Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1864)
- Date
- 1864-03-29
- Page
- Seite 212 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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212 nete als solches nämlich das „Sonnenhafte" in der ganzen so überaus liebenswürdig angelegten Individualität Veit's, die jedem, der das Glück hatte ihm nahe zu treten, sogleich gleichsam „anleuchtend" entgegentrat. Den Schluß der Feier bildete der Vortrag des nachfolgenden vom Rector Horwitz gedichteten und von Hrn. Lewandowski componirten Gesanges: Was von Staub, geht heim zum Staube, Erde ist der Erd' geweiht; Doch dem Grab entsteigt der Glaube An des Geistes Ewigkeit. Auf deS Lebens höchstem Throne Thronet ewiglich der Geist, Und die Nachwelt legt die Krone Auf die Gräber, die sie preist. Herr de« Lichts, zu deinen Höhen Senden wir ein still Gebet: Laß auch unfern Geist bestehen, Wenn der Staub zum Staube geht. Wiederum war es besonders die Compositiou dieses Liedes, welches auf die Hörer einen dem Charakter der Feier durchaus entsprechenden Eindruck machte. War eS dem begabten Componisten gelungen, in dem Eingangsgesang vorzugsweise dem Gefühl des Schmerzes und der Trauer über den erlittenen Verlust Ausdruck zu geben, so waren die Töne des Schlußgesangs geeignet, in dem Hörer das Gefühl der ernsten Sammlung, der Ergebung, der^Beruhigung und der stillen Tröstung wachzurufen und zu befestigen, und von diesem Eindruck erfüllt verließ die zahlreiche Versammlung die Feierstätte mit dem Gefühl, an einer den Manen der verehrten Verstorbenen würdigen Gedenkfeier Theil genommen zu haben. Auch die Religionsschule der hiesigen Gemeinde wie auch die Gemeinde-Mädchenschule hatten bereits früher eine ähnliche Feier veranstaltet, über die aber Referent, da er bei derselben nicht anwesend gewesen, nicht in der Lage ist, Näheres zu berichten. P. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wim, 11. März. Vor einiger Zeit kam ein Israelit um die Verleihung einer Practikantenstelle im hiesigen Stadtbruamte ein. Das Stadtbauamt wendete sich an den Gemeinderath mit der Frage, ob diesem Gesuche mit Rücksicht auf die Confesston des Bewerbers stattzugebe» sei. Die erste Section hat nun hierüber gestern entschieden, daß das Glaubensbekenntniß kein Hinderniß für die Verleihung der Stelle bilde. Wien, 10. März. (Privatmitth.) Die Theilnahme für das ket-ksm>6rssek nimmt immer mehr zu. Im Laufe der letzten Tage spendete Herr I. Schulhof demselben 1000 fl. und zeichnete außerdem einen jährlichen Beitrag von 50 fl. — Nicht uninteressant ist es, zu vernehmen, daß auf Einreden des Hrn. Dr. G. Wolf der niederösterreichische Landesausschuß die in der Bibliothek desselben vorhandenen hebräischen Werke dem Bet-hamidrasch spendete. Es ist diese Thatsache um so ersteulicher, wenn man bedenkt, daß die ehemaligen österreichischen Stände sich oft feindlich gegen die Juden zeigten. Es sind diese Erfolge um so erhebender für das Institut wie für den Gründer desselben, Hrn. vr. Jellinek, da die junge Anstalt von der Seite, die min iiet-pi als Monopol hat, angefeindct wird, und allerdings sind durch dieselbe die Pläne dieser Herren vereitelt worden. Ohne der anderen wissenschaftlichen Disciplinen, die in demselben gelehrt werden, zu gedenken, wollen wir blos hervorheben, daß außer dem Rabbiner und dem Chacham die Herren Tonells und I. H. Weiß talmudische Borträge halten, Männer, die hoch empor über das Gestrüppe neu-orthodoxer rabbinischer Romantik hervorragen. Wien, 17. März. Heute vormittags fand das Leichenbegängniß des Bankdirectors L. Epstein statt. Im Sterbehause waren fast alle Finanz-Notabilitäten der Residenz versammelt, Bankgouverneur Ritter v. Pipitz, sämmtliche Bankdirectoren, Vertreter der Creditanstalt, der Escompte-Geseüschaft, der anglo-österreichischen Bank und vieler anderer Institute, sowie eine große Zahl der bedeutenderen Firmen des Platzes. Diener der Bank hielten die Lerchenwache. Die kirchlichen Ceremonien waren, dem letzten Willen des Verstorbenen gemäß, auf das einfachste beschränkt worden; dafür wurden am gestrigen Tage 10,000 fl. an die Armen vertheilt. Gegen 300 Equipagen folgten der Leiche auf den israelitischen Friedhof nach,