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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-02-23 · Heft 9 (23.2.1864) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 9 (23.2.1864)
Date
1864-02-23
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 ger Freude begrüßen wir jedes Talent, das in der aufstrebenden Jugend sich offenbart. Auch ist es jetzt eine Zeit, in welcher niemand klagen darf, daß ihm die Mittel und Wege fehlen, um mit tüchtigen Leistungen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und sich Anerkennung zu erwerben. Wer, der Fähigkeit besitzt und Werthvolles schafft, kann jetzt nicht in der jüdischen Presse, durch das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur, auf der Kanzel und in vielfach anderer Weise sich durch eine einzige That, durch ein einziges Werk schnell allgemeinen Ruf erwerben? Aber forschen wir nach den Männern des jüngern Geschlechts, welche sich geeignet erwiesen, die Arbeit der Dahingegangenen zu übernehmen und fortzusetzen, so kehrt unser Blick schmerzlich enttäuscht zurück. Noch besitzen wir zwar eine Reihe von Männern, welche mit Erfolg und in unermüdlicher Thätigkeit den wohlerworbenen Namen allen Unternehmungen im Interesse des Judenthums hinzutragen, aber sie sind alle mit geringer Ausnahme schon über die Höhe des Lebens hinaus und wer mit und nach ihnen die Last des öffentlichen Wirkens und allgemeinen Schaffens auf die jüngeren Schultern nehmen werde, ist nicht ersichtlich. Wir wissen wohl, daß es thöricht ist, an der Zukunft Zweifel zu hegen und der göttlichen Vorsehung nicht zuversichtlich zu vertrauen, daß sie für ein begonnenes Werk zur rechten Zeit neue tüchtige Werkmeister erwecken werde. Aber wenn man um sich so viele bewährte Mitkämpfer vom Schauplatze abtreten sieht, so ist die bange Frage nicht zu verdenken nach denen, welche die Arbeit ihres Lebens mit günstigen Resultaten fortsetzen sollen. Wohl ist es uns bewußt, daß eine schöne Zahl Jünger in Synagoge und Schule zu wirken begonnen hat, und wenn wir auch mit der Richtung, welche manche derselben Anschlägen wollten, nicht ganz einverstanden sind, so kümmert uns dies wenig; denn ein jeder soll schaffen auf seine Art, und die Zeit ist es, welche klärt und sichtet, das Unreife reift und das Schädliche beseitigt. Aber es ist gewiß keine Tadelsucht, wenn wir noch nirgends hervorragende Geister, entschiedene Talente, Männer, die mit Sicherheit eine große Zukunft versprechen, unter ihnen zu erblicken vermögen. Und wenn wir auch wohl wissen, daß die Zeit in ihrer Breite noch viel mehr der mittelmäßigen Kräfte zu angemessener Befriedigung der örtlichen Bedürfnisse nöthig hat, so darf es doch niemals an hervortretenden Führern, an tonangebenden Leitern fehlen, welche durch neue und großartige Schöpfungen auf das ganze Geschlecht Leben weckend zu wirken vermögen. Wenn nun schon seit langer Zeit die Richtung im Judenthume, welche sich die orthodoxe nennt, ganz ohne bedeutende Capacitäten war und ist, die sich mit den Koryphäen früherer Zeiten zu vergleichen wagen könnten, so wäre es um so bedauerlicher, wenn es auch der fortschreitenden Richtung, deren Basis die Entwickelung des Judenthums auf dem historischen Boden und deren Tendenz die Durcharbeitung und Festigung des Judenthums im allgemeinen Culturleben ist, in Zukunft an tüchtigen Vertretern und genialen Arbeitern fehlen sollte. Diese Betrachtung kann den Schmerz um die von uns Geschiedenen nur verschärfen; aber sie muß auch eine ernste Mahnung an alle jüngeren Glieder unserer Genossenschaft sein, ihre Kräfte zu sammeln, ihr Streben zu erhöhen, ihr Ziel nicht blos in der Erlangung einträglicher Aemter und Würden zu finden, ihre Selbstüberschätzung abzuschütteln und im Gedächtniß der großen Vorkämpfer, die wir verloren haben, sich von dem Vorsatze begeistern zu lassen, würdige Nachfolger zu werden und die Verluste, die wir erlitten, vergessen zu machen. Spenden-Liste für die Rießer - Stiftung I > zur monumentalen Herausgabe der Schriften Rießer's, 2) zur Unterstützung solcher Israeliten, die Gerichtsassessoren oder zu Gymnasial- und Universitäts- Lehrämtern befähigt, aber ihrer Religion wegen nicht angestellt sind. 1082) Rabbiner l)r. Joel in Krotoschirr gesammelt 15 Thlr. 1083) Banquier Hayum Wolfskehl in Darmstadt 3 fl. 30 kr. 1084) Weinhändler I. Wolf daselbst 1 ft.; zusammen 17 Thlr. 17 Sgr. — Gesammtsumme: 1917 Thlr. l l Sgr. —Pf. Die Redaktion. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, im Januar. . iPrivatmitth.) Ungeachtet des militärischen und kriegslustigen Treibens, bei welchem Hamburg in erster Linie des öffentlichen und

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