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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-02-09 · Heft 7 (9.2.1864) · p. Seite 102

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 7 (9.2.1864)
Date
1864-02-09
Page
Seite 102 (sequence 10)
Language
German
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102 deutsche evangelische Geistliche offen für die nationale Bewegung zu Gunsten der Herzogthümer ausgesprochen, während die Kreuzzeitung diese täglich als die verdammungswürdigste Revolution brandmarkt. Soeben ist nun eine von Dr. theol. Eberhardt in Erlangen verfaßte^ Brochüre erschienen: „Wider die Kreuzzeitung. An die schristgläubigen evangelischen Geistlichen Preußens", welche diesen zum Schluffe zuruft: „Liefert dem Volke den Beweis, daß das bibelglänbige Christenthum kein Werkzeug der Polizei und auch kein Deckmantel der Bosheit ist, und daß Christenthum und Kreuzzeitung entgegengesetzte Dinge sind! Das walte Gott. Amen." Auch wir wünschen es, daß die preußischen Geistlichen endlich dahinter kommen, was sie freilich schon längst hätten ersehen können, wenn sie hätten sehen wollen. — Soeben erscheint auch ein sehr bitterer Protest der theologischen Facultät zu Kiel gegen die „Kreuzzeitung", der diese der „Revolution von oben" beschuldigt. Schade, daß erst die eigene Sache zu dieser Erkenntniß führt — während das Spiel gegen andere, z. B. die Juden gern gesehen wurde. Aber — heute mir, morgen dir! Wer das Unrecht begünstigt, muß es zuletzt gegen sich selbst gerichtet sehen. — Berlin, 25. Januar. (Privatmitth.) In der hiesigen Haupt-Synagoge wurden gestern wiederum drei Brautpaare getraut, die die Friedrich-Wilhelms-Victoria- Stiftung ausstattete. Wegen Erkrankung des vr. Sachs hatte der Prediger vr. Landsberger die Paare eingesegnet. Die Feier hat einen überaus günstigen Eindruck auf die dichtgedrängte Zuhörerschaft gemacht. Jedes Paar empfing aus den Händen des Predigers ein Gebetbuch, das er im Namen Ihrer königlichen Hoheit der Kronprinzessin von Preußen als Angebinde von derselben zu überreichen hatte. — Ferner ist aus der hiesigen jüdischen Gemeinde zu berichten, daß heute die irdischen Ueberreste des Stifters und Directors des hiesigen jüdischen Waisenhauses, Herrn vr.Baruch Auerbachs, zu Grabe getragen wurden. Nach einer kurzen gottesdienstlichen Feier in der schönen Haus-Synagoge der Anstalt bewegte sich ein Leichenzug nach dem jüdischen Friedhofe, wie ihn seit dem Tode Alexander v. Humboldts die Oranienburgerstraße nicht wieder gesehen. — Der Verstorbene war 1793 in Jnowraclaw, wo sein Vater Rabbiner war, geboren. Mit vollendetem 13. Jahre kam er nach Berlin, woselbst er unter Mangel und Entbehrungen seine wissenschaftliche Laufbahn begann und vollendete. 22 Jahre war er Dirigent der hiesigen Gemeinde-Knabenschule, eine Zeit lang Hausvater des Nauen'schen Stifts. — 1833 faßte er die große, hochherzige Idee der Errichtung eines Waisenhauses, eine Idee, der er sein ganzes Leben widmete und die er bis zu einer nie geahnten Größe verwirklicht hat. — Unbeschreiblich rührend war der Anblick der zahlreichen Kleinen, die, in einem langen Zuge zu Fuß dem Sarge folgend, zum zweiten Male verwaist, tausend Thränen kindlichen Schmerzes vergossen. Der Sohn des Verstorbenen, ein noch sehr junger Mann, übernimmt die Leitung der Anstalt und wir wünschen ihm Kraft und Glück, das große Werk des Vaters in seiner Blüthe zu erhalten. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Auö Ungarn, 25. Januar. (Privatmitth.) Die Redaction hatte in voriger Nummer nach einer wiener Correspondenz und einer Mittheilung in der „Presse" auf die Rüstungen aufmerksam gemacht, welche von einigen bekannten Fanatikern in Ungarn bezüglich des Kompert'schen Prozesses zu einem Feldzuge gegen die Einheit des Judenthums vorgenommen werden sollten. Jetzt, nachdem uns in diesen Tagen der Schleier von diesen mysteriös angezeigten Ex-cutionen und Occupationen gelüftet worden und es sich zeigt, daß das Ganze in einem von Rabbiner vr. Hildesheim in Eisenstadt abgefaßten und ausgegangenen Rundschreiben besteht, für welches die Unterschriften von Rabbinen gesucht werden und das ebenso oberflächlich wie wenigsagend ist, thut es uns leid, nur so viele Worte darüber verloren zu haben. Die einfache Mittheilung des Schriftstückes wird genügen, um die Unwichtigkcit des ganzen Vorgangs zu Tage zu legen. Es lautet: „Infolge der von dem hohen k. k. Gerichtshöfe in Wien am 39. v. M. bei Gelegenheit eines Preßprozesses vorgckommenen Aeußerungen, die unter allen gläubigen Israeliten große Betrübniß und eine tiefe Bewegung Hervorrufen mußten, sehen sich die Gefertigten verpflichtet, Folgendes zu erklären: Das Judenthum besteht ans den in der schriftlichen und mündlichen Lehre von Gott uns mitgetheilten Gesetzen und Glaubenswahrheiten; wer irgend eine dieser Pflichten und Glaubenswahrheiten negirt, steht demjenigen gleich, der die ganze sinaitsche Offenbarung lmg.

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