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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-02-23 · Heft 9 (23.2.1864) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 9 (23.2.1864)
Date
1864-02-23
Page
Seite 136 (sequence 12)
Language
German
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136 keine Wurzel hat, an dem conservativen Elemente unter unseren Glaubensgenossen liegt oder an der instinctartigen Furcht: auch die Volksmajestät müsse irgend einen Fußschemel haben, und dieser satanische Trieb in der Menschennatur könnte sich für den Fall der Negeremancipation leicht vom Gebiete der Raren auf das der Confession werfen; soviel ist dagegen gewiß, daß die jüdische Intelligenz den Untergang des unseligen Sklaveninstituts fast durchweg mit Jubel begrüßen würde. — Was unser Gemeindeleben betrifft, so geht dasselbe seinen ruhigen Entwickelungsgang. Die früheren religiösen Parteikämpfe haben an Bitterkeit und Heftigkeit verloren und die Sache des religiösen Fortschrittes bricht sich allmählich Bahn auch innerhalb alter Gemeinden. Nichts destoweniger laboriren unsere Gemeinden an schweren Nebeln. Zuerst fehlt ihnen nicht selten — wie dies hier auch auf anderen Gebieten oft der Fall — eine solide Basis. Ob man dieser oder jener religiösen Gemeinschaft sich anschließen, ja, ob die Gesammtgemeinde diese oder jene religiöse Richtung einschlagen solle, dafür können die unbedeutendsten Veranlassungen den Ausschlag geben. So mußte erst neulich ein tüchtiger Rabbiner wenige Monate nach seiner Berufung mehrere zum Theil ihm befreundete Glieder aus seiner Gemeinde austreteu sehen, weil der eine während seiner Krankheit jvon den Gemeindegenossen nicht oft genug besucht worden, der andere sein Kind in der Religionsschule nicht freundlich genug behandelt glaubte, der dritte und vierte Anstoß nahm an der Erhöhung der Rabbinatsbesoldung bis auf zweitausend Thaler zu einer Zeit, in welcher die Theuerung sämmtlicher Lebensbedürfnisse diese Summe einem Manne mit Familie kaum ein hinreichendes Auskommen gewährt. Das Mißliche der rabbinischen Stellung bedarf unter solchen Verhältnissen keiner näheren Erivähnung. Der Krieg hat aber diese Mißlichkeit noch um vieles dadurch gesteigert, daß die häufig wiederkehrenden staatlich angeordneten Bettage nothwendigerweise Discussionen von mehr oder weniger politischer Färbung auf die Kanzel bringen, welche die politische Parteileidenschaft entflammen und dem Redner zuweilen die besten Freunde in grimmige Feinde verwandeln. Merkwürdiger noch und bezeichnender ist folgender Vorgang in einer andern Gemeinde: Man suchte durch öffentliche Ausschreibung einen reformatorisch gesinnten Rabbiner unter genauer Angabe der jährlichen Besoldung zu gewinnen. Bald liefen Bewerbungen ein von Männern verschiedener religiöser Richtungen und sehr ungleicher theologischer Befähigung. Anstatt nun den Tüchtigsten und Würdigsten zu erwählen, entschied sich die Generalversammlung unter Herabsetzung der ausgeschriebenen Besoldung für den Mindestbefähigte», noch dazu offenbar von altgläubiger Anschauung, um — die Waare wohlfeiler zu bekommen. — Das größte Uebel jedoch ist die völlige Erloschenheit der Sabbathfeier, und zwar ebensowohl bei den Orthodoxen wie Reformern. Es gilt für kein geringes Opfer, dem sabbathlichen Morgengottesdienste auch nur eine Stunde zu weihen und, auf Nadeln stehend, um den alten oder neuen Messias zu beten, sowie die Predigt anzuhören, und selbst zu diesem Opfer können sich regelmäßig nur diejenigen entschließen, welche ihren Partner im Geschäftslocale wissen. Das ist mehr als ein wunder Fleck; es ist ein Krebsschaden, der in Mark und Bein dringt und dessen Heilung durch prachtvolle Tempel, wie sie jetzt die Resormgemeinden in Cincinnati und Philadelphia errichten, schwerlich erzielt wird. Doch eines dürfen wir dem amerikanischen Israeliten mit Stolz nachrühmen: eine großartige Mildt h ä t i g k e i t. Vom new-yorker Waisenhaus haben Ihre Blätter erst vor kurzem berichtet. In Philadelphia und Cincinnati werden alljährlich mehrere Tausende von Thalern für Arme gesammelt und in Baltimore wurden erst vor wenigen Wochen bei einem Gastmahle zum Besten der jüdischen Dürftigen und eines zu errichtenden jüdischen Hospitals von etwa 300 Personen 4000 Thaler collectirt. Das ist eine Tugend, die vieles sühnt, und solange sie in unserm Stamme sich sorterbt, mögen wir wohl rufen: erb Ostindien. Poonah, im December. Wir haben vor kurzem eines Wohlthätigkeitsactes des Hrn. David Sassoon gedacht, der den Grundstein zu einem von ihm erbauten und fundirten allgemeinen Hospital gelegt. Derselbe Mann erbaut in dieser Hauptstadt vom Dekan eine Synagoge, die erste in dieser Provinz, und zwar in schönem und großartigem Stile. Der Grundstein wurde feierlich gelegt und waren bei dieser Ceremonie, die der Indian Herald ausführlich beschreibt, nicht nur die höheren Classen von Poonah zahlreich vertreten, sondern auch viele Gäste aus Bombay mit der Eisenbahn angekommen. Es mußte doch auf den tiefer Denkenden einen eigenthümlichen Eindruck machen, als hier,

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