Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 10 (1.3.1864)
- Date
- 1864-03-01
- Page
- Seite 147 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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147 sammtbevölkerung (?). Bei diesem doch keineswegs geringfügigen Resultate ist noch wesentlich zu beachten, daß zu dessen Erreichung keine Agitationsmittel gebraucht worden sind. Nicht fünf von den Personen, welchen ich die Petition zusandte, werden zu behaupten vermögen, daß sie mich kennen oder je zu mir in Beziehung gestanden haben. Ob es echten Israeliten zur Ehre gereiche, dem Bestreben feindlich entgegenzutreten und ein Staatsjudenthum mit Zwangsreform der gesetzlich geregelten Autonomie vorzuziehen, überlassen die Anhänger der Petition dem billigen Urtheile jedes gebildeten Ehrenmannes, welcher religiösen Richtung er auch angehören möge. Die judenfreundliche Gesinnung Mohl's, des einzigen Abgeordneten, welcher die vorliegende Petition principiell bekämpfte, ist von der Paulskirche her noch zu gut bekannt, als daß es eine Ehre sein könnte, in jüdischen Angelegenheiten mit ihm Hand in Hand zu gehen. H. Löwe. Nachbemerkung der Redaction. Die uns eingesandte gedruckte Petition verlangt die Beseitigung der nur dem Staate gegenüber beeidigten und mit den eingreifendsten Bollmachten versehenen israelitische Oberkirchenbehörde; zweitens die Aufhebung der gesetzlichen Bestimmung, daß jeder Israelit einer israelitischen Kirchengemeinde angehören müsse; drittens fordert sie, daß die Gemeinden sich ihre Rabbinen selbst wählen; viertens, daß allen cultuellen und rituellen Einrichtungen der Schulchan Aruch zum Grunde liege; fünftens, hiervon nur auf das Votum von der Gemeindemitglieder abgewichen werden dürfe; sechstens, jede Minorität sich einen eigenen Gottesdienst einrichten dürste. — Jever Unparteiische sieht ein, daß in diesen Petitis einige sehr wohl begründete Forderungen enthalten sind, die sich auch früher oder später Bahn brechen müssen, daß aber im Zusammenhänge aller dieser Petita die völlige Auslösung, eine unendliche Verwirrung und ein grenzenloser Hader in den israelitischen Gemeinden gelegen ist. Man heilt die Gebrechen eines Organismus nicht dadurch, daß man diesen zerstört und zersetzt; und man weiß, daß die unbedingte Freiheit der Kirche nicht blos das Feldgeschrei der Radicalen sondern auch der Ultramontanen ist. München, 18. Februar. lPrivatmitth.) Am 11. dieses verschied hier in ihrem 18. Lebensjahre eine zu den außerordentlichsten Hoffnungen berechtigende junge Künstlerin, Frl. Bertha Eichberg, Tochter des Cantors an der Synagoge zu Stuttgart. Sie war eine Meisterin auf der Harfe und hatte bereits seit 3 Jahren in Paris und anderen großen Städten die außerordentlichsten Erfolge erlangt. Dabei war sie ebenso durch eine blendende Schönheit wie durch wahrhafte Bescheidenheit ausgezeichnet. Nach Wien zu öffentlichen Concerten eingeladen, feierte sie hier ungewöhnliche Künstlertriumphe, wurde aber vom Typhus ergriffen und vom unerbittlichen Tode hingerafst. (Näheres siehe im „Jüdischen Volksblatt.") Preußen. Berlin, 1. Februar. (B. Z.) Der — aus Gewerbetreibenden jüdischer Religion — bestehende gesellige Verein der Handwerker beging am gestrigen Tage in den glänzenden Räumlichkeiten der „Gesellschaft der Freunde" sein drittes Stiftungsfest. Die Generalversammlung gab Zeugniß davon, daß der Verein mit Ernst das vorgesteckte Ziel, Bildung und Geselligkeit durch belehrende Vorträge und gesellige Vergnügungen sowie die Gründung einer Spar- und Darlehnskasse für die Mitglieder verfolgt. Die Spar- und Darlehnskasse des Vereins hat, obwohl sie erst drei Viertel Jahre besteht, sich auf ersprießliche Weise entwickelt. Der Generalversammlung folgte ein Festmahl und ein Ball. Danzig, 15. Februar. lPrivatmitth.) Wie bekannt, verläßt Herr Rabbiner Dr. A. Stein zu Anfang des nächsten Monats seine hiesige Stellung und übernimmt das Rabbiner- und Predigtamt an der Meiselsynagoge zu Prag. Die Gemeinde des Herrn Dr. St. wollte die ihr möglichen größten Opfer bringen, um ihn zu fesseln und trifft Vorbereitungen, um sein Scheiden mit Zeichen der innigsten Anhänglichkeit zu umgeben. Demselben wurde auch in diesen Tagen eine Auszeichnung zu Theil, die auch sonst öffentliche Erwähnung verdient. — Herr Dr. St. war nämlich Mitglied der „Literaria", eines Vereins, der aus Promovirten aller Facultäten besteht. Ihm zu Ehren veranstaltete der zeitige Präses des Vereins, Herr Justizrath Marthens, eine koschere Abschiedsfete in seinem eigenen Hause. Was das heißen will, werden alle, die eine koschere Haushaltung eingerichtet haben, (denn man