Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-02-23 · Heft 9 (23.2.1864) · p. Seite 131

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 9 (23.2.1864)
Date
1864-02-23
Page
Seite 131 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226428--21941-3259184
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

131 Dr. Moritz Veit hatte in der Wohnung des Dahingeschiedenen und später auf dem Friedhose ein so überaus zahlreiches und den verschiedensten bürgerlichen Berufsclassen angehörendes Trauergefolge vereinigt, daß dasselbe lebhaft Zeugniß dafür gab, wie tief, wie allgemein der Heimgang des nunmehr Verewigten empfunden und betrauert ward. Den auf einem erhöhten Gestell ausgestellten, mit schwarzem Tuch behangenen, aber reich mit Kränzen geschmückten Sarg umstanden nächst den Hinterbliebenen Familienmitgliedern eine Deputation von vier Mitgliedern des Magistrats, geführt von dem Oberbürgermeister Sehdel und dem Bürgermeister Hedemann, eine solche von acht Mitgliedern der Stadtverordneten-Versammlung, geführt von dem Vorsitzenden Kochhann (die Abordnung dieser Deputationen war von den Vorsitzenden der beiden städtischen Collegien bewirkt worden, nachdem sestgestellt war, daß in der Synagoge eine Trauerfeierlichkeit nicht stattfinden würde), der Vorstand und die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in corpore, denen sich eine Deputation des Vorstandes der jüdischen Gemeinde in Breslau angeschlossen hatte, die Vorsteher der jüdischen Beerdigungsgesellschaft, die Lehrercollegien in den jüdischen Gemeindeschulen und an hervorragenden Persönlichkeiten der Fürst Bogislaw Radziwill, der frühere Oberbürgermeister l)r. Krausnick, Professor Di-. Beseler, die Mitglieder des Abgeordnetenhauses von Vincke- Olbendorf, vr. Simson, vr. Lette u. Duncker, denen sich dann die übrige große Zahl der Leidtragenden, darunter Männer der Kunst und Wissenschaft, der Literatur, sowie des Handels und Gewerbstandes anschlossen. Unter lautloser Stille ergriff demnächst der Rabbiner vr. Joel aus Breslau, welcher von dem Vorstände der jüdischen Gemeinde zu der Beerdigungsfeierlichkeit besonders hierher berufen war, das Wort. Tief bewegt gab derselbe zunächst seiner eigenen Trauer über die Schwere der Aufgabe, die ihm zugefallen, Ausdruck. Nachdem er erst vor wenigen Tagen an dem Sarge des dahingeschiedenen Predigers vr. Sachs geredet, stehe er jetzt schon wieder vor der Bahre eines Mannes von so hervorragenden glänzenden Eigenschaften, daß dessen Verlust ein fast unersetzlicher sei. Wer dem Dahingeschicdenen in das geistvolle Antlitz gesehen, der habe einen Menschen in des Wortes schönster und edelster Bedeutung gesehen. Dann anknüpfend an die Worte aus dem Psalme Davids: „Leid ist es uns um Dich, unser Bruder, denn so lieb warst Du uns", führte der Redner dann in lebendiger und tief ergreifender Weise aus, daß, während es sonst bei einem Verstorbenen schwer halte, die Sphären zu suchen, wo er sich im Leben nützlich gezeigt, hier die Sphären gesucht werden müßten, wo der Verewigte nicht nützlich gewesen. Sowohl als Staatsbürger wie als Stadtbürger, wie als Glied der jüdischen Glaubensgenossenschaft und in seinem geschäftlichen Berufe habe er sich die Lorbeeren eines wahren Menschen errungen. Das letzte Werk seiner literarischen Wirksamkeit sei ein Werk über das Leben Gabriel Rieß er's gewesen, und wer könne jetzt diese Schrift wohl lesen, ohne darin das Leben Veit's wiederzufinden. Man werde es bei ihm chem Redner) als jüdischem Geistlichen natürlich finden, wenn er besonders die Eigenschaften des Verstorbenen als Glied der Judenheit hervorhebe. Nicht sei es sein Beruf, die Wahrheit seiner politischen und religiösen Principien zu vertheigen, denn die Wahrheit stehe bei Gott. Reden wolle er hier nur von der Wahrhaftigkeit seiner Gesinnungen und seines Handelns, durch die sein ganzes Leben dazu geeignet gewesen, bas Vorurtheil gegen die Judenheit zu zerstreuen, wie man ihn stets kampfbereit gefunden, wenn die Judenheit ihres Glaubens wegen angefeindet worden. Nicht um ihn möge man denn weinen, der so vielen beneidenswerth gestorben, sondern um den schweren Verlust, den die Menschheit, den die Judenschaft durch seinen Tod erlitten. Sei es ihm auch nicht vergönnt gewesen, Erben seines Namens zu hinterlassen, so sei das schönste Erbtheil von ihm doch seine Siege für Recht und Wahrheit und so möge denn das Vorbild des Verklärten zur Nacheiferung anspornen. — Nachdem der Redner geendet, wurde der Sarg in den Leichenwagen gehoben, den die Mitglieder des Vorstandes und des Repräsentantencollegiums der jüdischen Gemeinde alsdann geleiteten und dem sich dann das zahlreiche Leichengefolgc theils zu Fuß (darunter auch die Schüler der jüd. Gemeinde-Knabenschule, sowie Waisenhauszöglinge) theils zu Wagen anschloß. Im kölnischen Rathhause hatten sich inzwischen die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung in corpore versammelt, und als der Leichenzug hier anlangte, schlossen sich diese an denselben zu Wagen an. Auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde angekommen, wurde der Sarg nach der schwarz drapirten und mit Kerzen erleuchteten Halle getragen, wo der Rabbiner vr. Joel noch die Leiche mit einem Gebete einsegnete. Der Vorsitzende der Stadtverordneten-Versammlung Koch Hann

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.