Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-02-09 · Heft 7 (9.2.1864) · p. Seite 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 7 (9.2.1864)
Date
1864-02-09
Page
Seite 103 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226426--21911-3259152
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

103 net. Zu den erwähnten durch die Offenbarung tradirten Glaubenswahrheiten gehört die unerschütterliche Zuversicht auf die einstige Ankunft eines persönlichen Messias aus dem Stamme Davids, weshalb die Abrogation jenes Glaubens als Leugnung der an Israel ergangenen göttlichen Offenbarung betrachtet werden muß. Wer nach den talmudischen Schriften, in denen der Gesammtinhalt der mündlichen Lehre enthalten ist, und nach den auf denselben beruhenden religionsgesetzlichen Werken lebt, ist orthodox und kann nur in einem solchen Gemeindeleben seine Beruhigung finden, in welchem die Möglichkeit der genauen Beobachtung des jüdischen Religionsgesetzes verbürgt ist. Diese Kundgebung hielten die Gefertigten für dringende Nothwendigkeit, um den Mißverständnissen, welche durch die bei jenem Preßprozesse vorgekommenen Aeußerungen entstehen könnten, möglichst schnell entgegenzutreten. C o p i a. Ew. Ehrwürden übersende im Obigen den Entwurf zu einer höchst dringenden Veröffentlichung. Dieselbe wurde vorläufig von dem Gefertigten in Berathung mit mehreren bedeutenden Rabbinen aus der Nähe entworfen und wird diese Erklärung sobald als möglich, mit möglichst vielen Unterschriften versehen, veröffentlicht werden. Sie werden daher ersucht, Ihre unzweifelhafte Zustimmung dem Gefertigten umgehend zuzusenden. (L. 8.) Dr. Israel Hildesheim, Rabbiner zu Eisenstadt. Prag, 24. Januar. (Privatmitth.) Seit längerer Zeit findet sich in der Allg. Zeitg. d. Jud. kein Bericht von hier. Freilich hat sich seitdem nichts so Außerordentliches ereignet, das der Mittheilung Werth gewesen wäre; denn wenn in einer Gemeinde seit bereits drei Decennien ein geregelter Gottesdienst mit deutscher Predigt, Choralgesang rc. besteht — da ist es nicht mehr auffallend, wenn nach und nach auch diese und jene Synagoge dem accreditirtcn „Tempel" zu folgen einen Anlauf nimmt. Klatschereien und unwürdige Angriffe auf verdienstvolle und allgemein anerkannte Männer, deren ganzes Vergehen darin besteht, daß sie auf gewisse Winkel-Blätter nicht abonniren und noch weniger für solche Beiträge liefern wollen — dergleichen unwürdige Angriffe überlassen Sie lieber jenen obscuren, wenig gelesenen und noch weniger geachteten Winkelblättern, die nur durch Klatschereien ihre ohnehin traurige Existenz kümmerlich ftisten. — Uebrigens werde ich bald Gelegenheit haben, Ihnen betreffs unseres Tempels eine sehr erfreuliche Mittheilung zu machen. Gr.-Becökerek, 25. Januar. (Privatmitth.) Nichts verbrüdert und verbindet gewöhnlich die Menschen so innig mit den zartesten Banden der Nächstenliebe als allgemeine Unglücksfälle und Leiden. Noth und Elend waren es stets, die allen Hader, Zwiespalt, alle noch so schroffen Gegensätze gänzlich verdrängten und zur Eintracht und brüderlichen Theilnahme eindringlich ermahnten und aufforderten. Auch gegenwärtig, wo die Vorsehung unser theures Vaterland mit einer schweren Calamität heimgesucht, können wir die erfreuliche Erscheinung überall wahrnehmen, wie von allen Seiten und von allen Classen und Schichten der Bevölkerung ohne Unterschied der Religion und Nation die schönsten Beispiele von Edelmuth und Barmherzigkeit wetteifernd sich kundgeben, und wie der Genius der Menschenliebe in seinem edelsten Strahlenglanze an allen Orten hervortritt. Traurig ist es aber, wenn sogar das allgemeine Unglück dazu gemißbraucht wird, die tiefe Kluft, die leider nur zu oft durch die Verschiedenheit der Nationalität und Religion den Bruder vom Bruder gewaltsam trennt, noch mehr zu erweitern. Unverzeihlich ist es aber, wenn dies von einer hochgestellten Person ausgeht, deren vorzügliche Aufgabe und hoher Beruf es ist, allgemeine Versöhnung zu stiften und zur gegenseitigen Hilfeleistung zu ermuntern. — Die hohe Regierung, deren wahrhaft väterliche Fürsorge für die Nothleidenden in Ungarn in so eclatanter Weise sich fortwährend kundthut, hat abermals einen königl. Commissar in das torontaler Comitat abgesendet, um die erforderlichen Erhebungen in Betreff der Nothlage zu pflegen und die etwaigen nöthigen Schritte zu veranlassen. Wie aber der königl. Commissar Herr von Petrovics seine wichtige Mission auffaßt, davon dürfte folgende Probe am besten zeugen. Sonntag, den 15. dies, kam nämlich der genannte H. k. Commissar hier an und der hiesige Magistrat machte demselben gleich bei dessen Ankunft in corpore seine Aufwartung. Bei dieser Präsentation erstattete der Herr Stadtrichter einen kurzen Bericht über die hierortigen Zustände, über die Maßregeln, die bereits zur Abhilfe der Noth ge- 7 **

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.