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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-03-08 · Heft 11 (8.3.1864) · p. Seite 163

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 11 (8.3.1864)
Date
1864-03-08
Page
Seite 163 (sequence 9)
Language
German
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163 bis zu ihrer etwaigen erwiesenen Besserung zu streichen. Zu Gesellen freigesprochen wurden in dem abgelaufenen Jahre 39, welche, sämmtlich vollständig neu gelleidet, freudig und dankbar gegen den Verein, ihren Wohlthäter, einer freiem gewerblichen Thätigkeit entgegen gehen. Es verblieben demnach am Schlüsse des Jahres 145 Zöglinge bei 21 verschiedenen Gewerben. Die Ausgabe n haben sich im abgelaufenen Jahre im ganzen um fl. 552.42 kr. (fl. 6520.69 kr. gegen fl. 7073.11 kr. im Vorjahre) verringert.*) Die Jahresbeiträge haben sich in dem letztverflossenen Jahre durch den Beitritt von 20 neuen Mitgliedern (gegen 9 ausgetretene) um circa fl. 122 erhöht; desgleichen „Legate und Schenkungen" und „Rückvergütungen." Dagegen haben sich „Bethausspenden" und „Capitalszinsen," letztere durch die Gebührenerhöhungen, um fl. 212 vermindert; so daß im ganzen gegen das Vorjahr eine Mehreinnahme von nur fl. 69.41 kr. sich herausstellt. Trotz dieser günstigen Verhältnisse der Einnahmen und Ausgaben gegen das Jahr 1862 waren wir doch auch in dem abgelausenen Jahre genöthigt, zum Reservefond unsere Zuflucht zu nehmen und diesen zur Deckung des Abganges um fl. 603.22 kr. zu vermindern. Allerdings kaum die Hälfte des Deficits im Vorjahre, jedoch bedeutend genug, um für das Gedeihen des Vereins in der Zukunft Besorgnisse zu erregen, wenn nicht durch den Beitritt neuer Mitglieder und bemittelter Gemeinden, deren arme Gemeindeglieder ihre Kinder uns zuführen, die Kräfte des Vereins bedeutend gestärkt werden. Bezüglich unserer Bildungsanstalten können wir uns auf das beruhigendste aussprechen. Der sonntägliche Gottesdienst, die Zeichnen- und Wiederholungschule, letztere mit 3 Classen, werden von unseren Zöglingen — Dank der strengen Ueberwachung — fleißig und mit befriedigendem Erfolge besucht. Die Feier des Osterabends wurde auch im verflossenen Jahre im Locale der Religionsschule in erhebender Weise begangen, und wurden sämmtliche Vereinszög¬ *) Es wurden in dem abgelaufenen Jahre an die Zöglinge verabreicht: Tuchröcke 78, Tuchbeinkleider 96, Hemden 348, Arbeitshosen 585, Schurze 513, Lederschurze lau Schlosser und Schmiede) 17, Jacken (an Bäcker) 26, Stiefeln mit Röhren 332, Stiefeletten und Borschuhe 216, Sohlen mit Abs. 116, Pantoffeln (Schlüpfen) 562. linge — zur Zeit 160 an der Zahl — auf Kosten des Vereins daselbst gespeist. Aus der Hermann Todesco'schen Stiftung wurden in dem letztverflossenen Jahre neuerdings fünf ehemalige Vereinszöglinge, welche sich hier als Meister etablirten, — 1 mit fl. 400, 2 mit je fl. 300, 2 mit je fl. 100 — in Summa mit fl. 1200 unterstützt; so daß bereits 27 ehemalige Vereinszöglinge mit Hilfe dieser humanen Stiftung, die den Namen ihres edlen Stifters im segensreichen Andenken unter uns erhält, sich hier als Meister von ihrer Hände Arbeit ernähren. Rechnet man hierzu diejenigen von den 388 Gesellen, welche bereits aus unserm Vereine hervorgegangen, in ihrer Heimath, in den Provinzen und im Auslande sich als Meister niedergelassen, so muß dieser Gedanke» wir sind dessen überzeugt, ein höchst befriedigendes Bewußtsein in den Herzen derer erwecken, welche zur Beglückung so vieler Menschen, die sonst der Verwahrlosung und Verkümmerung anheimgefallen wären, beigetragen haben. Aus der Stiftung des sel. Herrn Sigmund Edl. von Wertheimstein wurden an dessen Sterbetage im verflossenen Jahre sechs aus 38 Bewerbern, als die am würdigsten befundenen Gesellen, mit Prämien von je fl. 25 betheiligt, und gaben die Arbeitsbelege fast sämmtlicher Bewerber Zeugniß von der Tüchtigkeit, dem Fleiße und der Solidität unserer Handwerksbeflissenen. Möge diese kurze Uebersicht der Vereinsthätigkeit und deren Erfolge die Ueberzeugung begründen, daß die freiere, glücklichere Stellung, die der Israelit in seinem Baterlande bei uns gewonnen, Vereine wie den unserigen nicht nur nicht überflüssig, sondern gerade deshalb um so dringlicher gemacht haben. Denn soll die gewonnene Gleichberechtigung wahrhaft ein Segen für uns werden, so muß die innere Emancipation mit der äußern gleichen Schritt halten und müssen vor allem den ärmeren Classen unter uns Mittel geboten und die Wege erleichtert werden, sich immer mehr an allen Zweigen productiver bürgerlicher Thätigkeit zu betheiligen und von jenen Erwerbsquellen nach und nach abzulassen, zu welchen früher die Ausnahmsstellung im Staate den Juden gezwungen und die ihn dann wieder, wenn auch ungerecht, bei seinen Mitbürgern in Mißachtung und Verruf gebracht haben. Der Gefesselte, sagt das Sprichwort, kann nicht selber von seinen Fesseln sich befteien, und Armuth und Hilf- 11

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