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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-03-01 · Heft 10 (1.3.1864) · p. Seite 149

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 10 (1.3.1864)
Date
1864-03-01
Page
Seite 149 (sequence 9)
Language
German
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149 wählt worden. Warum sind Männer wie vr. Hauser, H. Reich, M. L. Bauer und so viele andere Fachmänner, welche sich durch ihre praktischen Leistungen wie durch ihre Schriften ausgezeichnet haben und die wirklich verstehen, wie eine Lehranstalt methodisch einzurichten, gänzlich übergangen? So hohe Freude daher das bezügliche Rescript einerseits weckte, ebenso viele Besorgniß erregte die Wahl der genannten Herren, und es ist der allgemeinste Wunsch, daß die Commission durch Männer, wie wir deren oben einige genannt, verstärkt werde. In der That besteht ein solches Institut nicht blos durch die Geldmittel, die ihm gewährt werden, sondern auch durch das Vertrauen, das es sich zu verschaffen weiß, und dieses Vertrauen muß schon an der Wiege einer solchen Anstalt stehen. Pollak. Aus Oberungarn, im Februar. (Privatmitth.) Wenn auch in der Mehrzahl der Comitate Ungarns die Israeliten bei Gelegenheit der Unterstützung der Hilfsbedürftigen in erster Reihe stehen, so ist doch ihr Borgehen ein so bescheidenes, daß wohl in den seltensten Fällen ihr Auftreten bemerkbar ist. Dies ist denn auch die Ursache, wenn unter den Wohlthätern sich stets eine große Zahl Israeliten befinden, die dort, wo es gilt Wohlthaten zu erweisen, gern im Stillen wirken. Gegenüber dem in diesen Blättern erwähnten Vorgehen des königl. Commiffärs in Groß-Becskerek sei an dieser Stelle das humane Benehmen des betreffenden königl. Beamten im szaboleser Comitate gedacht, welcher nicht nur dem israel. Stadtrathsmitgliede Hrn. Szamueli in Nhregyhsze bei Gelegenheit derUebersendung von mehreren tausend Metzen Früchten für die Nothleidenden des Comitates die vollste Freiheit in der Art und Weise der Bertheilung ließ, sondern auch seine volle Anerkennung in einem amtlichen Schreiben über die bisherigen Bemühungen dieses wahrhaft opferwilligen Mannes aussprach. — Unsere Schul- und Synagogen-Angelegenheiten haben in einigen Gegenden Oberungarns eine solche grelle Gestalt angenommen, daß dem Berichterstatter, will er nicht ewig dieselben Trauerlieder anstimmen, nichts anders übrig bleibt, als diese wahrhaft grellen Zustände sich selbst zu überlassen und bessere Zeiten abzuwarten. Welchen enormen Einfluß unsere Dunkelmänner auf die Gestaltung unserer Verhältnisse üben, beweist das inhumane Auftreten unserer Orthodoxen und Chassidäer gegen den jüngst erbauten Cultus« Tempel in Miskolcz. Hat sich doch der chassidische Rebbe und Wundermann Hilel in Szikozö mit dem orthodoxen, der preßburger Schule angehörigen talmudisch gebildeten Rabbi in S. Sct. Päter verbunden und haben beide einen Bannstrahl gegen diesen Cultus-Tempel und seine Besucher geschleudert. In welche traurige Lage der sehr geehrte Oberrabbi Jischmann in Miskolcz versetzt ist, beweist die Bitte dieses ehrwürdigen Greises bei Gelegenheit einer nächtlichen Bestürmung einer chassidim-freundlichen Partei, doch sich gedulden zu wollen, bis er sich mit seinen Söhnen und Schwiegersöhnen, von denen einige bedeutende Rabbinate in Ungarn begleiten, berathen habe. Nicht besser geht es im zempliner Comitate, wo die in S. A. Ujhelh bestehende Musterhauptschule verwaist dasieht und größtentheils von Proletariern besucht ist, während die Mehrzahl der schulpflichtigen Jugend bei unwissenden Melamdem in Chedorem ihr Dasein fristet. Ist dieses doch der Wille unserer Chassidäer; dagegen die Stimme zu erheben ist mehr als Berrath, und wehe dem, der es wagt, kühn aufzutreten, die Rache der Verfolger müßte ihn über Nacht treffen. Dieselbe Finsterniß herrscht in der Mehrzahl der Städte des unghvarer und ssroser Comitates; nur EperieS, die Hauptstadt des letztgenannten Comitates, dürfte eine Ausnahme machen und ist in der That der Sinn für den Fortschritt in dieser Gemeinde so mächtig, daß die dortige Gemeinde-Hauptschule unter der Leitung des wackeren Oberlehrers Samuel Deutsch recht gedeiht. Nicht minder lebhaft ist das Bestreben in dem Tempel, den Anforderungen einer aufgeklärten, dem Fortschritt huldigenden Zeit gerecht zu werden und tragen hierzu die Cultusbeamten Oberrabbi Dr. Austerlitz und Cantor Liepwert, insbesondere aber der auch in weiten Kreisen rühmlichst bekannte Vorsteher Leo Holländer nicht wenig bei. Höchst traurig sind die Verhältnisse in dem abaujer Comitate. Nicht nur daß die bisher hier bestandenen Schulen längst aufgelöst sind, es geschieht für den geistigen Fortschritt unserer Glaubensbrüder in dieser Gegend nichts. So weit haben wir es gebracht, daß täglich mehr, sowohl die orthodoxe wie die aufgeklärte Partei, in das Lager der Chassidim geschoben werden, die nun einmal, mit aller Energie thätig, nicht eher ruhen, bis sie ihr Opfer gefunden haben. Wir uuse- 10

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