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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-04-05 · Heft 15 (5.4.1864) · p. Seite 222

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 15 (5.4.1864)
Date
1864-04-05
Page
Seite 222 (sequence 4)
Language
German
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von nichts. Sie läßt Gott unmittelbar zu Adam, Kain und Noah sprechen, unter den acht Offenbarungen, die Abraham zukommen, heißt es bei vieren und zwar schon bei der ersten einfach 'n *173*01, und ebenso bei Iosua (1, 1.). M. sagt a. a. O.: -»-r b^ b2 •rrrrn bw?32 dwi rrniv ri?3 qwi "p^b Er bezieht sich damit offenbar auf 4 Mos. 12, 6., wo aber von bro?3 gar keine Rede, sondern von nrr*p32, vibNL und riiN'NL* Auch an dieser Stelle, die allerdings über die Prophetie classisch ist, wird nichts über die Vermittelung von Engeln ausgesagt und die angeführten prophetischen Weisen lassen sich recht gut ohne Engel erklären. Die Nothwendigkeit, daß der Glaube an die Prophetie von dem Glauben an Engel durchaus abhängig sei, ist also nicht ersichtlich, nicht schriftgemäß. Nimmt doch auch M. selbst im Mor. Neb. Buch II §.45 für die Erklärung der Prophetie offenbar seine Zuflucht zu der Einbildungskraft der Seele. Das ganze Raisonnement des M. scheint aber eben nur der Bedeutung wegen, die er den Cherubim beilegt, getroffen zu sein. Diese sollen dem Volke den Glauben an die Engel im Bewußtsein erhalten und befestigen. M. zieht aber dabei nicht in Erwägung, daß das Volk diese Cherubim niemals zu Gesichte bekam. Die Bundeslade stand im Allerheiligsten, wohin allein der Hohe Priester und zwar nur am Versöhnungstage kommen durfte. Bei den Zügen in der Wüste wurde die Bundeslade zum Transport sorgfältig mit Tüchern umhüllt. Als sie erst im Tempel ihre Ruhestätte gefunden, wurde sie Jahrhunderte hindurch niemandem als dem Hohen Priester sichtbar. Die auf ihr befindlichen Cherubim blieben also dem Volke völlig unbekannt und konnten auf dasselbe und seinen Glauben keine Wirkung thun. Wir können daher der Meinung des M. nicht beipflichten. Bekanntlich ist man über die Etymologie des Wortes Cherub selbst sehr verschiedener Ansicht, was wir hier nicht weiter ausführen wollen. Die Tradition erklärt es von *02*1 und 2 „wie ein Kind" (Chagiga 13, 2.), andere durch Transposition von 212*1, andere vom chald. 2*12 pflügen, oder vom arab. 212 ängstigen u. s. w. Gesenius und Fürst vergleichen es mit ygvtpeg „Greifen". In dem Verständniß der Cherubim auf der Bundeslade aber muß man von der Beschreibung, welche die Vision Jecheskels gibt, durchaus abstrahiren, da sie hier viergestaltig dargestellt werden, während sie auf der Bundeslade nur ein Antlitz, welches sie zueinander und auf die Sühnplatte herabgewandt haben, sowie zwei Flügel (tns32) haben, die sie über die Bundeslade hin ausbreiten. Die Erklärung daher, die man den Cherubim des Jecheskel gibt, ist auf die unserigen gar nicht anzuwenden. Variirt doch Jecheskel selbst in der Beschreibung der Cherubim, wie er sie 41, 18. 19. in seinem Entwurf zum Tempel schildert, und fraglich wäre es, ob die Cherubim aus der Vision des Jecheskel plastisch darstellbar wären. Die Bedeutung der Lade selbst ist unzweifelhaft; sie war der Behälter der zwei Tafeln, die zum ewigen Zeugniß (rvm) der bereits gegebenen Offenbarung dienen sollten. Die Sühnplatte aber war bestimmt l2 Mos. 25, 22.), daß alle zukünftige Offenbarung von da aus geschehen solle, weshalb sie auch (30, 6.) der Ort der Zusammenkunft Gottes mit Moses genannt wird, weshalb auch auf ihr die Versöhnung für alle Vergehungen Israels gegen die Offenbarungen geschehen sollte (vgl. 3 Mos. 16, 2. 4 Mos. 7, 89.). Somit ist die Lade in Verbindung mit der Sühnplatte der Träger und Repräsentant der ganzen Offenbarung an Israel, das Zeugniß der geschehenen und das Instrument der fortdauernden Offenbarung. Wo aber von der zukünftigen, auf der Sühnplatte stattfindenden Offenbarung die Rede ist, wird immer gesagt, daß Gott reden wird von der Sühnplatte herab, „von zwischen den beiden Cherubim her" (2 Mos. 25, 22. 4 Mos. 7, 89.). Die Cherubim bedeuten also nichts anderes als die Abgrenzung der Offenbarung, daß der Mensch auch im Besitz ihrer Mensch bleibt, daß auch in der Offenbarung die Göttlichkeit begrenzt zum Menschen tritt. Ebenso werden die Cherubim, nachdem der Mensch aus dem Garten Eden, d. i. der Unschuld und unmittelbaren Göttlichkeit (1 Mos. 3, 22.) vertrieben worden, an die Morgenseite Edens gesetzt, den Weg nach dem Baume des Lebens zu wahren. Sie treten also zwischen Mensch und Gott, und ohne daß Gott die Verbindung mit dem Menschen aufhebt (1 Mos. 4), versiegeln sie doch dem Menschen die reine Göttlichkeit, in die er niemals aufgehen soll. In der Offenbarung tritt das göttliche Wesen dem Menschen wieder unmittelbar näher — aber auch diese soll als begrenzt hingestellt werden, nicht die ganze, vollkommene Göttlichkeit dem Menschen bringen, nicht die göttliche Wahrheit in ihrer Unermeßlichkeil und Unbegrenztheit, sondern nur zu menschlicher Erkenutniß und zu menschlicher Heiligung. Darum tönt die Stimme der Offenbarung nur „von zwischen den beiden Cherubim her", die also die Begrenzung derselben für den Menschen bedeuten. Wir können dies hier nur andeuten und müs-

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