Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1864)
- Date
- 1864-03-22
- Page
- Seite 198 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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198 getheilt. Nichts ist sicherer, als daß die Reise des Sir Moses, seine Aufnahme am Hofe und das Edict einen höchst vortheilhasten Eindruck zu Gunsten der Juden in Marokko auf eine Zeit lang machen wird und daß dem edlen Greise ein allseitiger Dank gehegt werden muß. Nichtsdestoweniger bedauern wir, daß die Petition und infolge dessen daS Edict auch nicht einen einzigen fpeciellen Gegenstand, eine der vielen Beschwerden, Beschränkungen und Beschimpfungen bespricht, denen die Juden dort seit langer Zeit unterworfen sind, so daß eine unmittelbare Besserung sich fühlbar machen könnte. Die Behauptung in der Adresse, daß durch Sir Moses die Gleichstellung der Juden und Christen in der Türkei bewirkt worden sei, was vielleicht durch die Verhältnisse rathsam, richtig durch sich ist sie durchaus nicht: dazu haben Personen und Umstände ganz anderer Art eingewirkt und nicht ein Firman, sondern die von der Pforte erlassenen Hats, beginnend mit dem Hattischerif von Gulhane 1840, also vor dem Auftreten des Sir Moses, konnten eine solche Gleichberechtigung aussprechen. Der verehrungswürdige Greis wird in kurzer Zeit in England zurückerwartet und dort in ehrendster Weise empfangen werden. Hierbei bringen wir in Erinnerung, daß auch Deutschland früher schon einmal dem Sir Moses seine dankbare Anerkennung darbrachte. Bei seiner Rückkehr von Damaseus veranstaltete der Redacteur dieser Zeitung eine Sammlung, zu der jeder nicht mehr als 10 Sgr. beitragen durfte und die über 1500 Thlr. ergab. Hierfür wurde ein prachtvolles Album hergestellt, das auf Pergament eine Dankadresse und die Namen sämmtlicher Contribuenten enthielt. In dem kostbaren Deckel waren zwei Oelgemälde eingelassen, auf der Vorderseite die „trauernden Juden in Babylon", durch den Direktor der Akademie zu Berlin, Dr. Schadow, veranstaltet, auf der Rückseite die „Einsetzung Josua's durch Moses", von Prof. Oppenheim in Frankfurt a. M. Wir wissen, daß dieses Album dem Sir Moses eine höchst erfreuliche Gabe war. Wir erneuern im Geiste die damals ihm ausgesprochenen Dankesworte und Segenswünsche, und mögen die letzter» noch in den letzten Lebenslagen des vortrefflichen Mannes in Erfüllung gehen! Amerika. Philadelphia, 23. Februar. (Privatmitth.) Auch über unserm Haupte — hören und staunen Sie — schwebt jetzt daö Damoklesschwert der Judenfrage. Noch hoffen wir zu Gott, daß es sich um ein bloßes Phantom handeln werde. Sollte das Phantom aber je Fleisch und Blut gewinnen, so wären wir in der That weit schlimmer daran als die europäischen Juden. Der Fanatismus eines großen Theils puritanischer christlicher Geistlichen, bisher durch das Dogma der Unantastbarkeit der Constitution niedergehalten, glaubt in den gegenwärtigen Wirren, welche den Buchstaben der Constitution nothwendigerweise in verschiedenen Beziehungen außer Kraft setzen, den rechten Moment gefunden zu haben, der Intoleranz zum Siege zu verhelfen und den Geist der Constitution mit Stumpf und Stiel auszurotten. Doch zur Sache! In einer Convention, welche in Alleghanh City am 27. vorigen Monats stattfand und worin Geistliche die Hauptrolle spielten, wurde ein Memorial an den Congreß gerichtet, welches folgendes Amendement zur Constitution der Vereinigten Staaten vorschlägt: Das amerikanische Volk sei ein christliches, Jesus Christus als Beherrscher der Nationen zu betrachten und dessen geoffenbarter Wille als das höchsteGesetz desLandes, und demgemäß sei in.Bezug auf die Sklavenfrage, auf den Amtseid und in allen anderen Angelegenheiten zu verfahren. Sie sehen, womit diese Herren umgehen; man begnügt sich keineswegs damit, eine Staatskirche schaffen zu wollen — nein! man will geradezu Amerika in einen Kirchenstaat verwandeln, worin im buchstäblichen Sinne des Wortes der Wille des Stifters der christlichen Religion als höchstes Gesetz gelten soll. DaS Schlimmste ist der Umstand, daß Senator Charles Sumner, der Todfeind der Sklaverei und gegenwärtig der bedeutendste Mann im Senate, der genannten Convention seine Sympathien für das Unternehmen kundgegeben und das betreffende Memorial am 17. l. Mts. dem Senat überreichte, von welchem dasselbe einem Comitö zugetheilt worden. Die öffentlichen Blätter, welche die Thatsache berichten, beobachten durchaus ein verhängnißvolles Schweigen. Wer die hiesigen Zustände kennt, der weiß, daß es schon ein großes Unglück wäre, wenn der Gegenstand im Congreß überhaupt nur zur Debatte käme. vr. Einhorn hat vorläufig wegen dieser Angelegenheit ein umfangreiches Schreiben an Senator Sumner gerichtet, daS bis jetzt aus gewissen Gründen noch nicht in die Oes-