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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-03-15 · Heft 12 (15.3.1864) · p. Seite 180

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 12 (15.3.1864)
Date
1864-03-15
Page
Seite 180 (sequence 10)
Language
German
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180 noch weniger als bisher geneigt, zu irgend welcher Reform die Hand zu bieten. Welchen Sinn hat nun das Begehren der Fortschrittspartei? Sollen die Rabbiner mundtodt gemacht werden, damit auch hier zu Lande die Anstalten für alles, was speciell jüdisch ist, in Verfall gerathen und der Gottesdienst selbst bis zur Entäußerung alles Jüdischen, etwa zur Aehnlichkeit mit deutsch-katholischer Erbauung umgestaltet werden solle? — Wenn dies die Absicht der Fortschrittspartei ist und wenn sie hierauf hinarbeitet, so säet sie Wind und wird Sturm ernten; sie wird es sein, welche, wie in der obenerwähnten Gemeinde, zu Spaltung und Trennung zwingt, und darum: Aufgepaßt, Ihr Männer Judas! sei auch nach dieser Richtung hin gerufen. Preußen. Berlin, 23. Februar. (Privatmitth.) Wieder standen wir heute an der Bahre eines Ehrenmannes. Nicht einem Kanzelredner, Gelehrten oder Staatsmanne gilt dieses Mal unsere Trauer, aber einem biedern, seltenen Manne, der mit Uneigennützigkeit und voller Hingebung für seine Glaubensgenossen wirkte und strebte. Der in weiteren Kreisen bekannte und geschätzte Kaufmann Lipman Wulf verschied nach kurzem Krankenlager am 20. d. M. Er war ein echt religiöser Jude, der seiner Gemeinde zur Zierde gereichte, ein Vater der Armen und Waisen, wie er denn auch lange Zeit das Auerbach'sche Waisenhaus mit verwaltete. Friede seiner Asche! Österreichischer Kaiserstaat. Triest, im Februar. Nach dem Chron. isr. hat ein Herr Gentilomo nebst seiner Frau ein Legat von beinahe 70,000 Thlr. zur Herstellung einer israelitischen Alterversorgungs-Anstalt vermacht. Venedig, 3. Februar. Unser Glaubensgenosse ür. M. A. Asson, Hauptarzt des allgemeinen Hospitals unserer Stadt, ist zum Professor der Anatomie für Künstler an der Akademie zu Venedig ernannt worden. Diese Wahl wurde einstimmig und so zu sagen ganz ohne Discussion vollzogen. (Arcb. isr.) Szegrdin, 15. Februar. (Wand.) Nach einem alttestamentlichen Gesetze darf eine kinderlose Witwe nur dann eine zweite Ehe eingehen, wenn der Bruder des gestorbenen Gatten die Ceremonie des Schuhausziehens, Chaliza, hat vollziehen lassen. ES geschieht nun nicht selten, daß der Schwager dies zu Gelderpressungen benutzt, so daß eine junge Witwe oft jahrelang warten und große Summen opfern muß, um ihrem Schwager zur Vornahme der Ceremonie zu vermögen. Am 11. d. M. hat die k. ungarische Hofkanzlei in einem solchen Falle auf Ansuchen einer jüdischen Witwe die k. ungarische Statthalterei angewiesen, den Betreffenden zur Ausübung der Chaliza zu zwingen, indem durch die Weigerung desselben die Rechte einer andern Person beeinträchtigt und dieselbe in der Ausübung der gesetzlichen und rechtlichen Befugniß gehemmt wird. Diese Entscheidung verdient nachgeahmt zu werden, insolange nicht die Rabbiner sich dazu verstehen, eine Ceremonie außer Wirksamkeit zu setzen, die wohl für die agrarische Staatsverfassung der alten Israeliten, nicht mehr aber für die überall zerstreuten Juden unserer Zeit einen Sinn hat. Krakau, 1. März. (Privatmitth.) Die „Gener.- Corresp." theilt eine Proclamation „des Chefs der Stadt Krakau an die polnischen Bürger mosaischen Bekenntnisses in Krakau vom 14. Februar", unterzeichnet „Die National-Regierung, der Chef der Stadt Krakau" und mit dem dreifeldigen revolutionären Wappen versehen, mit, ein Aktenstück, welches nur zu sehr die Nothwendigkeit des soeben in Galizien verkündeten Belagerungszustandes erweist. Nachdem in derselben die Juden in Russisch-Polen für ihre Tapferkeit nnd Opferwilligkeit höchlichst belobt worden, fährt die Proclamation fort: „Angesichts dieser ehrenvollen und erfreulichen Thatsachen überzeuge ich mich aus den von allen Seiten mir zukommenden Rapporten mit um so größerem Schmerze, daß inmitten des Herzens Polens in der ewigen Hauptstadt Krakau die Bürger mosaischen Glaubens mit wenigen kleinen Ausnahmen, von schmählicher Gleichgiltigkeit oder Abneigung geleitet, jedes Opfer auf den Altar der nationalen Bedürfnisse versagen. Ich rede deshalb zu eurem Herzen, zu eurem Gewissen, israelitische Brüder, und ermahne euch, daß ihr mich durch ein Vorgehen in der Zukunft zu strengeren Maßnahmen nicht zwingt, die zur Bestrafung böswilliger Bürger dienen. Eine fernere Gleichgiltigkeit und die Zurückhaltung von der Einzahlung der nationalen Steuer (Opfer) wird unausweichlich den Auftrag an

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