Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-04-05 · Heft 15 (5.4.1864) · p. Seite 227

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 15 (5.4.1864)
Date
1864-04-05
Page
Seite 227 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226434--22045-3259294
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

227 oder Religionslehrers in dieser Gemeinde, als die Ursache annehmen will, welche gerade so manchen unserer orthodoxen Rabbinen bestimmt haben mag, an den Berathungen dieser Conferenz Theil zu nehmen. Wie wir vernehmen, wurden die Rabbinen in S. Sct. Pster Pecse-Neudorf und Rebbe Hilel in Szikszü beauftragt, im Sinne des orthodoxen Judenthums höheren Ortes Schritte zu thun und mit allen Mitteln im Namen der Anwesenden gegen die Errichtung eines Rabbiner-Seminars im modernen Sinne Verwahrung einzulegen. Was von letztbenanntem Herrn selbst das orthodoxe Judenthum zu erwarten hat, beweist die von ihm verfaßte, durch seine Jünger verbreitete Broschüre der tPWi-i, aus welcher einige Zeilen im Auszuge zu geben Ew. Hochwürden uns sreundlichst gestatten wollen. „Habt ihr schon den Jezer hora gesehen, meine Brüder, wisset ihr, wie er aussieht? Glaubt ihr etwa, wie ein Bösewicht oder wie ein moderner Lebemensch? Nein, jüdische Kinder, der Jezer kor» ist ein Rabbi geworden, glaubt aber ja nicht, ein Rabbi in der Kutte, oder gar ein Prediger. Der Jezer hora sieht heutzutage bei uns in Ungarn merkwürdig aus, er geht täglich in das Bad, lebt eifrig dem Talmudstudium, macht Chazos, ist dabei ein vorzüglicher Redner und hält hochdeutsche Predigten. Wisset, ihr Brüder, wen ich meine, das sind unsere frommen Rebbis, die gleich Moses Dessauer deutsche Studien machen." Nachdem der Rebbe mit steter Angabe von Fabeln die neuorthodoxen Rabbinen geschildert hat, fährt er fort: „Und ihr, geliebte Brüder, treue, fromme, jüdische Kinder, habt Erbarmen mit der heiligen jüdischen Lehre, gedenket eurer Väter im Grabe, weichet den unter euch lebenden deutschen Rabbinen aus, heftet euch an ehrliche gute Juden, lasset keinen Lehrer in euer Haus kommen, was ihr für das Geschäft, für eure Kinder benöthiget, lasset von einem Christen lehren, bedenket meine Ermahnung um des Himmels willen, auf daß erfüllt werden die Worte des Propheten u. s. w."*) Was von solchen Männern zu hoffen und welch eine eghptische Finsterniß wir in Oberungarn bei solch *) Zur Erklärung sei hinzugefügt, daß Rebbe Hilel ein Deutscher und ein Nachfolger des Magid Rabbi Frisch Fischmann in Preßburg ist, dem er heut mit aller Energie entgegenzutreten sucht. einem Treiben zu erwarten haben, müssen selbst unsere Orthodoxen, unter denen sich bei uns manch tüchtiger Kämpe gegen Chassidismus und Unglauben, wir erwähnen beispielsweise den würdigen Oberrabbi Jeremias Löv in S. A. Ujhelh, findet, zugeben. — -An der ujhelher Musterhauptschule und, wie man uns mittheilt, auch an der pesther wurde seitens des hohen königlichen ungarischen Statthalterrathes den deutschen Kräften das nachgesuchte Definitivum nicht verliehen und selbigen eine einjährige Frist, behufs vollkommener Aneignung der ungarischen Sprache gestellt. So gerecht wir einestheils diese Maßregel im Interesse des Aufblühens des vaterländischen ungarischen Schulwesens auch finden, so sehr sind wir andererseits für die Folge zu der Hoffnung berechtigt, eine humane Entscheidung der hohen Regierung mit Zuversicht zu erwarten, nachdem die ungarische Sprache gerade bei dem Ausländer, sowohl in der Aussprache als ihren Constructionen, Schwierigkeiten zeigt, die bei dem anhaltendsten Fleiße kaum zu überwinden sind. Miskolz, 13. März. (Privatmitth.) Der Kampf unserer Schwärmer gegen den hiesigen Cultus-Tempel dauert fort. Woher es kommt, daß der Bezirks-Rabbi in S. Sct. Pöter gegen seinen Vorgesetzten, gegen unseren greisen Ober-Rabbi Fischmann am meisten agitirt, waren wir nicht in der Lage zu erfahren, obwohl dieser Herr vor seiner eigenen Thüre, im eigenen Rabbinate genug zu ordnen hätte. Die Agitation hat einen so hohen Grad erreicht, man spricht von Bann u. s. w., daß die Behörden sich einzumischen für berufen erachten, und erleben wir in Ungarn das seltene Schauspiel, daß zwei Söhne unseres Rabbi, die Herren Rabbinen Fischmann in Ketskemet und Preßburg, in diesem Kampfe vermöge ihrer orthodoxen Richtung nicht einmal in der Lage sind, sich auf die Seite ihres greisen, sehr geachteten Vaters zu stellen. Ein soeben vom Ober-Rabbi unserer Stadt erschienener Aufruf verdammt in beredten Worten das Gebühren der beiden benachbarten Rebbes, welche, wie wir erfahren, ihre Zuflucht selbst zum Herzog von Jerusalem (!) genommen haben und erst in diesem Augenblicke von Wien zurückgekehrt sind, um sich neue Instructionen von der am 9., 19. und 11. dieses in Nhreghhaza stattfindenden orthodoxen Rabbinen-Versammlung, an welcher alle orthodoxe Rabbinen Ungarns Theil nehmen sollen, zu holen. — 15

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.