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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-02-16 · Heft 8 (16.2.1864) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 8 (16.2.1864)
Date
1864-02-16
Page
Seite 116 (sequence 8)
Language
German
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116 hier und Umgegend, mit dem Consistorium an der Spitze, sämmtliche Schullehrer aller Confessionen von hier und sehr viele Lehrer aller Confessionen der Umgegend, die Advocaten, Notare, eine Menge höherer und niederer Ofsiciere, welche sämmtlich im Leichenzuge gingen nach dem 'h Stunde entfernten Friedhofe, bezeugen die ungetheilte Achtung aller Classen, welche der Berblichene sich errungen. Eine große Menge Bürger, worunter fast sämmtliche israelitische Einwohner, fehlten natürlich ebenfalls nicht. In allen Schichten der Gesellschaft hier drückt sich die tiefe Theilnahme über sein plötzliches Hinscheiden und die hohe Achtung aus, in welcher er gestanden. Wo Israeliten in Baiern zu Staatsanstellungen gelangten, war sein Einfluß und sein Ansehen bei dem Ministerium dabei thätig: er ließ in seinem stillen Wirken nicht nach, bis er die Angelegenheiten zur Ehre seiner Glaubensgenossen durchgeführt. Für das Judenthuui und seine Gebote besaß er eine große Pietät und Verehrung. Er machte dem Judenthume Ehre. Zu bemerken habe ich vergessen, daß der hiesige Liederkranz ein Lied an seinem Grabe gesungen. Er ahnte nicht, daß er so schnell vom Schauplatze dieses Lebens abtreten müsse; sonst hätte unsere Gemeinde und viele wohlthätige Anstalten, die er beim Leben oft bedacht, auch nach seinem Tode Beweise seiner Wohlthätigkeit. Herr Dr. Arnheim war nie vermählt. Preußen. Berlin, 3. Februar. iPrivatnütth.« Dr. Michael Sachs ist nicht mehr unter den Lebenden. Zehn Tage nur war er bettlägerig, aber schon mit der Nachricht von der Erkrankung war auch die traurige Gewißheit von deren unüberwindlicher Gefahr verbunden. In seinem 50. Jahre entriß ihn am 31. Januar der Tod den Seinen und der Gemeinde, in welcher er während einer 20 jährigen Wirksamkeit eine seltene Zierde der Kanzel war. — Die Leiche wurde heute Vormittag Nach der Synagoge übergeführt und am Fuße der Kanzel ausgestellt, so daß der Sarg der Breite nach die größere Hälfte des Almcmar einnahm. Das Gotteshaus füllte sich mit Andächtigen und durch die dichtgedrängte Versammlung wehte ein Zug des Schmerzes, ein Hauch tiefer Erschütterung, die am besten Zeugniß ablegten von dem Bewußtsein des großen Verlustes, der zu beklagen ist. Um 2 Uhr begann der Chor mit einem Trauergesang, der die Feier einleitete, und nachdem der Herr Rabbinats-Assessor Rosen stein von der Kanzel herab ein hebräisches Gebet gesprochen, das die Verdienste des Verewigten und den Schmerz der Gemeinde vorführte, bestieg Herr Rabbiner Dr. Joel aus Breslau — Nachfolger von Dr. Geiger — die neben dem Sarge hergerichtete zweite Kanzel und entrollte unter Zugrundelegung der Worte Elischah's an den enteilenden Elias: „Mein Vater, mein Vater, Reiter Israels und sein Wagen", ferner im Anschluß an das Wort des Midrasch: „Wehe um die Verlorenen, die nicht vergessen werden", ein Bild von der Größe und Bedeutung des Entschlafenen. Unter dem Schlußgesang des Chors ivurde der Sarg aus dem Gotteshause in den bereitstehenden Leichenwagen gehoben, und gefolgt von der ganzen Gemeinde ging der Todte seinen letzten Weg, um in der Ehrenreihe der Rabbinen seine letzte Stätte zu finden. Vor der Beisetzung sprach Hr. Landrabbiner Dr. Meyer aus Hannover das Zadok- Hadin, der herbeigeeilt war, um dem Tobten die letzte Ehre zu erweisen. Berlin, 5. Februar. Kaum hat sich die Gruft über Sachs' Leiche geschlossen, als wir und ganz Berlin heute wiederum einen schweren Verlust erlitten. Dr. Moriz Veit, stellvertretender Vorsitzender der Stadtverordneten-Versammlung und Vorsitzender des Börsenvereins deutscher Buchhändler, ist heute früh aus dem Leben geschieden. Er war einer der treuesten Anhänger der constitutionellen (altliberalen) Partei und bekundete dies bereits 1848 im deutschen National-Parlamente, wohin ihn seine Vaterstadt Berlin als einen ihrer Abgeordneten entsandt hatte. Später vertrat er den Wahlkreis Trier in der damaligen ersten Kammer und von 1858—1801 seine Vaterstadt Berlin in dem Hause der Abgeordneten. Er war lange Jahre Stadtverordneter, auch eine Zeit lang Stadtrath (Mitglied des Magistrats), Gründer und Chef der Buchhandlung Veit und Comp., die er vor fünf Jahren verkaufte. Seine literarische Thätigkeit war umfassend und anerkannt. Fast 25 Jahre hindurch stand er auch der hiesigen jüdischen Gemeinde vor. Er ist 56 Jahre alt geworden. Sein Leichenbegängniß wird vom Saale der Stadtverordneten aus stattsinden, Magistrat und Stadtverordnete in corpore ihm das Geleit geben, —

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