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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-02-09 · Heft 7 (9.2.1864) · p. Seite 101

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 7 (9.2.1864)
Date
1864-02-09
Page
Seite 101 (sequence 9)
Language
German
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101 lautbar, wie im „Correspondenten von und für Deutschland", als wollten sie den Schleswig-Holsteiner« „ob ihrer Intoleranz gegen jene in der entscheidenden Stunde die Hilfe versagen." Ist dies nicht abermals curios, uns von der einen Seite als die Wühler zu Gunsten der Schleswig-Holsteiner und von der andern Seite als hartherziger Theilnahmlosigkeit für dieselben Schleswig-Holsteiner schuldig, von der einen Seite als für die nationale Bewegung begeistert, von der andern Seite als für sie gleichgiltig hingestellt zu sehen?! Es versteht sich von selbst, daß ebensowenig der „C> v. u. f. D." wie die „Kreuzzeitung" für ihre Behauptungen auch nur den entferntesten factischen Grund oder Erweis heranzubringen vermögen oder nur versuchen. Es gilt eben nur immer „den Juden zu verbrennen". Die einen wollen die nationale Bewegung beschimpfen und sagen daher, sie rühre von den Juden her; die andern wollen die Schwäche der deutschen Bewegung entschuldigen und bemänteln und schieben sie daher auf die Juden. Auch hier liegt die Wahrheit in der Mitte, und die Juden beeifern sich an dieser ganzen Angelegenheit gerade in dem Maße wie alle andere Deutsche. Gegen jene Behauptung des „C. v. u. f. D." trat in der in Ansbach erscheinenden „Fränkischen Zeitung" No. 20 und 21 ein Correspondent (wenn wir nicht irren Herr Lehrer Krämer in Altenmuhr) auf und entwaffnete jene in klarster und entschiedenster Weise. Er führte mehrere geschichtliche Beispiele aus der neueren Zeit an, wo Juden gerade gegen Städte und Personen, die sich kurz vorher aufs gehässigste gegen sie betragen hatten, eine echte Bruderliebe bethätigten, z. B.: Als man in den dreißiger Jahren im Königreich Sachsen anfing, den Juden einen Rechtsboden zu schaffen und das bisher nur in Leipzig und Dresden ihnen gestattete Niederlassungsrecht in andern Städten gesetzlich einzuräumen, da war es unter andern vornehmlich die Stadt Annaberg, welche in ihrer Petition an die Kammer Gift und Galle dagegen spie. Als dieselbe bald darauf von einer großen Feuersbrunst heimgesucht worden war, waren es die Juden sächsischer und auswärtiger Städte, welche eine ansehnliche Summe für sie collectirten. Er fragt weiterhin, ob etwa das, was jetzt geschieht, um Unrecht und Uebermuth in Schleswig triumphiren zu lassen, von Juden ausgehe, und schließt: „Damit dies jedoch mit Gottes Hilfe nicht geschehe, setzen auch wir mit unser» deutschen Brüdern und auf ganz gleiche Weise Gut und Blut daran. Wir steuern zu dm Sammlungen, unsere Federn schreiben und unsere Zungen reden für das Recht, und wenn es gilt, werden auch unsere Söhne dafür kämpfen und nicht irren wird uns das Geschrei der preußischen Feudalen, daß die „Juden und Demokraten" die schleswig-holsteinische Frage angeregt haben und die dermalige Bewegung unterhalten und ausbeuten wollen. — Dem entgegenstehende Ansichten möge als die eines Einzelnen der im gedachten Artikel gemachte Borwurf, einen Borwand zur Versagung der Hilfe zu suchen oder nicht zu wissen, was man thue, mit Recht treffen; den Israeliten im allgemeinen kann er mit Recht nimmermehr gemacht werden, solange nicht eine Gesammtheit von ihnen, etwa eine kirchliche Behörde oder eine Gemeinde, oder ein speciell jüdisches Blatt, oder auch nur irgend ein oder das andere von Juden ausschließlich geschriebenes politisches Blatt grundsätzlich den schleswig-holsteinischen Brüdern die Hilfe darum versagt wissen will, weil dessen Vertreter oder das Volk überhaupt intolerant gegen Juden waren oder noch sind. Bon allem diesen ist auch unseres Wissens bisher nichts geschehen und wird auch nichts geschehen. Das ist des Pudels Kern! — Darum dürfen wir auch den leisesten Vorwurf, besonders in aufgeregter Zeit, nicht auf uns sitzen lassen, und darum rufen wir dem Verfasser jenes Artikels und anderen deutschen Männern laut und öffentlich die talmudische Sentenz zu: „Ihr Weisen, nehmet euch mit euren Worten wohl in Acht!" Preußen. Bonn, 26. Januar. (Privatmitth.) Bekanntlich hält die „Kreuzzeitung" allen ihren feudalen und reactionären Expectorationen die Larve des Pietismus vor und mischt allem ihrem Hoch- und Uebermuth ein Körnlein pietistischer Demuth, allen ihren so oft falschen Angriffen, so oft erdichteten Insinuationen einige Drachmen Frömmigkeit und Gläubigkeit bei, weshalb sie auch die große Mehrheit der preußischen Geistlichen aus ihrer Seite hat. Endlich aber muß doch in einem großen Stande die Wahrheit und das Rechtsgefühl erwachen und der klaffende Widerspruch zwischen aller wahrhaft gemeinten Religiosität und der Frömmelei einer Wuth und Rache schnaubenden Partei selbst den Geistlichen zum Bewußtsein kommen. Diesen Bruch bringt namentlich die schleswig-holsteinische Angelegenheit zum Vorschein. Es haben sich bekanntlich viele 7

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