Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1864)
- Date
- 1864-03-29
- Page
- Seite 209 (sequence 7)
- Language
- German
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LOS auch als Bürgschaft für die Zukunft auf. Wie bereits bei den Propheten, z. B. Jerem. 23, 7. 8, die Erlösung in Egypten mit der zukünftigen Erlösung Israels in Verbindung gebracht wurde, so geschah dies noch mehr durch die Tradition. Sie verlegte die Zeit der messianischen Erlösung ebenfalls in den Nissan, glaubte, daß die frühem Wunder sich dabei wiederholen würden und daß der zukünftige Erlöser Moses gleichen werde iu vielem.*) Schon dies stellt auf einen ganz andern, höhern Standpunkt, denn Pessach wird hierdurch aus der Erinnerung an ein einzelnes Factum zur Bedeutung eines weltgeschichtlichen Actes erhoben, und wögen wir uns jene zukünftige Erlösung noch so verschieden vorstellen, das Pessach umschließt für uns dadurch die Ueberzeugung, daß die göttliche Vorsehung Israel und die Menschheit zur Freiheit von aller Knechtschaft, äußerer und innerer, führt. Aber auch hiermit ist der Inhalt des Pefsachs nicht abgeschlossen, sondern beginnt erst recht von neuem. An jedem ersten (und zweiten) Peffachabende wird eine eigenthümliche historisch-allegorische Ceremonie vorgenommen; dieselbe ist ein Ueberrest von dem Verzehren des Pessachlammes 'mit Mazzoth und bittern Kräutern in Jerusalem und dieses wieder die Fortsetzung des für den Vorabend vor dem Auszuge verordneten, in Egypten selbst verzehrten Pessachlammes. Was war Zweck und Bedeutung dieser für den Augenblick vor dem Abzüge so eigenthümlichen Ceremonie? Und warum sollte dieselbe durch alle Jahrhunderte wiederholt werden? Wir haben hierüber in unserm Commentar zu 2 Mos. 12 eine ausführliche Untersuchung angestellt und wollen hier nur das Prägnanteste hervorheben. Bei aller Würdigung der geschichtlichen Erinnerung an das Verzehren von ungesäuertem Brot nach dem stattgefundenen Auszuge, weil die Israeliten nicht Zeit gehabt, ihren Teig zu säuern, ist es doch auffallend, daß auch die Priester im Heiligthume ebenso nur Mazzoth essen durften, wie die Israeliten während des ganzen Pessachs; ist es auffallend, daß in Egypten von dem Blute des Pessachlammes mit Isop an die beiden Pfosten und an die Schwellen jedes israelitischen Hauses gesprengt werden mußte, daß die Israeliten das Lamm verzehren und zwar nichts davon übrig *) baunb ,pT>ny ibaw "jörn Roschhasch. 11, 1. Schemoth. rabb. 'itD 'd (100, c.) — D"*DDn bD ynito vnb mwb T»n3 -p ihm bfcntrrb Midr. Thanch. zu Nbtt» — bfiOä ynö&n bfiOiO ynn» Midr. Koh. 'äö* lassen mußten, so daß, was davon übrig gelassen worden, im Feuer verbrannt werden sollte, daß das Lamm fehlerlos, männlich, jährig, von Schafen oder Ziegen sein sollte. Da muß doch wohl ein jeder einsehen, daß diese ganze Handlung nichts anderes als ein Opfer vorstellen sollte, bei dem jeder Israelit als Priester fungirte und sein Haus das Heiligthum war. So sagt auch schon der Talmud Pessach. 96, 1.: „Drei Altäre waren daselbst an den beiden Pfosten und an der Schwelle."*) Dieses Opfer konnte aber lediglich ein Weihopfer sein, wodurch ein jeder Israelit sich selbst zum Priester des. einzigen Gottes weihte. Wir brauchen nur alle diese einzelnen Merkmale genauer zu prüfen, um den vollständigen Charakter des Opfers, des Heiliglhums und des Priesters an dieser Ceremonie zu erkennen, worauf dann schon 19, 6. Israel „ein Priesterreich und heiliges Volk" genannt wird. Hierdurch hat das Pessach, anknüpfend an das geschichtliche Moment, die höhere Bedeutung als immer wieder erneutes Weihfest Israels zum Bekenntniß und Priesterthum des einzigen Gottes erhalten, eine Bedeutung, die ihm heute noch innewohnt, noch heute die Heiligung und religiöse Erhebung an diesem Feste steigert. Wir haben schon oben bemerkt, daß M. das Wochenfest lediglich als „Feiertag der Gesetzgebung" ansieht. Er fährt fort: „Zur höhern Weihe dieses Festes werden die Tage vom ersten Feste an (dem Pessachfeste) bis zu diesem abgezählt, gleichwie jemand, der seinen geliebtesten Freund erwartet, die Tage und Stunden zu zählen pflegt. Denn dieses ist der Grund des Omer-Zählens von dem Tage unseres Auszuges aus Egypten an bis zum Tage der Gesetzgebung, welche der eigentliche Zweck unserer Befreiung war." Diese Erklärung spricht sehr an, sobald man das Wochenfest eben als Fest der Gesetzgebung betrachtet. Da aber die h. Schrift es als solches weder betont noch überhaupt kennt, sondern lediglich als Ernte- Dank- und Erstlingsfest, wobei das Bekenntniß auf die Erstlinge (5 Mos. 26, 3.) der Hauptact war, so fällt auch jene Erklärung des Zählens weg; denn gerade an den Stellen, wo von diesem gesprochen wird (3 Mos. 23, 15. 5 Mos. 16, 9.), handelt es sich lediglich um das Ernte- und Erstlingsopfer. Uns erscheint es fraglich, ob der Text der heil. Schrift das von der Tradition mit einer bestimmten Formel vorgeschriebene Zählen dieses Zeitraums Tag für Tag wirklich so verstan- *) mTT» imö bsi qipuwn b* Vw m mrattt '>