Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 12 (15.3.1864)
- Date
- 1864-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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88, Jahrgang. Allgemeine 12. Zritung des Z«denth«ms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Bonn. Leipzig, den 15. März 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1^/r bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/2 Ngr. Inserate werden mit 1^/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für 1/2 Bogen 3 Thlr., für J/* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs. Expeditionen nehmen Bestellungen an; ^der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das Königs. Sachs. Haupt»Zeitungs-Bnreau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Politische Briefe, l. — Sir Moses Montefiore in Marokko. — Spenden-Liste für die Nießer-Stiftung. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Baden, Aus Baden. Preußen: Berlin. Oesterreichischer Kurse rstaat: Triest, Venedig, Szegedin, Krakau. Großbritannien: London. Amerika: New-Bork. Leitende Artikel. Bonn, 6. März. Politische Briefe. I. Sie verlangen von mir, hochgeschätzter Freund, daß ich meine Ansichten über die gegenwärtige Lage der civilisirten Gesellschaft ausspreche; Sie sind so freundlich, mir als einem aufmerksamen Beobachter einige Erfahrung und Einsicht zuzutrauen, die sich bei einem denkenden Menschen wie von selbst zu einer bestimmten Anschauung gestalten; Sie berufen sich darauf, daß ich gerade im Judenthume von seinem Beginne an das politisch-sociale Moment als ein integrirendes und religiöses aufgefaßt und nachgewiesen habe und daß die einzigen wahrhaften Busen der Weltgeschichte, die Lehren von der Waltung der göttlichen Vorsehung und von der fortschreitenden Entwickelung des Menschengeschlechtes, vom Judenthume in die Welt gebracht, von seinen Propheten verkündet worden, während das gesammte Alterthum noch keine Ahnung davon gehabt. Ich leiste Ihrer Aufforderung Folge, ohne eben damit mehr beanspruchen zu wollen, als einfach meine Meinung zu sagen, eine Meinung, die neben vielen anderen einhergehen mag, ohne daß sie sich anderen aufdrängen und eine allgemeine Geltung sich anmaßen will. Lassen Sie mich aber zuerst und vor allem den allgemeinen Inhalt unserer Gegenwart charakterisiren. Wir haben seit 1848 eine dreifache Enttäuschung erfahren, wie sie am meisten der begreifen wird, welcher seit ungefähr 1830 mit politischem Bewußtsein und reger Theilnahme am öffentlichen Leben und dem es erfüllenden Geiste durch die Well gegangen. Die erste dieser Enttäuschungen ist die der Friedenshoffnung in der civilisirten Welt. Von ungefähr 1830 an, stärker noch von 1840 bis zum Jahre 1848, breitete sich immermehr die Ansicht aus, daß die Geistesentwickelung und die Einsicht in das wahre Heil der Völker und Staaten bereits so weit gediehen, daß ein Krieg zwischen civilisirten Nationen immermehr zu den Unmöglichkeiten werde. Seit 1815 hatte ein solcher Krieg nicht stattgefunden und die größten politischen Verwickelungen wurden, wie es schien, durch die Diplomatie immer wieder gelöst. Die militärischen Spaziergänge der Franzosen durch Spanien nnh