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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-04-12 · Heft 16 (12.4.1864) · p. Seite 239

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 16 (12.4.1864)
Date
1864-04-12
Page
Seite 239 (sequence 5)
Language
German
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4 der Religion eingreifen, auszugleichen, ist eine schwere Aufgabe. Da man aber von der Voraussetzung ausgehl, daß Jesus doch nur habe das Gesetz aufheben und die Heiden bekehren wollen, so erklärt man einige Verse für in die ursprüngliche Rede eingeschoben, oder man nimmt an, daß in den Ansichten Jesus' selbst durch die Umstände eine Entwickelung vor sich gegangen, um die Voraussetzung, von der man ausging, bestätigt zu finden. Wir, die wir außerhalb des Streites stehen, haben die Art dieser Operation nicht zu beurtheilen, können aber die gewonnenen Resultate noch lange nicht als begründet ansehen. Lesefriichte. Die Kaisern jüdischen Ursprungs? Eine neue ethnographisch-geographische Zumuthung! Von Julius Philippson. Als die Europäer den südlichsten Punkt von Afrika entdeckten, fanden sie dort drei Völkerstämme vor: die Hottentotten, friedlich und sanft, die Spuren einer früheren Bildung doeumentirend; die Buschmänner, noch heute in ihrem wilden Wanderleben nur Mord und Raub ausübend, und die Kaffern, welche zu den vorhergehenden in jeder Beziehung einen Gegensatz bilden. In den meisten höheren Eigenschaften wilder Natürlichkeit ist der Kaffer allen übrigen Völkerschaften des afrikanischen Continents überlegen und die Kriege mit der Colonie haben die Europäer ihre wilde Taktik und ihren barbarischen Muth achten gelehrt. An der Ostküste Afrikas bis etwa 120 deutsche Meilen nördlich vom Cap der guten Hoffnung wohnt ein Volksstamm von mehr oder weniger dunkler Kupferfarbe, von hoher Gestalt, stolzer, unabhängiger Haltung und von kräftigem, wohlproportionirtem Körperbau. Die verschiedenen Stämme der Amazulu, Amagondo, Amagaleka, Amakosa, Amatembu (Ama bezeichnet den Plural), welche wir unter dem gemeinsamen Namen der Kaffern begreifen, sprechen verschiedene Dialekte einer und derselben Sprache, welche viele Worte arabischen Ursprungs enthält, und können sich untereinander verstehen. Als die Portugiesen zuerst das Cap umsegelten und die arabischen Niederlaffungen an der Ostküste berührten, hörten sie von den mohammedanischen Colonisten, daß jene Stämme Kafirs seien, was im Arabischen „Ungläubige" bezeichnet.. Die Tradition ihrer Urgeschichte weist nach Nordosten als der Richtung hin, woher sie gekommen; ja man führt ihren Ursprung auf Jsmael, den Sohn Abrahams, zurück, da ihre Religion, wenn man ihren Glauben so nennen kann, mannigfach an das ursprünglich jüdische Element erinnert. Die Kaffern erkennen ein höheres Wesen an und haben einen festen Glauben an eine geistige Welt, deren Einfluß sie unterworfen sind und welche sie sich geneigt machen können. Sie haben Propheten, welche sie verehren, und glauben, daß dieselben Wesen seien, in welche die Seelen großer Häuptlinge übergegangen, um zukünftige Ereignisse vorauszusagen. Opfer müssen unter Leitung eines Priesters vorgenommen werden, das Blut wird in einem Gefäß aufgefangen, darf nicht auf die Erde fallen, die Knochen müssen verbrannt werden. Die hohe Verehrung für ihre Häuptlinge, ihr Hirtenleben, das Kaufen der Weiber, ihre Schmucksachen, bestehend aus Arm- und Beinringen, ihre Beobachtung des Festes der Erstlinge — alles dieses deutet auf hebräischen Ursprung hin. Der Häuptling eines ihrer einflußreichsten Stämme heißt Mosche sch, auch ist der Name Abram nicht unbekannt. Alle Thiere, welche im mosaischen Gesetz für unrein erklärt worden, sind den Kaffern unrein; Schweinefleisch ist ihnen ein Greuel. Hasen, Fledermäuse, Eulen und verschiedene andere Thiere rühren sie nicht an. Die Gesetze der persönlichen Unreinheit gleichen denen des Leviticus. Be schnei düng ist allgemein und erforderlich. Je weiter der vr. Lewingstone nach Osten und Norden vordrang, je genauer seine Bekanntschaft mit den Eingeborenen wurde, desto reiner sind ihre Begriffe von der Gottheit, desto unvermischter ihre theologischen Begriffe, desto bedeutender fand er bestätigt, daß sie israelitischen Herkommens sein müßten. Nie lassen sie ihre Versprechungen unerfüllt, das Gefühl von Treue und Glauben ist obwaltend bei ihnen. — Ihre Herrscher und Priester haben sich leider seit Jahrhunderten in die Hände gearbeitet, den reinen Glauben zu verwischen. Die politischen und religiösen Elemente sind in ihrem Regierungssystem so eng miteinander verbunden, daß sie den Bekehrungsbestrebungen der Missionäre ein großes Hinderniß bereiten. Ihr Scharfsinn ist bedeutend entwickelt; in aller Gutmüthigkeit fragen sie nach den Gründen der Behauptungen, welche

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