Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 9 (23.2.1864)
- Date
- 1864-02-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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28*J$a|tgang. Allgemeine Zeitung des Zudenthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herau-gegeben von Rabbiner I)r. Ludwig PhilippsvN in Bonn. Leipzig, den 23. Februar 1864. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstags, in ls/2 bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Tklr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22'/r Ngr. Inserate werden mit 1^/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Betlagegebühren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für Bogen 3 Thlr., für V* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zcitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt- Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs^Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Eine wehmuthsvotte Betrachtung. — Spenden - Liste für die Rießer-Stiftung. — Zeitungsnachrichten r Deutschland: Hamburg, Hamburg. Preußen: Berlin, Berlin. Oesterreichischer Kaiserftaat: Wien, Wien, Krakau, Prag, Pesth. Frankreich: Bayonne. D onaufürftenthüm er: Botoschan. Rußland: Warschau. Palästina: Jerusalem. Amerika: Vom Delaware. Ostindien: Poonah. Leitende 2lttt¥el* Bonn, 14. Februar. Eine wehmuthsvollc Betrachtung. Zu schwer und bedeutsam sind die Verluste, welche uns die letzte Zeit durch den Tod verdienstvoller Männer gebracht hat, als daß wir nicht einen Augenblick dabei stehen bleiben und einige Betrachtungen anstellen sollten. In den letzten Jahren, besonders aber in den verflossenen Monaten sind so viele Autoritäten, so viele Männer von Charakter, Wirksamkeit und Verdienst heimgegangen, so viele, die nach außen mit nachhaltigsten Erfolgen das Judenthum vertraten und für die Glaubensfreiheit „eine freie Gasse" erstritten, und so viele, welche für seinen innern Ausbau, für seinen Uebergang in das allgemeine Culturleben und seine wissenschaftliche Bearbeitung so Großes geleistet, daß wir tief betroffen, ja erschüttert an den zahlreichen theuren Gräbern stehen. Wir brauchen nur die Namen Jost, Holdheim, Beer, Rießer, Salomon, Arnheim, Saalschütz, Sachs, Veit zu nennen, um den vollen Inhalt unserer Klage und Trauer begreiflich zu machen. Welche Erinnerungen einer glänzenden Zeit neuen Aufschwungs und großer Erfolge knüpfen sich an diese Namen! Die neue wissenschaftliche Bahn, welche das Judenthum beschritten, die jüdische Homiletik und die gottesdienstliche Umgestaltung, der Kampf um Glaubens- und Gewissensfreiheit, die Mitwirkung im politischen Ringen unserer Zeit seitens der Juden, die Vertretung und Verkündigung der Humanität und wahren Bildung, die unerschütterliche Glaubenstreue und Ueberzeugungsfestigkeit, die ernsteste Entwickelung des Judenthums in seiner Vereinigung mit classischer Bildung: dies alles knüpft sich an die Manner, denen wir jetzt nur noch eine innige Betrauerung und ein dauerndes Gedächtniß widmen können. Ihr Leben und Wirken ist abgeschlossen, aber von deren Früchten wird noch eine lange folgende Zeit zu zehren haben. Doch von diesen Grüften hinweg richtet sich unser Blick auf uns und die Frage tritt an uns heran: Wo ist ein genügender Ersatz uns geboten? Wer tritt an die Stelle der Gefallenen in die Vorderreihe? Wer füllet die großen Lücken aus, die unter uns entstanden sind? — — Wir sind uns bewußt, niemals die bloßen „Lobredner der Vergangenheit" gewesen zu sein; mit aufrichti-