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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-02-02 · Heft 6 (2.2.1864) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 6 (2.2.1864)
Date
1864-02-02
Page
Seite 88 (sequence 12)
Language
German
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88 Amerika. New-Aork, 4. Januar. (Privatmitth.) Das Judenthum hat schon mit seiner Lehre vom Ursprünge aller Menschen aus einem Menschenpaare und dann durch sein Gesetz die Einheit des Menschengeschlechtes und die bürgerliche Gleichstellung aller proclamirt, und die Allg. Zeitg. d. Jud. hat daher zu jeder Zeit die Solidarität aller für die Gleichberechtigung und die Gewissensfreiheit nach allen Richtungen anerkannt und stets die Meinung vertreten, daß diese Principien erst dann völlig gesichert sein werden, wenn sie nirgends und in keiner Beziehung mehr eine Ausnahme erleiden. Es wird daher ganz am Orte sein, wenn sie folgende Correspondenz reproducirt: „Das Jahr 1864, welches das Kriegsglück hoffentlich zum Jahre der vollständigen Emancipation und der Wiederherstellung der Union machen wird, hat mit einem Ereignisse begonnen, das als bedeutungsvolles Zeichen einer neuen Epoche erwähnt werden darf. Am Neujahrstage empfing der Präsident der Bereinigten Staaten nicht nur die Vertreter der fürstlichen Häuser und der Länder weißer Bevölkerung, sondern auch einige Vertreter der schwarzen, der bisher nicht als ganz dem Menschengeschlechte angehörig betrachteten Raxe. Fünf Farbige drückten zum Neujahröwunsche die Hand des höchsten Beamten der großen Republik. Es ist dies so zu sagen eine amtliche Erklärung der großen Revolution, welche in der neuen Welt die Civilisation der alten fortsetzt. Am ersten Tage des vergangenen Jahres würde dieser Act des Präsidenten einen Schrei der Entrüstung bei der Mehrheit der Nation hervorgerufen haben, auch die Bessergesinnten würden ihn als unstatthaft mißbilligt haben, nur die geringe Zahl der unbedingten Negerfreunde hätte ihn gut geheißen. Jetzt geschah dies, ohne daß selbst die Oppositions-Presse mit heftigem Tadel davon spricht, und die Mehrheit des Volkes findet es schon ganz natürlich. So rasch ist die öffentliche Meinung fortgeschritten. Auch die Stimmung in Bezug auf die Zukunft ist allgemein eine so gehobene, daß selbst die feindlichsten Gegner der Regierung es nicht mehr wagen, das Resultat des Kampfes ernstlich in Zweifel zu ziehen. Die absolutesten Freunde des Südens verlangen jetzt nicht mehr den Frieden als das einzige Mittel, einem verderblichen, hoffnungslosen Kriege ein Ende zu machen, sondern, weil sie dafür halten, daß der Feind gedemüthigt genug sei, um dem Norden das Entgegenkommen ehrenvoll zu machen. Den Erfolgen der letzten sechs Monate gegenüber wagt es die Oppositions-Presse nicht mehr, die Regierung der gänzlichen Unfähigkeit anzuklagen. Die Rehabilitation der Farbigen macht Riesenschritte. Der Neujahrstag gab davon noch andere Beweise. In Norfolk und hier in New-Iork feierten die Farbigen diesen Tag als den Jahrestag der Emancipation durch Lincoln's erste Proclamation. Dort wohnten General Butler und sein Stab den Feierlichkeiten bei; hier nahmen mehrere der geachtetsten Bürger, nicht ursprüngliche Abolitionisten — und eine beträchtliche Anzahl von Damen an der Demonstration Theil. Palästina. Jerusalem, im December. Vor einigen Wochen, sagt der „Levant Herald“, erwähnten wir die Ankunft des Herrn De Saulceh, des französischen Gelehrten in Jerusalem, in einer halbofficiellen Mission, um die heiligen Plätze in Jerusalem zu besuchen und dem Staate Bericht darüber abzulegen. Wenn die folgende Klage, welche die Juden aus Jerusalem vergangene Woche an H. Lamondo richteten, begründet ist, so hat dieser Gelehrte seine Wanderungen in einer Weise begonnen, welche unmöglich die Zustimmung der französischen Regierung erlangen kann. „Hr. De Saulceh, ein Franzose, ist in Jerusalem angekommen. Er ist im Begriffe, die Gräber der heiligen Propheten zu plündern. Aus dem Grabe des Kelba Sebua (??) hat er den Sarkophag und die Gebeine herausgenommen, und er sagt, daß er dasselbe mit den Gräbern der andern Propheten thun wird. Man sagt, daß er einen Firman von der hohen Pforte in Händen hat. Wir bitten Sie dringend, mit Ihrem ganzen Einflüsse einzuschreiten, um die Pforte zu bewegen, seinem Verfahren sofort Einhalt zu thun." Sogleich nach Empfang dieser Nachricht theilte Herr Lamondo sie per Telegraph dem Herrn Cremieux, dem Präsidenten der Alliance israelite universelle, den Herren Baron Rothschild in London und Paris mit. Ebenso legte er sofort die Klage seiner Glaubensgenossen Fuad Pascha vor, der ohne Zögern den Befehl an den Pascha von Jerusalem telegraphirte, daß er den heiligthumsschänderischen Nachforschungen des Herrn Saulceh Einhalt thun sollte. Seine Hoheit hat auch einen „Emirnameh" über die-

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