Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1864)
- Date
- 1864-03-15
- Page
- Seite 181 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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181 die Bürger christlichen Glaubens Hervorrufen, damit sie mit euch alle Handelsverbindungen abbrechen und in den Stadttheilen Kazimir und Stradom gar nichts kaufen. Großbritannien. London, im Februar. (Privatmitth.) Welche Anstrengungen man hier versucht, um die Juden zum Uebertritt zum Christenthum zu bringen, ist wohl allen Lesern bekannt und werden jährlich durch öffentliche Mittheilungen und Meetings die freilich schwachen Erfolge bekannt gemacht. Und welcher Mittel bedienen sie sich denn? Da lauern sie einem armen Juden in der Herberge auf, die dazu bezahlten Renegaten wissen ihn nach einem Bethause zu bringen, wo kein Kreuz und kein christliches Symbol zu sehen, sondern nur hebräische Inschriften die Wände zieren; mit wirksamer Unterstützung suchen sie seine Noch zu mildern; allmählich sieht er sich von diesen Fesseln so fest umgeben, daß er fast unbefangen ihren Glaubensanschauungen sich nähert. Die gemilderte Noch und die hebräischen Gebete, die ihm alldort in die Hände gegeben werden und die eigens dazu angefertigt worden, machen ihn anfangs glauben, daß es nur auf eine äußere Reform des Cultus abgesehen sei, und da die christlichen Eiferer nur auf die armen und unwissenden Juden ihre Netze auswerfen, so sind sie fast unmerklich gefangen. Mit Recht fragt da der für seinen Glauben eifrige Jude: Geschieht denn nichts von seiten der reichen englischen Juden, um dies zu verhindern? Sie, die sonst so glaubenstreu sind, warum haben sie nicht schon lange eine Gesellschaft gebildet, um diesem Bestreben der christlichen Eiferer entgegenzutreten? Allein die Antwort wird dann stets gegeben: Wir würden gern schon geben, wenn unsere Geistlichen sich dafür interessirten; die sitzen aus ihren Großrabbinenstühlen und freuen sich der schönen Einkünfte, allein das große Ganze interessirt sie wenig. „Ist es ja schon Arbeit genug, alle 14 oder gar 8 Tage eine Predigt zu halten, wo das Englische dem deutschen Redner schon schwer wird; nun sich auch um die polnischen Bettler und Flüchtlinge zu kümmern, das wäre wahrlich zu viel". Es ist betrübend, solche Mittheilungen wiederzugeben, es würde mir lieb sein, wenn ich getäuscht worden; allein mir standen bei meinem Aufenthalte in London die Thatsachen vor Augen und es ist Pflicht, darauf aufmerksam zu machen. Es ist überhaupt eine Eigenthümlichkeit der Neuzeit, daß gerade in den großen Gemeinden, von denen auf die kleineren die Einwirkung geschehen muß, so wenig dafür geschieht, um zeitgemäß Gottesdienst und Religionsschule einzurichten. Wenn sie sich in Berlin freilich noch umherstreiten, ob eine Orgel nicht gegen das Judenthum sei, dann bleibt auch in der Provinz das Alte stehen. Die Jugend hat aber davon keinen Begriff und in ihrer Ueberhebung entfremdet sie sich der Synagoge wie dem Derständniß des Glaubens. Nur wenn sich die großen Gemeinden tüchtige, aufrichtige Männer als Geistliche wählen, die nicht das Amt als Sinecure betrachten, dem zu Liebe sie alles gehen lassen, wie es einmal vorhanden, um sich nur keine Arbeit zu schaffen, nur dann kann in den Gemeinden das Berständniß und die Liebe zu unserm Glauben wachsen. Dagegen sieht man die Herren, ein jeder von seiner gewaltigen Höhe des Geistes überzeugt und durchdrungen, kaum das Besondere in der Gemeinde erfassend, vielweniger das große Ganze im Interesse des Judenthums unterstützend, mit Neid und Mißgunst denjenigen entgegenwirkcn, denen das Herz für den uralten Glauben der Väter erfüllt ist. Vornehm ignoriren sie öffentliche Institute und Stiftungen, die eine Zukunft schaffen sollen, kaum daß sie nicht dagegen wirken, wenn im Volke selbst dafür Sinn vorhanden. Und dieser Sinn, dieser Eifer, die jüdische Wissenschaft zu unterstützen, gemeinnützige Institute zu schaffen, ist im Volke reichhaltig vorhanden, nur muß er von den Rabbinen und Lehrern angeregt und thatkräftig in Anspruch genommen werden. Die Leute freuen sich, wenn ihre Mithilfe beiträgt, ein großes Ganzes zu schaffen; aber in den großen Gemeinden halten es die Herren Rabbinen für eine Heruntersetzung, wenn sie etwa die Ideen eines College« unterstützen sollten; da könnte die Gemeinde glauben, er wäre mehr als sie. Und doch müssen die Juden mit vereinten Kräften streben, wenn sie in ihrer Zerstreuung das gemeinsame Band sich erhalten wollen. Amerika. New-Aork, 19. Februar. Der Congreß nahm das Amendement zur Abschaffung der Sklaverei an. NewhorkHerald versichert, Lincoln werde am 22. Februar die Sklaven-Emancipation in den Bereinigten Staaten ausnahmslos proclamiren. 12»*