Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1864)
- Date
- 1864-03-29
- Page
- Seite 211 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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211 Vorstandes und alle diese Stellungen boten mehr oder weniger und in unmittelbarster Weise den verehrten beiden Geschiedenen häufig Gelegenheit, ihr warmes Interesse für das Gedeihen der Bildungsstätten für die Jugend der Gemeinde zu bethätigen. Nichts war daher natürlicher, als daß der Tod dieser beiden Männer neben der allgemeinen Trauer, die dieses Ereigniß in jedem Mitgliede der Gemeinde überhaupt erregte, auch noch in den hiesigen Schulkreisen das Gefühl eines diese auch noch speciell getroffenen herben Berlustes Hervorrufen mußte, und diesem Gefühl Ausdruck zu geben, bot sich die Veranstaltung einer angemessenen und würdigen Schulfeier zur Erinnerung an die beiden Heimgegangenen als das geeignetste Mittel dar. Diese Feier fand denn auch am Sonntag, den 28. Febr., in dem schönen Hörsaale des mit durch die Bemühung der beiden betrauerten Männer erst unlängst neuerbauten Schulhauses statt, und außer dem Lehrer-Collegium der Anstalt, den Schülern der Knabenschule und den Zöglingen der Lehrer-Bildungsanstalt versammelten sich hierzu die Anverwandten der beiden Gefeierten, Deputationen des Magistrats, der Stadtverordneten und oer Gemeindebehörden, der Provinzial- Schulrath Bormann, der Jnspector der jüd. Schulen, Ghmnasial-Director Dr. Bonnel und eine größere Zahl geachteter Gemeindemitglieder, die die Verehrung für die Gefeierten wie die Theilnahme für die Schule dorthin geführt hatte. Die Feier begann mit den durch die Schüler vorgetragenen, vom Gesanglehrer der Anstalt, Herrn Lewandowski, eigens zu diesem Zwecke componirten Versen Sam. 2, Kap. 1: „Dein Schmuck, o Israel, liegt auf deinen Höhen „erschlagen. Wie sind gefallen die Helden! Die Ge- „liebten uud Holden in ihrem Leben, auch im Tode „sind sie nicht getrennt." Der Bortrag dieser schon ihrem Inhalte nach so treffend gewählten Bibelverse machte durch die herrliche Composition des auf seinem Kunstgebiete so begabten Hrn. Lewandowski einen mächtig ergreifenden, sichtbaren Eindruck, der der Stimmung der Versammelten die rechte Weihe und Richtung zu verleihen geeignet war. Von dieser Stimmung getragen folgte die Versammlung dann mit sichtbarer, innerlicher Betheiligung der von dem Lehrer der Anstalt, Herrn Di-. David Cassel, vorgetragenen Gedächtnißrede auf den von den beiden Freunden zuerst verstorbenen Dr. Sachs. Die nahe Beziehung, in der der Vortragende persönlich zu dem Verstorbenen gestanden, sowie die Stellung, die elfterer selber im Gebiete der jüdischen Wissenschaft, deren Zierde eben der zu Feiernde war, einnimmt, ließen das Lehrer-Collegium gerade in Dr. Cassel das geeignetste Organ zum Ausdruck der es bei dieser Feier und bei der schmerzlichen Veranlassung derselben erfüllenden Gefühle erkennen, und dieser hat denn auch in trefflichster Weise seiner Aufgabe zu genügen vermocht. In bewegter, von der eigenen bei dieser Gelegenheit so natürlichen inneren Betheiligung zeugenden Stimmung, aber in großer Klarheit, Präcision und scharfen Umgrenzung, rollte nun der Redner ein schönes, erhebendes Bild des Lebens, Charakters und des Wirkens des Verstorbenen nach den verschiedenen Richtungen seiner Thätigkeit auf, diese letztere unter Anwendung des Bibelverses: „Ein Strom ging aus von Eden zu tränken den Garten und von da wurde er zu vier Strömen" nach den vier Richtungen der Wirksamkeit des Gefeierten, als: Prediger, wohlthätiger Mensch, Mann der Wissenschaft und Förderer des Schulwesens ins Einzelne verfolgend und trefflich charakterisirend. Die Aufgabe, das Gedächtniß des zweiten der betrauerten Männer, des Dr. Veit, zu feiern, hatte der Rector Horwitz übernommen. Die inzwischen weit vorgerückte Zeit, von der der ausführliche Vortrag des Vorredners einen den nachfolgenden Redner Wohl etwas zu sehr verkürzenden großen Theil weggenommen, das nach so vielen verschiedenen Richtungen verlaufene, thätig und einflußreich gewesene Leben des zu Feiernden, im Staatsleben, im Communalwesen, in den Gemeinde- Verwaltungen, in der Wissenschaft und Dichtkunst, im deutschen Buchhandel, und endlich die eigene subjektive Ergriffenheit des Vortragenden machten es dem Redner unmöglich, ein volles, klares und umfassendes Bild des von ihm zu Feiernden vorzuführen, was auch bei dieser Gelegenheit und an dieser Stätte kaum anwendbar gewesen wäre. Wohl aber gelang es ihm, neben Hervorhebung dessen, was der Verstorbene besonders in seiner Stellung in der hiesigen Gemeinde-Verwaltung und namentlich im Interesse des jüdischen Schulwesens geleistet, vorzugsweise in scharfer Beleuchtung den eigentlich hervortretenden und charakteristischen Zug in dem strahlenden Wesen des nun Verblichenen, gleichsam sein individuelles Gepräge in prägnanter Weise hervorzuheben und zu charakterisireu. Redner bezeich- 14