Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1864)
- Date
- 1864-03-29
- Page
- Seite 208 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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208 lem obwalten und die wir hier nicht weiter ausführen wollen, uns nicht zu entsprechen scheint; das letztere nicht, weil eine solche Verpflanzung und Erziehung jüd. Knaben und Jünglinge aus Jerusalem sehr beträchtliche Geldmittel erfordern, und zwar darum, weil, wenn wirklich der beabsichtigte Nutzen geschaffen werden soll, es mit einer großen Zahl solcher Knaben geschehen muß; mit einigen wenigen wäre gar nichts geholfen. Wir können dies aus eigener Erfahrung sagen. Es wird manchem Leser dieses Blattes noch erinnerlich sein, daß wir, als die orientalische Frage in Europa eine allgemeine Bewegung hervorgerufen hatte, einen ähnlichen Vorschlag, aber nicht bezüglich von Knaben aus Jerusalem, sondern aus Konstantinopel, Smyrna u. s. w. machten. Wir widmeten ihm viele Opfer und Kräfte, machten Reisen nach Brüssel, Paris, Hamburg, hatten die Beistimmung der Vorstände sehr bedeutender Gemeinden, der Consistorien von Frankreich und Belgien u. s. w. bereits in Händen — wie damals von uns veröffentlicht worden — und dennoch scheiterte die Sache, weil, um es offen zu gestehen — wir solche thatkräftige und zu einem übereinstimmenden Handeln befähigte Männer, wie ein so großartiges Unternehmen, um es nicht von vornherein hinsiechen zu lassen, sie erfordert, nicht aufzufinden vermochten. Gewohnt, uns nicht mit bloßem Scheine zu befriedigen und eine Sache nicht zu verfolgen, die eine angemessene bedeutsame Ausführung nach den vorhandenen Mitteln nicht an der Stirn trägt, gaben wir den Gedanken auf. Wir bezweifeln, daß der in Bamberg angeregte Gedanke eine beffere Aussicht hat. Einige kritische Blicke auf Zweck und Grund der Gesetze nach Maimonides. (Schluß von V.) Maimonides sagt von den drei Festen: „Alle übrigen Festtage hingegen sind der Freude und den fröhlichen Zusammenkünften gewidmet, welche theils den meisten Menschen Bedürfniß sind, theils auch Nutzen gewähren, durch die Beförderung gegenseitiger Liebe, welche für das Gedeihen des politisch-geselligen Verhältnisses der Menschen nothwendig ist: dabei hat jedes der Feste einen speciellen Zweck." Vom Pessach im besondern sagt er: „Der specielle Zweck vom Pessachfeste ist bekannt, seine Dauer ist sieben Tage als der mittlere Zeitraum zwischen einem Tage und einem Mondmonate (er meint eine Mondphase); beschränkte sich das Gebot, ungesäuertes Brot zu effen, auf einen Tag, so würden wir uns desselben nicht bewußt werden und seine Bedeutung nicht einsehen, weil auch sonst häufig der Mensch dieselben Speisen zwei und drei Tage ißt. Indem es aber während der Dauer einer ganzen Periode gegessen wird, mußte jene Bedeutung allgemein erkannt werden. Was die Glaubenswahrheiten betrifft, so soll das Pessachfest die in Egypten geschehenen Wunder in unser Gedächtniß rufen und das Andenken an dieselben für ewige Zeiten erhalten. Wir sollen ungesäuertes Brot und bittere Kräuter am Pessachfeste effen zum Andenken an unsere ehemaligen Schicksale; denn der Mensch möge der unglücklichen Tage in der Zeit des Glückes eingedenk sein, damit er sich zu desto innigerem Danke gegen Gott verpflichtet fühle und die Tugenden der Bescheidenheit und Demuth sich aneigne." — Kein einziges dieser Worte, das nicht vollkommen in seinem Rechte wäre. Dahingegen leuchtet es ein, daß diese Auffaffung des Pessachfestes lediglich ein Moment desselben hervorhebt, während es doch eine viel größere Fülle in sich schließt. Denn wie wir am Beginne dieses Artikels bemerkten, befassen die drei Feste jedes ein geschichtliches und ein Naturmoment zu gleicher Zeit, gerade um die Erkenntniß von der Identität des Israel gecffenbarten Gottes und des Schöpfers und Erhalters der Natur dem Volke im Bewußtsein zu erhalten. So sehr also auch im Pessach das geschichtliche Moment, die Erinnerung an den Auszug aus Egypten, in den Vordergrund tritt, so sollte doch am zweiten Pessachtage die Getreideernte feierlich eröffnet und diese Eröffnung durch Darbringung eines Omers vom ersten Schnitt des Getreides und eines Ganzopfers zu einem Festtage gemacht werden; ja es war ausdrücklich verboten, vor der Darbringung dieses Omers irgend etwas von dem neuen Getreide zu verzehren. Man kann sich wohl verstellen, daß bei einem lediglich mit dem Landbau beschäftigten Volke eine solche Feier von größter Bedeutung war, noch dazu, da die Männer Israels zu dieser Zeit sich in Jerusalem befinden sollten. Wir müssen also in der ursprünglichen Bedeutung des Pessachs diese beiden Momente durchaus als vereinigt ansehen. Wäre dies aber jetzt für uns von geringerer Wichtigkeit, so haben wir doch auch die geschichtliche Bedeutung Pessachs viel umfassender zu verstehen, denn als bloßes Erinnerungsfest an den Auszug und die damit verbundenen Wunder. Faßte doch schon die Tradition Pessach nicht blos als Erinnerung sondern