Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 15 (5.4.1864)
- Date
- 1864-04-05
- Page
- Seite 221 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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LSI Wesen der Parteien ausgegeben und daraus nun der Unverstand der Gegner demonstrirt. Aber siehe da, die Voraussetzungen sind falsch, die Parteien irrig gezeichnet, die Beispiele willkürlich gewählt und so der Sturm gegen ein Kartenhaus geführt, während die feindliche Festung unversehrt geblieben. Mögen die Anhänger immerhin eine Stunde lang über die Triumphe ihres Meisters jubeln; nur kurze Zeit, und die Nichtigkeit derselben wird offenbar. Wissen die Gegner es zu benutzen, so habe» sie Sätze bei Stahl aufzuweisen, welche das gerade Gegentheil von dem enthalten, was er darin gefunden, und die zu den schärfsten Waffen gegen ihn selbst gebraucht werden könnten. Doch es ist Zeit, daß wir auf die Sache selbst eingehen. Einige kritische Blicke auf Zweck und Gründer Gesetze nach Maimonides. VI. Eine sehr auffällige Erscheinung tritt uns im 45sten Abschnitt entgegen, wo Maimonides vom Heiligthume, den darin befindlichen Geräthen u. s. w. handelt; indem er hier nach einigen anderen Gegenständen auf die auf der Sühnplatte, welche die Bundeslade bedeckte, befindlichen zwei Cherubim zu sprechen kommt, sagt er: „Es ist schon erwiesen, daß der Glaube an die Propheten dem Glauben an die Göttlichkeit des Gesetzes der Zeit nach vorausgehen muß. Denn gibt es keinen Propheten, so gibt es kein geoffenbartes Gesetz. Dem Propheten wird aber die Offenbarung nur durch Vermittelung eines Engels zu Theil, wie es heißt (1 Mos. 22, 11.): „Da rief ihm ein Engel des Ewigen", ferner (1 Mos. 16, 9.): „Da sprach zu ihr ein Engel des Ewigen" und solche unzählige Stellen: so daß selbst unseres Lehrers Moses erste Offenbarung durch einen Engel vermittelt wurde (2 Mos. 3, 2.): „Da erschien ihm ein Engel in einer Feuerflamme." Hieraus geht hervor, daß der Glaube an das Dasein der Engel dem Glauben an Prophetie, sowie dieser dem Glauben an die Göttlichkeit des Gesetzes vorangehen muß." „Aus dem Bemerkten geht also hervor, daß der Glaube an das Dasein der Engel auch mit dem Glauben an das Dasein Gottes in enger Verbindung steht und daß auf diesen Glauben die Offenbarung und die Wahrheit des Gesetzes sich stütze. Zur Befestigung des Glaubens an dieses Dogma gebot daher die Gottheit auf die Bundeslade die Gestalt zweier Engel zu stellen. Dieses sollte das Dasein der Engel als einen Glaubensartikel im Volke erhalten, welcher nicht nur an Wichtigkeit dem Glauben an das Dasein Gottes zunächststeht und die Grundlage der Offenbarung und des Gesetzes bildet, sondern auch den Sturz des Götzendienstes befördert, wie wir bemerkten." Das Raisonnement des Maimonides ist also: der Glaube an die Göttlichkeit der Lehre hängt von dem Glauben an die Prophetie ab, der Glaube an die Prophetie aber, weil diese nur durch einen Engel geschah, von dem Glauben an die Engel; der Glaube an das Dasein der Engel sei daher ein Glaubensartikel, stehe an Wichtigkeit dem Glauben an das Dasein Gottes zunächst und sei die Grundlage der Offenbarung der Lehre. Hiergegen muß man sich mit aller Entschiedenheit erklären. Der Glaube an das Dasein von Engeln ist kein Glaubensartikel unserer Religion. Als .solchen stellt ihn die h. Schrift nirgends hin und auch die späteren Lehrer des Judenthums betrachten ihn als solchen nicht. Weder die Schöpfungsgeschichte noch die Verkündigung der Zehn Worte und überhaupt der Lehre und des Gesetzes, noch irgend eine objective Stelle der Schrift läßt sich über einen solchen Glauben aus. Der Glaube an die Göttlichkeit der Lehre hängt nicht von dem Glauben an Engel ab. Er findet seine Grundlage in der Vollkommenheit der Lehre selbst und in dem Erweise, den die Geschichte von fast vier Jahrtausenden dafür liefert, nicht aber in einem Dogma, das für das Ganze der Lehre nur eine nebensächliche Bedeutung hat. Wir brauchen jedoch hier nicht ausführlich über die Engel, inwieweit sie in der h. Schrift Vorkommen, zu handeln, da wir dies erst im vorigen Jahrgang S. 675 ff. gethan. Factisch ist aber auch das eigentliche Mittelglied des RaisonnementS des M. falsch. Er behauptet: „Dem Propheten wird die Offenbarung nur durch Vermittelung eines Engels zu Theil." Und darum scheint ihm der Glaube an die Prophetie von dem Glauben an die Engel abzuhängen. Aber wo sind die Beweise dieser Behauptung? M. muß im Hinblick auf 2 Mos. 33, 11. und andere Stellen schon für Moses selbst eine Ausnahme davon machen, und indem er rrnntt ifcrioi Abschn. 7 §. 6 die Unterschiede zwischen Moses und den übrigen Propheten aufführt, bemerkt er, daß die Offenbarung den Propheten vermittelst eines Engels, Moses aber ohne einen solchen zukam. Die Schrift selbst sagt aber hier- 15 *