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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-03-15 · Heft 12 (15.3.1864) · p. Seite 172

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 12 (15.3.1864)
Date
1864-03-15
Page
Seite 172 (sequence 2)
Language
German
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1-2 nach Morea und der Oesterreicher nach Neapel konnten doch nicht für Kriege angesehen werden, und selbst die zweideutige Seeschlacht bei Navarin nicht. Der russischtürkische Krieg, der mehr durch Gold als durch Eisen entschieden ward, der türkisch-egyptische, die Eroberung von Algier fanden nur an den Grenzen der civilisirten Welt statt und konnten mehr als schwache Nachklänge früherer Zeilen angesehen werden und selbst die französisch-antwerpener Affaire konnte eher als Beweis für, als gegen jene Hoffnung erscheinen. Das Princip der Nichtintervention, das von den europäischen Großmächten angenommen worden; die Bereitwilligkeit, mit welcher der Wechsel der französischen Dynastie, die Verletzung des Legitimitätsprincips, der Sieg der Revolution 1830 von allen europäischen Herrschern anerkannt worden; die Art, wie sich die schweren Wirren des Jahres 1840, wo man am Rheine schon das „Sie sollen ihn nicht haben" sang, friedlich lösten: dies alles bewirkte und bekräftigte die Meinung, daß der alte Kampf zwischen dem Geiste und der rohen Gewalt so weit endlich entschieden sei, daß die letztere dem ersteren nicht mehr die Spitze bieten könne. In der Thal war damals die „öffentliche Meinung" nicht zu einer sondern zur alleinigen Großmacht geworden, vor der sich alle ihre feindlichen Elemente in das Dunkel der Jntrigue zurückzogen. Die Nationen, meinte man, würden es nicht mehr ertragen, daß ihre Herrscher sie zum blutigen Kampfe gegeneinander führen, sondern im letzten Augenblicke unwiderstehlich daraus dringen, daß der Zwist in loyaler Weise nach Recht und Billigkeit geschlichtet werde; die Nationen aber hätten eingesehen, daß der Krieg nur zerstöre, die obschwebenden Fragen niemals löse und am meisten die innere Freiheit der siegenden Nation selbst bedrohe. Dies war die allgemeine Meinung, die von Kanzel und Lehrstühlen in Wort und Schrift vernommen wurde und die mit der Bewegung und Richtung der Zeit zu sehr übereinstimmte, als daß sie ihr nicht als die richtige erscheinen sollte. Die gründliche Enttäuschung ließ nach 1848 nicht auf sich warten. Der erste deutsch-dänische Krieg, der Krimkrieg, der italienische Krieg, die chinesische Expedition, die mexikanische Expedition, der nordamerikanische Bürgerkriege der jetzige deutsch-dänische Krieg, alle diese in einem Zeiträume von 13 Jahren, einige von den größten militärischen Dimensionen, haben hinlänglich den Gegenbeweis geführt und die Furcht vor einem allgemeinen Kriegsbrände, die bei jeder politischen Verwickelung alle Welt ergreift und zittern macht, zeigt, daß die Gegenwart bereits in das volle Gegentheil umgeschlagen. Lassen Sie mich, verehrter Freund, hierbei gleich bemerken, daß der Gedanke an einen europäischen Congreß, der vor wenigen Monaten von Napoleon III. so überraschend ausgesprochen worden, mir nichts weiter als das in diesem Herrscher erwachte Bewußtsein, mit dem Krimkriege den Krieg in die civilisirte Welt wieder hereingebracbt zu haben und daß auf solchem Grunde in unserer Zeit eine Dynastie sich schwerlich gründen lasse, zu sein scheint. Dann aber hat man auf ihn ganz richtig die Legende vom Zauberlehrling angewendet, der wohl den Schwall der Gewässer heraufzubeschwören, nicht aber wieder zurückzubannen vermochte. Dennoch kann dieser Gedanke als ein Athemzng jener früheren Hoffnung gelten und uns erweisen, daß diese noch nicht gänzlich tobt sei. Wie er aber ausgenommen worden, zeigt, daß seine Verwirklichung einer noch sehr fernen Zeit angehören werde. Die zweite Enttäuschung, die uns ereilte, betraf die Hoffnung auf die Macht und Dauerhaftigkeit des Coustitutionalismus. Weil in Euglaud dieses politische System sich so sehr realisirt, den inneren Frieden und die außerordentlichste Machtstellung nach außen bewirkt hat und seine Geltung in nichts mehr bekämpft oder nur angezweifelt wird, glaubten wir, daß es nichts weiter als einer constitutionellen Charte oder Verfassungsurkunde bedürft, um die staatliche Gesellschaft aus allen Wirrnissen zu lösen, die edelste Harmonie zwischen König, Regierung und Volk herzustellen und so den modernen Staat auf eine unerschütterliche Basis aufgebaut zu haben. Man übersah, daß die Constitution Englands durch eine lange Geschichtsperiode erst herangewachsen und der Stürme genug hatte überstehen müssen, daß in England weder der mittelalterliche Staat mit seiner Vernichtung aller allgemeinen Freiheiten und Rechte noch der absolutistische Staat ,eigentlich jemals zur vollständigen Herrschaft gelangten, daß seine Lage als Inselstaat und seine Entwickelung als Seemacht England vor Invasionen nach außen und vor einer zu großen Stärke des Land Heeres schützte, daß es endlich seit langer Zeit dahin gekommen, daß die ganze Nation in allen ihren Theilen, in Adel wie Volk, dem constitutionellen Systeme anhängt, so daß sich auch nicht das geringste Werkzeug vorfindet, um dem Absolutismus zur Handhabe zu dienen, Verhältnisse, von denen in allen europäischen Staaten das gerade Gegentheil vorhanden ist. Die Enttäuschung blieb denn auch nicht aus. Das Wort Lud-

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