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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-03-22 · Heft 13 (22.3.1864) · p. Seite 190

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 13 (22.3.1864)
Date
1864-03-22
Page
Seite 190 (sequence 4)
Language
German
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deres Mittel etwa vorhanden sei? Dieses ergibt sich aber von selbst. Stillstand ist unmöglich, ein wirklicher Verfall in den Völkern, wie in den Nationen des Alterthums in der Zeit der römischen Imperatoren, ist nicht nachweisbar und so bleibt denn in der That nichts anderes übrig, als eben die unwiderstehliche Kraft der Entwickelung selbst. Es gibt in der Natur Gleichnisse hierfür genug; es sind nicht die Gewalten furchtbarer Explosionen, mächtiger Wasserstürze, zerschmetternder Blitze, welche die höchsten Kraftgrade in der Natur erweisen; der Schmetterling, der seine Puppenkruste zerreißt, der zarte Pflanzenkeim, der mit seiner schwachen Spitze die Erdrinde durchbricht, das gefrierende Wasser, welches das Felsgestein zersprengt, besitzen nach ihren Maßen eine viel stärkere Gewalt. So auch die Entwickelung in den Menschen und Völkern. Diese ergreift den Gegner in seinem eigensten Innern; sie schleicht sich in ihn selbst ein und hebt ihn von seinem Boden hinweg unfühlbar und unbewußt, und so hat er oft den bedeutendsten Theil seiner selbst an sie verloren, während er noch fest auf seiner Scholle zu stehen glaubt. So wirkt die Entwickelung von Generation zu Generation; jedes neue Geschlecht steht schon auf anderem Grunde als das vorgängige und der Sohn tritt keineswegs an dieselbe Stelle, welche der Vater eingenommen. Gestehen wir es offen, gerade jene revolutionären Explosionen haben der Entwickelung außerordentlich geschadet; sie werfen die Gegner weit hinter das zurück, wohin sie durch die Entwickelung wider ihren Willen schon gelangt waren; sie nutzen die Kräfte in heftigen Kämpfen ab, welche ohne diese letzteren auf dem Wege der Entwickelung zu allseitig gedeihlichen Zielen geführt hätten. Mag es immerhin sein, daß die Entwickelung nicht mit prunkhaften Erfolgen, die plötzlich erlangt sind und scheinbar Gro» ßes bewirken, hervortreten kann, daß sie überhaupt einer langen Zeit bedarf, um ihre Resultate sichtbar zu machen. Aber was hilft es? Auf anderen Wegen dauert es in Wahrheit noch länger und ist das Endziel noch fraglicher. Haben Sie Nachsicht, verehrter Freund, wenn meine Auseinandersetzung diesmal etwas langathmiger war. Konnte ich ja dennoch, was ich sagen wollte, nur skizzenhaft andeuten und bedürfte vieles weiterer Ausführung. Für jetzt gestatten Sie mir nur noch mit einem Blick auf die Zeitereignisse einige Schlußfolgerungen. Literarischer Wochenbericht. - Bonn, 11. März. Bon einer Dame, der approb. Lehrerin F. S. C. Randegger - Friedemberg in Triest, erscheint jetzt die erste italienische Uebersetzung des Buches Josua aus israelitischer Feder. — Angekommen: „Orientalische Reisebilder von Dr. Theodor Schuchardt. Leipzig, 1864." Heft I. Unter den von Jahr zu' Jahr sich mehrenden Reisewerken über den Orient macht das vorliegende zwar keinen Anspruch auf irgend welche wissenschaftliche Forschung, beschreibt aber Land und Leute, wie sie gegenwärtig sind, mit außerordentlicher Lebendigkeit, Sicherheit und wahrem praktischen Takte. Dabei ist der Stil Leicht und gefällig, die Beobachtung unparteiisch und vorurtheilslos, so daß diese Schrift eine höchst anziehende Leetüre darbietet. Das erste der vier Hefte führt uns von Triest bis mitten in das wundersame Kairo. — „Die Religionsphilosophie des Talmud in ihren Hauptmomenten dargestellt von Abraham Nager, Rabb.-Candivat. Leipzig, 1864." Wir können den Titel dieses Schriftchens (44 Seiten): „Die Religionsphilosophie des Talmud" nicht billigen. Denn eine Zusammenstellung der durch den Talmud und Midrasch zerstreuten einzelnen Sentenzen der Talmudlehrer aus den verschiedensten Jahrhunderten über einzelne religionsphilosophische Fragen, Sentenzen, die noch dazu meist aus ihrer parabolisch-allegorischen Hülle herausgelöst werden müssen, kann keine Religionsphilosophie genannt werden. Abgesehen aber hiervon, ist die Arbeit des Herrn Nager eine anerkennenswerthe und namentlich für Laien sehr interessante. Der Berf. stellt über die wichtigsten Momente, nämlich Schöpfungstheorie, Mittelwesen, göttliche Leitung, Zweck der Schöpfung, Wunder, Gott, Gottesnamen, menschliche Seele, Sünde, Ethik, Unsterblichkeit und Prophetie, die bedeutsamsten Stellen aus Talmud und Midrasch zusammen, so daß daraus ein ziemlich deutliches Bild von den Grundanschauungen, die über diese Gegenstände in den gedachten jüdischen Religionsquellen vorhanden sind, hervorgeht. Das Schriftchen wird daher Lehrern und Gebildeten eine recht willkommene Gabe sein. — „Phönizische Studien. Von Dr. M. A. Levy. Drittes Heft. Breslau, 1864." „Phönizisches Wörterbuch. Von vr. M. A. Levy. Breslau, 1864." Der Verf. setzt mit rühmlichem Eifer seine Arbeiten über phönizische Inschriften fort und bringt in diesem Hefte neuen Aufschluß über eine Reihe solcher

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