Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 11 (8.3.1864)
- Date
- 1864-03-08
- Page
- Seite 164 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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164 losigkeit sind die hemmendsten Fesseln im praktischen Leben." —. Die israelitische Armenanstalt, welche bereits 43 Jahre besteht, hat, ihrem Rechenschaftsberichte zufolge, im abgelaufenen Jahre 27,677 fl. 8!» kr. verausgabt, darunter für ihre Speise-Anstalt 9,222 fl. 63 kr., indem täglich f 00 Menschen verköstigt wurden. Außer den Pensionisten (3905 fl. 20 kr.) und fremden Reisenden (2904 fl.) stehen in erster Reihe Kranke und Wöchnerinnen mit 2562 fl. 11 kr. Die Betheilung mit Holz nahm 1051 fl., jene mit Osterbrot 2337 fl. 19 kr., Noth und andere Bedrängnisse 3717 fl. in Anspruch. So kam es, daß vom kleinen Capital heuer 3000 fl. zugesetzt werden mußten. Krakau, 18. Februar. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen verschied hier auf der Klinik ein Israelit, dessen Leiche secirt weiden sollte. Als die Verwandten des Verblichenen dies hörten, wandten sie sich sofort an den Herrn Professor der Klinik wegen Herausgabe der Leiche, um sie nach jüdischer Vorschrift bestatten zu können. Sie wurden abgewiesen. Darauf nahmen sie ihre Zuflucht zu unserm Herrn Rabbiner und ersuchten ihn, sich in dieser Angelegenheit persönlich bei oem Herrn Professor zu verwenden, und legten ihm ihren Kummer und ihre Trauer ans Herz: allein sie erhielten zu ihrem Entsetzen die Antwort, er wäre der Sprache nicht mächtig, sie sollten sich helfen, wie sie könnten. Jetzt richteten sie ihre Bitte an die Gemeindevorsteher; aber auch diese brachten bei dem Rabbiner nichts weiter zu Wege, als daß er wegen Herausgabe der Leiche einen Brief an den Professor schrieb. Dieser aber war darüber entrüstet, daß ein Rabbiner von Krakau so wenig Tact besäße, ihn in einer so dringenden Angelegenheit nicht einmal eines Besuches zn würdigen, und die Leiche wurde zur schmerzlichsten Betrübniß der Hinterlassenen secirt. — Soviel hat eine so große Gemeinde, wie Krakau, in vorkommenden Fällen von der Energie ihres obersten Geistlichen zu erwarten, soviel aber auch die Orthodoxie selbst, wenn deren Interesse ein thatkräftiges Handeln erfordert. Auö Südungarn, 22. Februar. (Privatmitth.) Das Einladungsschreiben der h. Statthalterei an die zur Bearbeitung des Rabbinerseminargedankens erwählten Rabbiner lautet: „Da zu den hohen Orts bezeichneten anderen Bestimmungen des isr. Schulfonds auch die zukünftige Errichtung einer Rabbinatsschule für Rabbinatscandidaten gehört, so werden Euer Ehrw. als Sachverständiger hiermit ausgefordert, daß Sie mit Beiwirkung des Hrn. S. L. Brill, Rabbinatsassessors in Pesth, Hrn. M. Hirsch, Rabbiners zu Altosen, und deS Hrn. I. Steinhardt, Rabbiners zu Arad, über die Einrichtung und innere Organisation einer solchen Lehranstalt einen ausführlichen Entwurf machen, hierauf bezüglich einen detaillirten Lehrplan ausarbeiten und Ihre Ausarbeitung mit einem genauen Ausweise der hierzu erforderlichen Ausgaben einer h. Statthalterei bis zum 15. März l. I. gewiß und unverzüglich einschicken möchten, weil bezüglich der Errichtung dieser Lehranstalt, wie auch nicht minder bezüglich der israel. Schulinspection und auch bezüglich des bei dem israel. Schulfonds sich ergebenden Ueberschusses bei der Statthalterei mit Beiwirkung mehrerer Israeliten am 30. März um 10 Uhr vormittags eine Berathung abgehalten werden wird, zu dessen persönlichem Erscheinen auch u. s. w. mit dem Bemerken eingeladen werden, daß Sie sich an dem, dem 30. März vorhergehenden Tage bei dem 2. Präsidenten u. s. w. melden möchten." Die h. Regierung hat also endlich dem allgemeinen Verlangen nach einer bessern Verwendung des Schulfonds Rechnung getragen und hierzu die Initiative ergriffen. Es ist wohl Zeit, daß man den Parteistandpunkt aufgeben und die Wichtigkeit des Gegenstandes erst in Berathung ziehen möge, da sonst wiederum eine verfehlte Schöpfung zu Tage kommen muß. Die Frage ist nun hauptsächlich: Soll ein Seminar oder eine israelitische theologische Lehranstalt errichtet werden? Die beiden Vorbilder, nämlich das Kollegium rabbinicum zu Padua und das Rabbinerseminar zu Breslau (von der Rabbinerschule zu Metz ist noch gar wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen), sprechen nicht sehr zu Gunsten eines Seminars, obschou die bewährtesten nnd die tüchtigsten Lehrkräfte an diesen Anstalten wirken. Die Herren Luzzatto, Grätz und Frankel sind gewiß eine Zierde an jeder Hochschule, aber die Institute, denen sie vorstehn, haben große Mängel. In Breslau sind die gesammten biblischen, rabbinischen und theologischen Wissenschaften bloß durch zwei Professoren: Frau? kel und Grätz, vertreten, und ebenso in Padua durch Hrn. Luzzatto und äe I» Torrei Während hingegen