Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 11 (8.3.1864)
- Date
- 1864-03-08
- Page
- Seite 165 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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185 für die Profanen Wissenschaften und classischen Sprachen in Breslau drei Professoren: Bernays, Joel und Zuckermann angestellt sind! Schon dies allein zeigt ein auffallendes Mißverhältniß. Entweder sollte ein vollständiges Gymnasium, ein sogenanntes Knabenseminar, mit dem Seminar verbunden sein, oder der Unterricht der Sekunda und Prima ganz ausgelassen werden, da die Kosten für die beiden erwähnten Gymnasialclassen ungemein groß sind! Können wohl in den beiden Abtheilungen zwei Männer, die den gesammten bibl. und talmudischen Unterricht über sich haben, genug leisten? Sind endlich zwei Abtheilungen nicht zu wenig?? Sollen alle Gegenstände und Fächer vertreten sein, so müssen wenigstens 3 bis 4 Professoren angestellt sein! Bei einer israel.-theologischen Lehranstalt ist dies leicht möglich und mit nicht allzngroßen Kosten verbunden. Ueberhaupt wo es den Hörern gestattet ist, wie in Breslau, die Universität zu besuchen. Freilich müßten eine Art Vorbereitungsschulen creirt werden, wo es den Gymnasialschülern möglich gemacht wird, während der Zeit ihres Studiums sich für ihren künftigen Beruf vorzubereiten. Aber dergleichen Anstalten lassen sich in Ungarn in den größeren Gemeinden und Städten leicht ins Leben rufen, da ein einziger Lehrer dazu auch genügt, und überhaupt, wo die Rabbiner dazu eifrig die Hand reichen! Eine bis zwei Stunden täglich können die Gymnasialschüler, die sich der Theologie widmen wollen, leicht dem Studium der hebräischen Sprache, der Bibel und dem Talmud widmen, und so der Unterricht gehörig geleitet wird, läßt sich in 8 Jahren ein schönes Resultat erzielen und die Abiturienten sind zum Besuche der Rabbinerschule oder Facultät reis! Ohnehin sind bei allen größeren Gymnasien Religionslehrer angestellt, und denselben müßte es nebst den Rabbinern obliegen, für die Vorbereitung und Ausbildung der künftigen Besucher der Rabbinerschule Sorge zu tragen. Frankreich. Bayonne, 22. Februar. lPrivatmitth.) Bei dem feierlichen Begräbniß des Groß-Rabbinen Marx in Bordeaux bezeugten nicht blos die Einwohner aller Classen ihre Theilnahme, sondern auch der Erzbischof dieser Stadt ließ alle Glocken läuten, ein Zeichen der Toleranz, das, von einem Prälaten im mittäglichen Frankreich ausgehend, hervorgehoben zu werden verdient. Großbritannien. London, 26. Februar. Nach dem Jew. Chr. ist von Gibraltar am 18. Februar ein Telegramm von Sir Moses Montefiore angekommen, welches berichtet, daß derselbe in der Nacht des genannten Datums in Gibraltar angekommen, nachdem er ein kaiserliches Edict zu Gunsten der marokkanischen Israeliten erwirkt habe. Näheres werde per Post erfolgen. Holland. Zütphcn, 25. Februar. (Privatmitth.) In der holländischen Stadt Zaandam existirt eine kleine israelitische Gemeinde, deren alte Synagoge so verfallen ist, daß sie eine neue aufbauen muß. Sie hat mit Aufwendung aller ihrer Kräfte einige Mittel aufgespart, die aber bei weitem nicht ausreichen. Ihre christlichen Mitbürger nehmen sich der Sache an und man beabsichtigte eine Lotterie zu arrangiren, deren Ertrag zu obigem Zwecke verwendet werden soll. Ein Christ, Hr. W. I. Poel, unternahm es, eine Menge Loose abzusetzen und schrieb deshalb viele Briefe nach allen Städten umher, um die Adressaten zu bewegen, Loose zu nehmen. Diese edle Handlungsweise verdient wohl, in diesem Blatte erwähnt zu werden. Bemerken will ich noch, daß die königl. Regierung die Lotterie stempelfrei genehmigt und unsere Königin eine kostbare Pendula zur Lotterie eingesandt hat. I. Franken. Marokko. Marokko, im Januar. (Jew. Chrono Herr Guedalla theilt unS mit, daß er Briefe vom 26. Januar aus Marokko empfangen habe, aus denen er folgende interessante Einzelheiten über die Reise von Sir Moses Montefiore und seinem Gefolge von Mogador nach Marokko gezogen hat. Am 10. Januar brachen sie auf, begleitet von einer Anzahl Einwohner, die eine Zeit von sechs bis dreißig Stunden bei ihnen blieben. Sir Moses machte die ganze Reise in einem Trachterevan, welches einem kleinen Schranke sehr gleicht. ES war ungefähr 7 Fuß lang und hinreichend hoch, um jemanden darin bequem in einem Lehnstuhle sitzen zu lassen. Es war auf dem Rücken zweier Maulthiere 11**