Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 15 (5.4.1864)
- Date
- 1864-04-05
- Page
- Seite 226 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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228 wenn dieser Fall eintreten sollte, er auf seinen Gewinntheil zu Gunsten der Kinder des anonymen Redacteurs verzichten werde. Nun aber ist vr. Veit früher gestorben als jener, und man fand zu allgemeiner Ueberraschung ein Codicill vor, nach welchem schon der überlebende Redacteur in den Genuß des Gewinntheils tritt. Berlin, 26. März. (Privatmitth.) Hier liegt noch alles völlig im Chaos und es läßt sich noch nicht im entferntesten absehen, ob eine Klärung stattfinden und im höheren Sinne ein befriedigendes Resultat sich ergeben werde. Die abenteuerlichsten Pläne sind schon zum Vorschein gekommen. So wollte man einen Prediger und einen alten „Raas" anstellen, die Gemeindeeinkünste theilen und auch der „Reform" ein Fünftel zukommen lassen. Allein hiergegen erhob sich gerade von der Seite, von der das Project ausgegangen, der Einwand, daß man dann die „Reform" als rechtmäßig im Judenthume bestehend anerkennen müsse. Jndifferentismus und religiöser und politischer Parteihaß haben in die Gemeindeinstanzen vielfach reactionäre Elemente hineingebracht, und diese haben schließlich doch zu entscheiden. Was läßt sich da hoffen? Gerade der intelligente Theil der hiesigen Geldaristokratie fehlt in jenen, während dieser in anderen Gemeinden vorzugsweise gewählt wird. Jetzt kommt es zu Tage, welchen Schaden die lauge, lange Stagnation in unserer Gemeinde hervorgebracht hat. Seit 1850 ist sie in das ungeheure Anwachsen gerathen, zu dem alle Provinzen ihr Contingent stellen. Würde vor jener Zeit die Gemeinde gesunde cultuelle Institute und Einrichtungen erlangt gehabt haben, so hätten sich diesen die hinzugekommenen Elemente angeschlossen. So aber geschah nichts — und jetzt ist es nun sehr schwierig, daß sich aus so heterogenen Massen etwas machen lasse. Bielefeld, im März. (Privatmitth.) Die Rechnung der Unterstützungskasse des Vereins israel. Elementarlehrer für Westphalen und Rheinprovinz schließt pro l 863 mit einem Baarbestande von circa 720 Thlr. — ein schwacher Anfang zwar, aber immerhin ein Anfang. Verzagen wir nicht an dem Gedeihen eines Instituts, das seine Garantien suchen muß in der Rührigkeit und Opferwilligkeit der Lehrer und in dem Wohlthätigkeitssinn der Gemeinden, der in diesem Falle den Segen der Vergeltung ihnen greifbar vor Augen stellt. — Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin, ein Wort ernsten Tadels an diejenigen unserer Collegen zu richten, die ihre Pflicht — wir müssen es so nennen — unserm Vereine beizutreten und ihn kräftig fördern zu helfen, so ganz und gar unbeachtet lassen und somit seinen Fortgang selbst in Frage stellen. — Den Gemeinden und deren Vorstehern insbesondere aber legen wir unsere Sache von neuem vertrauungsvoll ans Herz und glauben ihnen am passendsten das Wort zurufen zu müssen, mit welchem jüngst ein eifriger Verehrer und Förderer alles jüdischen Interesses bei einer kleinen Hochzeitsgesellschaft eine Sammlung für unfern Verein eröffnete: „Der Lehrer Sache ist unsere Sache^ und was wir für sie thun, das thun wir für uns selbst." Der Vorstand. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Oberungarn, 15. März. «Privatmitth.) Die von der hohen Regierung berufene Commission zur Regelung der Schulverhältnisse Ungarns hat unter unsere Orthodoxie eine seltene Rührigkeit hervorgerufen und finden seit mehreren Wochen Vorversammlungen, Berathungen und Conferenzen statt. Die Vorversammlung in S. A. Ujhely, an welcher die Oberrabbinen in S. A. Ujhelh, Unghvar, S. Sct. Peter und andere, wie auch einige Rebbes, unter ihnen der Wundermann Hilel in Szikszö, theilnahmen und deren Berathungen zwischen geschlossenen Thüren ftattfanden, folgte eine Conserenz in Nhreghhäza, an welcher die bedeutendsten Ober-, Bezirks- und Unterrabbinen Oberungarns Theil nahmen. Selbstverständlich bildet das demnächst entstehende Rabbiner-Seminar den Hauptgegenstand der Berathung und fürchten unsere Orthodoxen bei weitem weniger die ausländischen Fakultäten oder das breslauer Rabbiner-Seminar, welche hie und da von talentirten ungarischen Jünglingen frequentirt werden, als ein Seminar in Ungarn, an welcher Anstalt möglicherweise in nächster Zeit die Mehrzahl unserer Bocherem ihre Studien fortsetzen könnten. Daß gerade Nhregyhsza, eine so junge, bei den Orthodoxen als modern verschriene Gemeinde, wo nicht einmal unsere Rabbinen einen Trunk Wasser, da kaum koscher, erhalten können, als Versammlungsort gewählt wurde, ist kaum zu begreifen, wenn man nicht den Mangel eines Rabbiners