Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 11 (8.3.1864)
- Date
- 1864-03-08
- Page
- Seite 161 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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161 Wir wissen nicht, zu welchen Finanzgrößen Hr. Deutsch gehört. Er sprach einmal die Meinung aus, Chuzpa — Anmaßung, Frechheit — besitze er mehr als der reichste Mann. *} Kurz vor dem Jahre 1848 betraute ihn der Vorstand der israelitischen Gemeinde in Wien mit der Stelle eines Vorstehers in der polnischen Synagoge, wodurch sein maßloser Ehrgeiz theilweise befriedigt wurde, und da führte er selbst Reformen ein. Nachdem der politische Umschwung eingetreten war, suchte ihn Hr. Deutsch so viel als möglich auszubeuten, um seine ehrgeizigen Gelüste zu befriedigen, sich an die Stelle der Gemeinde zu setzen und von Wien aus die österreichischen Juden zu beherrschen. Doch konnte er nicht rechten Fuß fassen, bis die Reaktion und mit ihr die Herrschaft der Clericalen einzog. Er beschwatzte einige Personen in Wien, um mit ihnen eine soit-disant orthodoxe Partei zu feilben; doch die wirklich Streng- und Rechtgläubigen wendeten sich, wie wir später zeigen werden, von ihm ab. Auch die Fraction der polnischen Juden wollte nichts von ihm wissen und nur einige verlorne Seelen, welche die Freizügigkeit nach Wien geführt hatte, schlossen sich ihm an, da er ihnen goldene Berge versprach; aber auch diese fielen bald ab.**) In ähn¬ *) Wie wir hören, soll Hr. Deutsch als Kaufmann bereits mehrere Metamorphosen durchgemacht haben. Er besuchte ursprünglich den schlüpfrigen Boden der Börse. Er wurde dann Goldhändler, nachher Fischbeinfabrikant und ist jetzt Geldwechsler. Wir wollen hier nicht die Ursachen dieses Wechsels untersuchen. Zweifelsohne hat er stets nach oen Principien der strengsten Redlichkeit gehandelt; denn Hr. Deutsch ist ein orthodoxer Jude und sehr loyaler Unterthan und — Brutus ist ein ehrenwerther Mann. **) Daß Hr. Deutsch keine Partei hinter sich hat und in Wien mit seinen Ansichten ganz allein steht, geht aus Folgendem hervor: In der wiener Gemeinde finden alljährlich Ergänzungswahlen in den Vorstand statt und das Maximum der Stimmen für Herrn D. — unter 2000 — war bisher consequent eine. Der Ursprung derselben ist leicht zu errathen. Wenn Hr. Deutsch in der Eingabe II, die wir der wiener „Morgenpost" vom 11. Juli 1862 entnehmen, von Bethaus — und frommen Vereinsvorständen spricht, welche ihn für befähigt erachten, eine Synagoge in Wien zu gründen, so ist dies eitler Humbug. Hr. Deutsch macht da aus Mücken Elephanten, denn kein Mensch nimmt Notiz von jenen Minjanim und namenlosen Chebroth. Es ist ebenfalls ein Schwindel, wenn Hr. Deutsch von einer Religionsschule spricht, die er in Wien gegründet haben will. Durch licher Weise beredete er manche ungarische Rabbiner, denen er sich als Regenerator des alten Judenthums anbot; diese Männer, welche mit ihrer Zeit in Zwiespalt leben und dieselbe nicht kennen, folgten in ihrer Schlichtheit dem Manne, da sie dessen Treiben nicht zu durchschauen vermochten — manche derselben sind kaum der deutschen Sprache und Schrift kundig — und nun beschwatzte er die Behörden und denuncirte seine Glaubensgenossen, die nicht seine religiösen Ansichten theilen, als Ketzer und Revolutionäre u. s. w." Zeitungsnachrichten. Deutschland. Haderöleben (Schleswig), 22. Februar. Die öffentlichen Blätter bringen ausführliche Berichte über die Bertheilung von Tapferkeits-Medaillen durch den FML. von Gablentz an die Brigaden Gondrecourt und Nostiz auf freiem Felde. Der Prinz Albrecht v. Preußen heftete den Ausgezeichneten die Medaille eigenhändig auf die Brust. Die Zeitungen heben hervor, daß „unter den Decorirten des galizischen Regiments Martini sich mehrere Israeliten befinden." (Siehe Köln. Zeitung No. 57). — Wir finden darin nichts Besonderes, da sich österreichische Soldaten jüdischen Glaubens schon seit 1790 auf allen Schlachtfeldern ausgezeichnet haben. Aber den Insinuationen reaktionärer Blätter in Preußen und Oesterreich gegenüber müssen solche eklatante Zeugnisse doch noch hervorgehoben werden. Preußen. Bonn, 29. Februar. (Privatmitth.) Wir haben bereits in einer frühern Nummer auf die Proteste aufmerksam gemacht, welche jetzt in Veranlassung Schleswig-Holsteins von den evangelischen Geistlichen aller ihn wurde ein Cheder ins Leben gerufen und eine Stätte für die Verwahrlosung errichtet. Der Eifer ging jedoch nicht so weit, daß er diese — sit venia verbo — Unterrichtsanstalten auf eigene Kosten erhalten hätte. Das Geld hierzu — in Wien bekommt man Geld, wenn man nur bettelt — erhielt er mitunter von Personen, welche kaum noch den Namen „Jude" tragen»