeinen Anerkennung erfreut. Sie wird mit Interesse gelesen, weil sie nach Form und Inhalt für die Jugend paßt und hinter der anmuthigen Erzählung sich manche psychologische und pädagogische Erfahrung kund thut. Das zweite Bändchen „Graumantel" hat den confessionellen Boden verlassen und stellt ein Bild edler Gesinnung, der Selbsterziehung zur Nüchternheit und der wahren Wohlthätigkeit auf. Wir können beide Werkchen der Jugend zur Lectüre empfehlen und dem überaus strebsamen Verfasser unsere Anerkennung von Herzen zollen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Baireuth, 24. März. (Privatmitth.) Ei« tiefes Gefühl der Wehmuth und des Schmerzens durchzieht unser Vaterland, eine allgemeine ungeheuchelte Trauer zeigt sich vom Palaste bis zur Hütte. Ueberall vernimmt man nur die innigste Klage um den Verlust

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