Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 15 (5.4.1864)
- Date
- 1864-04-05
- Page
- Seite 224 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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224 und Midrasch in Kreisen angebahnt, wo der Aruch das einzige Hilfsmittel war und noch immer ist, da Buxtorf's theueres und seltenes Lexikon chald.-talm. und rabbinicum nicht sehr häufig von jüdischen Gelehrten benutzt werden kann. Bei den ungemeinen Fortschritten der semitischen Philologie und des vergleichenden Sprachstudiums ist dennoch bisher für das Chaldäische und Syrische wenig und noch viel weniger für den talmudischen Mischdialect etwas geschehen. Wir können nur die Versuche des Herrn Rapoport, Erech Millin, Sach's Beiträge, Luzzatto, Jellinek und Fürst in kleinen zerstreuten Abhandlungen anführen. Eine gute, correcte, vollständige Ausgabe des Aruch nach den besten Editionen und Handschriften ist also noch immer ein frommer Wunsch, dessen Realisirung noch sehr fern zu liegen scheint.* *) — Leider wallet hier ein besonderer Unstern *) Wie nothwendig eine solche Ausgabe ist, wollen wir durch ein Beispiel erhärten. Lonzano, Maarich 70 führt folgende Stelle an: rrmnm armas nwpa ■oi* prabn guj Nim ■nV.mnön rppV: N"b" i'ö Hr. Jellinek bemerkt dabei richtig, daß darunter die Nazarener verstanden sind, wie aus der angeführten Stelle, Beth-Hamidrasch IV. 46. (wo ein Druckfehler sich eingeschlichen) hervorgeht, wo nämlich gegen die Trinität polemisirt wird. Allein auch Aruch bringt bereits dieses Wort 8. v. ‘ipD: aber die angeführten Stellen sind noch nicht hinlänglich eruirt worden. Aruch versteht unter: *p bs> im« •pttöin tnmpsm sogenannte Silbenstecher und Buchstabenmenschen. Allein das andere Citat, Jalkut, 4 B. M. S. 239. b §. 763: *n p»» m pan 'im Dmpitt rm zeigt es deutlich, daß unter Nazarener oder eine andere christliche und gnostische Secte gemeint sei, die öfters gegen Moses und die Propheten falsche Beschuldigungen erhoben haben. Leider konnten wir die anderen Stellen aus Talm. Jeruschalmi und Jelamdenu nicht auffinden und wir bitten die gelehrten Mitarbeiter dieser Zeitung, denen die alten Ausgaben oder Manuscripte des Aruch zugänglich sind, diese Stelle vollständig in diesen Blättern zu veröffentlichen. Wir glauben, daß selbst Berachoth 60 auch auf die Nazarener zu beziehen sei und man nannte dieselben deshalb Silbenstecher, weil sie in ihren Auslegungen der h. Schrift mehr auf das einzelne Wort als auf den Geist und Zusammenhang sahen. Möglich ist blos das L in p verwandelt worden, wie dies häufig in den Dialecten der Fall ist, z. B. in u. dgl. Vielleicht ist die Annahme nicht gewagt, daß der Name Nakranim für Nazarener dadurch entstanden ist, weil man Zacharias 12, 10. i^pn -hbn n« auf Christus bezogen hat! Iohan. 19, 39. Die verba: ♦ *ipn und np5 haben alle die Bedeutung: stechen, bohren ob, da die Herausgabe desselben bisher nicht in die bewährtesten Hände gerathen ist! Das habent sua fata libelli zeigt uns auch die eben angezeigte Schrift. — Frühzeitig machte sich das Bedürfniß nach einem Handwörterbuche ‘-nttpn gellend und der kleine Aruch wurde in Konstantinopel 1511, Krakau 1592 und 1616 und endlich Prag 1707 von anonymen Verfaffern herausgegeben. Wir haben hier nicht blos einen magern, dürren Auszug aus dem größern Werke, sondern zum Theil eine selbständige Arbeit,- da viele Erklärungen verbessert und viele fremde Wörter ausgenommen, hinzugefügt wurden. Buxtorf benutzte es häufig und in der Bibi. rab. fällt derselbe ein sehr günstiges Urtheil darüber. Autor ejus saepe meliores explicaliones afFert, quam in majori sunt, saepe etiam Germanice inlerpretatur. Autoris nomen non appositum, sed apparet, Germanum fuisse. Liber pro incipientibus multo utilior, quam Aruch magnum. Es ist daher lobenswerth, daß Hr. Kohn eine neue Ausgabe des kleinen Aruch veranstaltet; aber derselbe konnte nur die schlechte, ineorrecte, confuse und verstümmelte prager Ausgabe benutzen und mußte sich dabei mit den dürftigsten und elendesten Hilfsmitteln behelfen. Allein: Kein Meister ohne Werkzeuge, ist ein bekanntes Sprichwort der Rabbinen! Was daher der Leser von dieser Ausgabe zu erwarten hat, läßt sich leicht denken — und fast alle die von Rapoport gerügten Mängel der Landau'schen Auflage lassen sich auch hier Nachweisen. Herr Kohn hat wohl diese Schwächen gefühlt und er bemüht sich in der in vieler Hinsicht intereflanten Vorrede, die die Leiden eines Correctors und Herausgebers hebräischer Werke schildert, sie zu entschuldigen. Wir lassendie Entschuldigung dahingestellt und ersparen uns eine eingehende Kritik des kleinen opus, da wir wenigstens den guten Willen des Verlegers und Herausgebers anerkennen müssen. — Vielleicht gibt diese in bester Absicht, aber ohne die geringsten Hilfsquellen unternommene Edition Veranlassung zu einer wissenschaftlichen Bearbeitung des großen und des kleinen Aruch, die allgemein gewünscht und sehnlichst erwartet wird! — Wir können es bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen zn bemerken, daß bei dem großen Mangel an chaldäischen und talmudischen Wörterbüchern eine neue Herausgabe des Methurgeman des R. Elias Levita, u. s. w. Wir wiederholen unsere Bitte, daß ein Leser die Stelle und die Citate des Aruch genau und eorrect angeben und Nachweisen möge!