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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-04-05 · Heft 15 (5.4.1864) · p. Seite 230

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 15 (5.4.1864)
Date
1864-04-05
Page
Seite 230 (sequence 12)
Language
German
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230 Rosetti, Redacteur des Journals Romanul, zu ihm hielte», ihrem Anträge nicht den mindesten Erfolg versprechen konnten, so stellte Abgeordneter Rosetti das Vermittelungs-Amendement, daß jene Israeliten, welche den Unterofficiersgrad in der Armee, das Licentiat oder Doctorat an einer auswärtigen Hochschule erworben, eine einheimische Lehranstalt absolvirt, oder endlich ein industrielles Etablissement im Besitze haben, das mindestens 50 Arbeiter beschäftigt, vollberechtigt in der Gemeinde sein sollen mit den Christen. Und auch dieses Amendement konnte nur mit Mühe mit einer Majorität von 3 Stimmen, 42 für und 39 gegen, zur Annahme gebracht werden! Rußlan d. Warschau, 20. März. Infolge der Bewegung und von der öffentlichen Meinung gedrängt, hat im Jahre 1861 der hiesige Staatsrath eine seit vielen Jahren bestandene Steuer aufgehoben, welche die Inden ausschließlich vom Fleische zu zahlen hatten, was nach ihren religiösen Vorschriften zubereitet zu werden pflegte. An dieser Steuer hingen viele Mißbräuche und sie war ein willkommener Gegenstand der Corruption. Ein vom Administrationsrath soeben erlassenes Gesetz führt dieselbe wieder ein. Es setzt zwar den Betrag gegen früher um zwei Drittel herab und gibt den Einkünften eine Bestimmung für die jüdische Gemeinde, welche sie früher nur zum Theil hatten; voch bestehen alle Plackereien, die an der Steuer hängen, fort. Mitau, 21. März. (Privatmitth.) Die Judenangelegenheiten hier sind noch immer in Verhandlung und bieten gegen früher viele entgegengesetzte Erscheinungen, die jedoch jetzt nicht besprochen werden können. Einstweilen erlauben Sie mir zu weiterer Orientirung vorläufig folgenden Artikel aus der „Baltischen Monatsschrift" Bd. VIII. Th. VI. vom December 63 in einer Correspondenz aus St. Petersburg mitzutheilen. „Ich will einmal zum Schluffe, da ich Kurland erwähnt habe, den edlen Städten Mitau, Grobin und Libau und ihren Magistraten meinen Tribut der Bewunderung zollen. Wie ich nämlich in der „Nordisch- Post" lese, haben die genannten deutschen Bildungsstätten auf die Frage der Gouvernementsregierung, ob Juden zu städtischen Aemtern zugelassen seien (wie die Rigasche Zeitung auf Art. 43 d. Z. d. I. sich beziehend ausgesprochen), verneinend geantwortet. Zwar Mitau etwas verschämt: im Principe ja! aber wir Europäer sind jetzt durch den Congreß-Briefwechsel im diplomatischen Stil geübt und errathen die mitauer Herzenömeinung ohne Schwierigkeit. Den Vätern der Stadt Libau aber, die 8an8piria8e votirt haben, drückt die dankbare Menschheit den Petcrsilienkranz der Anerkennung auf die muthige Stirn — a tont seigneur toul honneur! Die Libauer, durch den Handelsverkehr aufgeklärt, wissen, daß Humanität nur ein leerer Schall ist. Zwar sind die im Angesicht Libaus liegenden Städte Königsberg, Elbing und Danzig von Juden-Concurrenz befleckt und noch immer nicht vom Schwefelregen verzehrt, aber dies Ereigniß wird ohne Zweifel bald eintreten. Mit Behagen male ich mir den Fall aus, daß, wenn Hr. Fould, der jetzt die Finanzen eines großen Reiches verwaltet, einmal nicht nach Biarretz, sondern nach Libau ins Seebad ginge und Lust hätte sich daselbst niederzulassen und städtischer Kämmereischreiber zu werden — er zu seinem Erstaunen erfahren würde, daß verlorene Judenseelen in libauer Aemtern nicht geduldet werden!" Amerika. Curaeao. Die Arch. isr. erhielten von hier (holländische Antillen) den Prospectus einer neuen Gesellschaft und eines neuen Journals in spanischer Sprache: Die Gesellschaft heißt LI Lorvenir und das Journal ist Slicmah Israel betitelt; beide haben denselben Zweck: „Die wahrhaften Grundsätze der israelitischen Religion zu erforschen und zu verbreiten, um die Mißbräuche, die sie entstellen, zu entfernen, sie in ihrer ursprünglichen Reinheit wieder herzustellen, sie mit der Cimlisation und den Bedürfnissen unserer Oertlichkeit in Uebereinstimmung zu bringen, jedoch stets das Dogma unverletzt festzuhalten." In den Statuten der Gesellschaft liest man auch: §. 2. „Um unsere göttliche Religion, den Hauptgegenstand unserer Liebe, zu regeneriren, müssen wir sie der Welt so darstellen, wie sie der Schöpfer uns durch unfern großen Propheten übergeben hat." Endlich wird behauptet: §. 3. „Daß der israelitische Cultus, reformirt genannt, sowie er in verschiedenen Punkten Europas und den nordamerikanischen Staaten geübt wird, nach der Meinung der Unterzeichneten die einzige rationelle Interpretation des Judenthums ist."

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