Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 15 (5.4.1864)
- Date
- 1864-04-05
- Page
- Seite 229 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226418-3226434--22047-3259296- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WS geben. Das klerikale Blatt muß dies am besten wissen, doch wird dadurch der Umstand selbst, daß die Glocken beim Begräbniß des Großrabbinen geläutet wurden, nicht verneint, und so wird auf diese Weise dem verstorbenen Großrabbinen nicht die Ehrenbezeugung, wohl aber dem Erzbischof die Ehre einer solchen ehrenvollen Gesinnung genommen. Schweiz. Bern, 19. März. Mit Vergnügen melde ich Ihnen, daß in dem Canton A a r g a u bei den letzten Großrathswahlen die ultramontane Partei den Liberalen total erlegen ist, was bei den Vorgängen in der Judeneinbürgerungsfrage kaum zu erwarten war. Der Umschlag ist so großartig, daß die Ultramontanen in der neuen Legislative zu einer Minorität von kaum 40 Mitgliedern zusammengeschrumpft sind. Selbst Bezirke, welche früher ganz ultramontan waren, wie Baden, Laufenburg und Bremgarten, haben entweder ganz oder überwiegend liberal gewählt. Solche Vorfälle verfehlen gewöhnlich nicht, einen wohlthätigen Einfluß auf die übrige Schweiz auszuüben, daher sie auch in der liberalen Presse des Auslandes erwähnt zu werden verdienen. Italien. Aus Oberitalien, 3. März. (Privatmitth.) Cs gereicht mir zum besondern Vergnügen, Ihnen von den staunenswürdigen Erfolgen des jungen Herrn Elia Laltes, dessen ich in einem meiner vorhergehenden Schreiben bereits zu erwähnen Gelegenheit hatte, ein Weiteres zu berichten. Dieser noch nicht zwanzigjährige Mann, bereits Doctor der Rechte, hat nicht nur vor dem Professoren-Collegium über Staatsökonomie eine sehr beifällig aufgenommene Dissertation gehalten, sondern wurde jüngst bei Gelegenheit der in Turin gehaltenen dritten Säcularfeier des Geburtstages von Galileo Galilei von den Studirenden der Universität erwählt, die Festrede in deren Namen zu halten; eine Aufgabe, die er zur vollen Zufriedenheit der Zuhörerschaft gelöst hat. Auch bei den gelehrten Vorlesungen, welche in Turin von den bedeutendsten Gelehrten an gewissen Abenden über mannigfache gelehrte Themata vor zahlreichen Zuhörern abgehalten worden, war er bereits betheiligt und hat über die indo-europäische Gesellschaft eine Abhandlung gelesen. Welchen Reichthum an Geist und welche Fülle von Wissen setzt eine solche Mannigfaltigkeit der Leistungen voraus! Donaufürstenthümer. Bukarest, 28. Januar. Die Arch. isr. enthalten einen Bericht über die Glückwunsch-Deputation, welche die Israeliten zum Neujahr an den Fürsten Coucha gesandt. Dieser antwortete: „Im Jahre 1864 werden die Rumänen vom israelitischen Glauben mehr Rechte genießen. Bevor wir Ihre Petition erhielten, meine Herren, hatten wir schon die nöthigen Vorkehrungen getroffen. Ich wollte Ihnen alles geben, aber das ist nichtgegangen. Sie werden eine allmähliche Emancipation haben. Ueberall und in welcher Stadt ich gewesen bin, habe ich Sie geliebt und ich habe niemals Religionsunterschiede gemacht." — In der Thal hatte der Cultusminister Bolintineano im Ministerconseil die volle Emancipation der Israeliten beantragt und wurde darin vom Fürsten unterstützt. Die übrigen Minister stellten einen hartnäckigen Widerstand hiergegen auf und man einigte sich zu einem Gesetzentwurf, der nur die unbedeutenden Zugeständnisse enthält: die bürgerlichen Rechte sollen jedem Israeliten bewilligt werden, der einen wissenschaftlichen Grad oder Officiersrang in der Armee oder ein besonderes Verdienst um die Industrie erlangt hat. Bukarest, 18. März. (Presse.) Die Kammer beschäftigt sich noch immer mit dem Gemeindegesetze, und ist der Theil, der heute zur Verhandlung kam, auch für auswärtige Leser von Interesse. Er betrifft nämlich die Stellung der Israeliten in der Gemeinde. Die Commission schloß die Israeliten von der Gemeinde aus und ließ sie an keinem der gemeindebürgerlichen Rechte participiren. Da erhob sich Abgeordneter Costaphoros, Professor an der juristischen Fakultät, dessen Werkchen über „Constitutionelles Staatsrecht" einzig dastcht in der rumänischen Literatur, und beantragte vollste Gleichstellung der Israeliten mit den Christen. Nun brach der Sturm erst recht von allen Seiten los; einige Dutzend Redner paukten wacker auf das arme Judenvolk, und selbst der erleuchtete Minister- Präsident Cogolnitschano stand nicht an, zu erklären, die Juden seien eine — Plage des Landes! Da Costaphoros und die wenigen, die, wie z. B. Abgeordneter 1.5**