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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-03-08 · Heft 11 (8.3.1864) · p. Seite 158

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 11 (8.3.1864)
Date
1864-03-08
Page
Seite 158 (sequence 4)
Language
German
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158 den religiös-sittlichen Zwecken der Offenbarung immermehr herangebildet, zum wahren Leben in denselben geführt und darin erhallen werden konnte.*) Schwerlich würde auch jemand den Sabbath damit völlig ausgefüllt ansehen, wenn er lediglich m Ruhe und Arbeitslosigkeit oder mit den Genüssen der Tafel verbracht würde, sondern wir werden den wesentlichen Charakter des Sabbaths auch in der besondern gottesdienstlichen Feier, in der Beschäftigung des Geistes, namentlich auf religiösem Boden, in der religiösen Weihe, die mit dem Beginne des Sabbaths in unsere Seele kommt, finden. Und so werden wir es bedauern, daß Maimonides gerade diese positive Seite des Sabbaths, die ihm doch jedenfalls anfgegangen, mit Stillschweigen übergeht. Den Zweck und die Bedeutung des Versöhnungstages gibt Maimonides in ihrem vollen Maße an, wie sie unverändert durch alle Zeiten gingen und durch die der Versöhnungstag, der in den biblischen Schriften als im alten Israel weniger berücksichtigt und gefeiert erscheint, in den späteren Zeilen die höchste Stufe auf dem religiösen Gebiete einnahm und seine ungeschwächte Herrschaft noch jetzt auf alle jüdische Gemüther ausübt, eben ein Beweis, daß der religiöse Gedanke über die nationalen Zwecke und Naturmotive weit hinausgewachsen ist. Das Roschhaschanahfest erkennt M. „als einen Tag der Bekehrung und der Erweckung von dem Taumel des Lebens, als einen Uebergang, eine Vorbereitung zum Versöhnungstage" und findet hierin den Zweck des Schopharblasens. So richtig dies ist und so sehr sich die Intention der h. Schrift auch hierauf beschränkt, müssen wir uns doch wundern, daß M. hierbei gänzlich das von der Tradition diesem Feste eingepflanzte Moment des Beginns eines neuen Jahres mit allen seinen religiösen Motiven, namentlich mit dem Gedanken an das göttliche Gericht, völlig übergeht, trotzdem doch nicht zu verkennen ist, daß im Bewußtsein der gegenwärtigen Masse gerade dieser Inhalt des Festes der vorwiegende ist. Wir verwundern uns darüber umsomehr, weil M. dicht daneben das Wochenfest lediglich als Fest der Gesetzgebung kennt und es darum nur einen Tag währen läßt, weil die Verkündigung der Zehn Worte eben nur an einem Tage geschehen. Gerade hier hat also M. das von der Tradition allein, nicht von der Schrift dem Wochenfeste gegebene Motiv hervorgehoben, während er bei dem Roschhaschanahfeste das tra¬ *) Siehe Ausführliches in unferm Bibelwerke zu 2 Mos. 20, 8. ditionelle Moment gänzlich übergeht. Die Schrift legt bekanntlich dem Wochenfeste nur den Charakter des Ernte-, Dank- und Erstlingsfestes bei. Erst nachdem das jüdische Volk sein Vaterland verloren und Grundbesitz nicht mehr hatte, wurde die auf die Zeitberechnung gegründete Idee des Gesetzgebungsfestes eruirt *) und gerade dadurch ihm eine allgemeine Bedeutung, die für alle Zeiten und Oertlichkeiten giltig sein konnte, vindicirt. Jedenfalls müssen wir es als einseitig bezeichnen, bei dem einen Feste die Schrift mit Ausschluß der Tradition, bei dem andern die Tradition mit Ausschluß der Schrift zu berücksichtigen. (Fortsetzung folgt.) Spenden-Liste für die Riefer - Stiftung t) zur monumentalen Herausgabe der Schriften Rießer's, 2) zur Unterstützung solcher Israeliten, die Gerichtsassessoren oder zu Gymnasial- und Universitäts- Lehrämtern befähigt, aber ihrer Religion wegen nicht angestellt sind. 1086) Frau Karoline A. Mayer, Vorsteherin eines Pensionates für israelitische Töchter in Stuttgart. Wir geben hier das Begleitschreiben der geehrten Dame: „Beifolgend habe ich die Ehre, Ihnen den Betrag von fl. 60 zum Besten der Rieß er-Stiftung mit dem höflichen Bemerken zu übersenden, daß diese Summe durch die Ausspielung einer Anzahl von meinen Zöglingen gefertigter Handarbeiten gebildet worden ist, und mögen Sie hieraus entnehmen, daß Ihr s. Z. in Ihrem beliebten Blatte für diese Stiftung erlassener Aufruf auch in den jugendlichen Herzen israelitischer Töchter unserer Gegend Anklang gefunden hat. — Es wird mir stets zur besonderen Freude gereichen, auch für die Zukunft in ähnlicher Weise das Andenken eines der edelsten Israeliten unserer Zeit feiern und verherrlichen helfen zu können." — Also 60 fl. 34 Thlr. 8Ä/* Sgr. — Gesammtsumme: 1968 Thlr. 19 Sgr. 6 Pf. Die Redaktion. *) Philo weiß noch nichts davon.

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