Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1864)
- Date
- 1864-02-16
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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111 in den Mund gelegten Worte aus. Ganz besonders mußte daher ein Mord, dessen Thäter unbekannt, so daß der Verbrecher unbestraft geblieben, eine solche Befleckung, insonders der umliegenden Gegend sein. So sollte keine Art von Mord ohne Folgen sein: der vorsätzliche Mord wurde mit dem Tode, der unvorsätzliche mit der Jnternirung in der Freistadt bis zu des Hohen Priesters Tode, der unbekannte mit dieser Sühne getilgt. Die letztere darf nicht als ein Opfer angesehen werden, denn es wird weder ein Ausdruck, der Opfer bedeutet, hier gebraucht, noch die Kuh geschlachtet, von ihr gesprengt und verbrannt.*) Auch war ein Opfer nicht nöthig, da die Betheiligten ja schuldlos waren. Vielmehr bestand der Act aus drei Theilen. Zuerst wurde der Kuh das Genick gebrochen, womit symbolisch dargethan wurde: so würde dem Mörder geschehen, wenn er gefunden würde, so daß die Unbestraftheit des Mörders Israel nicht zugerechnet werden könne. Dann wuschen die Aeltesten ihre Hände über der Kuh, der das Genick gebrochen, die Aeltesten in der Vertretung des Volkes, wodurch die Unschuld Israels an der That und diese als von ihm ver» abscheut erklärt wurde (Psalm 26, 6.: „Ich wasche in Unschuld meine Hände"). Hierauf folgte das Gebet, wodurch dies noch ausdrücklich geschah, im Bewußtsein des Volkes völlig klar gemacht und das durch den Mord gestörte Verhältniß Israels zu Gott wiederhergestellt wurde. Die nächste Stadt mußte dies^vollziehen, als zunächst an der Strafbarkeit des Mordes betheiligt, in einem immerfließenden Bache, um die Blutschuld völlig davonzutragen und jede Spur zu verwischen, wohingegen das am Erdboden haftende Blut noch Zeugniß der That geblieben wäre (vgl. 1 Mos. 4, 10.). Daß der etwa später gefundene Mörder durch diesen Act nicht straflos gemacht, sondern dennoch hingerichtet wurde, ziehen die traditionellen Erklärer aus Vers 9. Aus diesem Gesichtspunkte heraus mußte die ganze Handlung eine höchst imponirende, das Gewissen des Volkes schärfende und die Herzen erschütternde sein, während sie bei dem bloßen Motive, die Veröffentlichung der Thal und die Entdeckung des Mörders zu fördern, zum größten Theile ohne Sinn und nur lästig erscheinen mußte. Ganz besonders entwickelt Maimonides Scharfsinn und Einsicht in den beiden folgenden Abschnitten (41 und 42), wo er das Detail des Strafrechts und die *) Nach der Tradition wurde die Kuh begraben. Ramb. a. a. O. §. 6. Verordnungen über Mein und Dein ausführlich erörtert und die Motive mit reichem Geiste aufstellt. Wir wollen ihm hierin nicht folgen und nur eine Bemerkung hinzufügen. Im Erbrechte begründete er das Vorrecht eines doppelten Erbtheils für den ältesten Sohn: „weil dessen kindliche Liebe zum Vater die erste war" (irariN'tf n»-np), eine eigentümliche Begründung, die der Erklärung der Schrift selbst ins rrxfin „dem Erstling seiner Kraft" nicht entspricht, die um so weniger aufzugeben wäre, weil diese Worte constant “tim begleiten, s. I Mos. 49, 3. 5 Mos. 21, 17. Pf. 78, 51. 105, 36. Allein die Schrift wollte hiermit nur dieses Vorrecht als rechtmäßig erklären und mehr, wenn auch anders, thut auch die Deutung des Maimonides nicht. Die Frage nach dem Zwecke dieses Vorrechts ist damit noch nicht beantwortet. Wir finden vielmehr diesen in der Neigung, den ältesten Sohn, als späteren Stellvertreter des Vaters, in und außer der Familie mit einem besondern Ansehen und größerer Macht zu bekleiden, in der Absicht, ihn zu einer Säule des ganzen Geschlechts zu machen und ihm die Mittel zu geben, den jüngeren Geschwistern in Fällen der Roth besser beistehen zu können. Es stimmt dies dann mit dem Bestreben, die Familienhäuser fester zu eonserviren und die Zusammengehörigkeit der Glieder zu consolidiren, überein! Ein weiteres Gebiet der Kritik eröffnet sich uns nun wieder in den folgenden Abschnitten. Zerstreute Bemerkungen. Als wir jüngst die Nachricht aus Dunedin in Neuseeland erhielten, daß die Israeliten, die dort eingewandert, sich mit großen Opfern eine Synagoge bauen, nachdem sie die Herbstfeste im Locale der Freimaurerloge gefeiert, fiel es uns ein, wie irrig und thöricht die vor einigen Jahren mit so vielem Geräusch vorgetragene Behauptung eines deutschen Schriftstellers jüdischen Glaubens gewesen, daß das Judenthum sich nicht länger erhalten könne, wenn nicht eine große Colonie Juden in Palästina, am Suezcanal oder am Euphrat gegründet würde! Täglich kommen die thatsächlichsten Beweise vor, welche Lebenskraft der jüdische Stamm und wie unvermindert noch heute besitzt, wie jedes Splitterchen dieses Stammes, in den fernsten und fremdesten Boden gesteckt, mit außerordentlicher Triebkraft Wurzeln schlägt und em- 8*