Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1864)
- Date
- 1864-03-29
- Page
- Seite 207 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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207 bis 18 Jahren muß uns vorher Geburts-, Aufenthalts¬ und Leumundszeugniß einsenden, und werden wir nach eingeholter Erkundigung dessen Reisekosten hierher und zurück bestreiten und während seiner Lehr- oder Studirzeit ihn gut pflegen und nach streng jüdischem Ritus erziehen und ausbilden lassen. Wir geben jede gewünschte Garantie und ^werden uns solche von den betreffenden Jünglingen zu oerschaffen wissen. Sollte unser Streben eine gute Aufnahme finden, so werden wir später specielle Statuten normiren. Im Namen des Unterzeichneten Comitos: Sal. Deffauer. M. & Eger. Iac. Goldmann. Marx Gütermann. H. Klein. B. Lämlein. M. Ullmann. Sam. Wassermann. »r. I. Kobak, Districts-Rabbiner. Bamberg, im Monat Adar, 5624. (im Febr. 1864.)" Begleitet war dieses Circular von einer ausführlichen hebräischen Ansprache. Wir geben das Schriftstück hier wieder, können aber dasselbe nicht ohne einige Bemerkungen lassen. Nichts ist erfreulicher, als die Belebung des Gemeinsinns in unserer Glaubensgenossenschaft zu beobachten. Nachdem Jahrhunderte lang die Gemeinden sich in Anschauung und That auf ihr eigenes Weichbild zu beschränken pflegten; nachdem alsdann in den gebildeten Juden die Theilnahme am öffentlichen Leben vorherrschend jedes thatkräftige Streben allein auf außerjüdische Zwecke richtete und jede Wirksamkeit innerhalb der Glaubensgenossenschaft und für dieselbe mißachtet wurde: hat der Gemeingeist in der jüngsten Zeit den richtigen und normalen Weg eingeschlagen, auf welchem unsere Glaubensgenossen mit voller Kraft für die allgemeinen gesellschaftlichen, vaterländischen und städtischen Zwecke nach ihrem Theile zu wirken suchen, aber auch ein volles Herz für allgemeine jüdische Werke und Zwecke haben und sich diesen, wo es erforderlich, thatkräftig anschließen. Jede Aeußerung und Bethätigung dieses jüdischen Gemeingeistes kann uns daher nur Freude bereiten und das Vertrauen auf eine gesegnete Zukunft des Judenthums stärken. Jndeß wie jede menschliche Erscheinung, bringt auch diese Belebung des Gemeingeistes unter den Juden ihre schwachen Seiten mit sich und es ist darum erforderlich, auf diese aufmerksam zu machen, damit jene nicht abgenutzt und abgeschwächt werde. Wir sind sicherlich die letzten, welche einen guten Gedanken nicht freudig anerkennen und den wackeren Männern, die sich ihm widmen, nicht unfern Beifall schenken mögen. Es wird aber jetzt nachgerade eine Sucht, mit irgend einem auf das Allgemeine gerichteten Gedanken, sofort wie er durch den Kopf fährt, hervorzutreten, einige brave und an ihrem Wohnorte geachtete, weiterhin aber gänzlich unbekannte Männer zu einem Comit6 zusammenzubringen, ein Circulär zu erlassen, es an die Gemeindevorstände zu versenden und zu erwarten, daß Gaben und Beitrittserklärungen herbeiströmen. Man unterläßt es, zu bedenken, daß zu jedem weitgreifenden Unternehmen Männer zusammen- und an die Spitze treten müssen, die durch ihren Ruf das allgemeine Vertrauen zu wecken vermögen, daß, je größere Mittel zur Ausführung erforderlich sind und in je weiter entfernte Länder und der Masse unbekanntere Verhältnisse das Unternehmen hinausgreift, eine desto sorgfältigere Prüfung der Sachlage, der Mittel und Werkzeuge vorbereitet und der Oeffentlichkeit vorgelegt werden müsse, um Beachtung und Theilnahme beanspruchen zu können. Je öfter aber derartige Aufforderungen ohne die eben gezeichneten Bedingungen in die Oeffentlichkeit geworfen werden, desto mehr nutzt sich dieses Mittel ab, desto größer ist die Gefahr, daß der kaum erwachte Gemeingeist wieder in Theilnahmlosigkeit und Apathie versinkt. Jeder jüdische Gemeindevorstand wird es uns bestätigen, daß jetzt bei ihm das Jahr über so viele Circulare, Ansprachen, Aufforderungen u. s. w. anlangen, daß diese bei den meisten schon ganz unbeachtet liegen bleiben. Es ist offenbar, daß dies zuletzt zu einer großen Benachtheiligung aller allgemeinen Interessen führen muß. Wer die allgemeine Thatkrast beanspruchen will, muß vorher sorgfältig prüfen, nicht allein ob die Sache dazu angethan, sondern ob die dazu von ihm dargebotenen Organisationsmittel befähigt und genügend sind. Diese Gedanken drängten sich uns schon oft genug auf und wiederholten sich beim Empfang des obigen Circulärs. Ohne den würdigen Männern, die als Comi16 unterschrieben sind, irgendwie zu nahe zu treten, glauben wir nicht, daß Bamberg eine geeignete Localität ist und daß zur Ausführung eines derartigen Unternehmens, selbst nur um damit hervorzutreten und es anzuregen, eine Vereinigung bekannter Namen an den Hauptplätzen jüdischen Lebens erforderlich sei. Was die Sache selbst betrifft, so wollen wir recht gern einräumen, daß wir keine unmaßgebliche Ansicht aussprechen mögen; wir halten aber den Gedanken weder an sich für einen richtigen, sachgemäßen, noch für einen ausführbaren. Das erstere nicht, weil er den eigenthümlichen Verhältnissen, die gerade in Jerusa-