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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-02-02 · Heft 6 (2.2.1864) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 6 (2.2.1864)
Date
1864-02-02
Page
Seite 87 (sequence 11)
Language
German
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87 betrachtet werden, daß von seiten der orthodoxen Nab« biner eine Manifestation auSgehen wird, welche bekundet, daß die obenerwähnten Aeußerungen der positiven Lehre des Judenthums ebensowenig als den thatsächlichen Zuständen entsprechen; sicherm Vernehmen nach werden über die Modalität dieser Kundgebung Berathungen gepflogen, deren Resultat binnen kurzem bekannt werden dürste." — Soweit die „Presse". Wer nun der Tonangeber dieser „ungarischen Orthodoxie" ist und welche Hebel bei einer solchen Agitation in Bewegung gesetzt werden, kann man leicht errathen, wenn man sich jener Agitation über die Mortarageschichte erinnert, von welcher Wolf, „Judentaufen" S. 165, zu erzählen weiß. Daß aber durch die oben citirte officielle Aeußerung der „Wiener Zeitung" dergleichen Agitationen in vornhinein die Spitze abgebrochen ist, kann als sicher angenommen werden. Zum Schlüsse eine erfreuliche Notiz, die in hiesigen Blättern cursirt. Der Vorstand der Judengemeinde der Stadt Friede! im k. k. Schlesien wandte sich mit einem Bittgesuche an die erzherzogliche Rentkammer in Teschen, um Verkauf einer Sr. kaiserl. Hoheit dem Erzherzog Albrecht gehörigen Grundfläche von 600 Quadratklaftern oder um pachtweise Ueberlassung dieses Grundes zum Baue einer eigenen Synagoge. Se. kaiserliche Hoheit schenkte der Judengemeinde den angesuchten Grund und ließ ihr denselben sogleich als Cigenthum übergeben. Frankreich. Paris, im Januar. (Privatmitth.) Den Arch. isr. schreibt ein Correspondent aus Konstantinopel: Der wahre Name deö großen spanischen Juden ist nicht Abarbanel, auch nicht Abravanel, sondern Avravanel. Der Beweis hierfür ist, daß es hier einen Chacham mit Namen R. Jehuda Avravanel gibt und alle Rabbinen des Orients den Namen Avravanel aussprechen. Es gibt noch andere Personen hier, welche denselben Namen tragen und wahrscheinlich aus derselben erlauchten Familie hervorgegangen sind. — Ebenso ist es mit dem Namen Kimchi, R. David Kimchi, der berühmte hebräische Grammatiker; alle Israeliten des Occidents nennen ihn Kimchi, aber sein Name war Kamchi; es gibt noch viele Familien dieses Namens hier und alle orientalischen Hebraisten sagen Kamchi. Ebenso verhält es sich mit dem Dichter Salomon ben Djebirul, den man bei ihnen Gebirol nennt, weil man die Aussprache der spanisch-jüdischen Namen nicht kennt. So muß man auch R. Elia Misrachi aussprechen, und nicht Misrochi, wie man es bei ihnen thut (?). Es erscheint mir sehr lächerlich, bisweilen in deutschen Büchern solche Phrasen wie diese zu lesen. „Wir Juden haben große Gelehrte, berühmte Dichter rc. hervorgebracht, z. B. solche Männer, wie einen Abarbanel, einen Gebirol, einen Kimchi u. s. w.", Namen, die gar nicht existirt haben. Ich könnte diese Aufzählung leicht vergrößern, wenn ich nicht fürchtete, den Leser zu ermüden; aber ich höre hier jeden Tag diese Namen auf eine richtige Weise aussprechen und ich konnte diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne daö zu berichtigen, worin gefehlt wird. — In Frankreich sucht man jetzt die Gemeinden zur Anlegung von Gemeindebibliotheken zu bestimmen, etwas, was auch in Deutschland Nachahmung verdient. Eine verhältnißmäßig kleine Summe auf das jährliche Budget genommen, würde bald aller Orten eine ziemliche Büchersammlung bewirken, die dann den Mitgliedern zur Benutzung offenstehen muß. Bekanntlich ist in Breslau die Gemeinde mit schönem Beispiel und günstigem Erfolge vorangegangen. Italien. Ferrara, 8. Januar. (A. J.) Nach mehreren Journalen wären die römischen Israeliten neuen Verfolgungen ausgesetzt gewesen: Die päpstlichen Soldaten hätten das Ghetto besetzt, um unsere Glaubensgenossen zu verhindern, Christen in ihrem Dienste zu Hallen. Rom, im Januar. Nach der neuesten Zählung befinden sich hier bei einer Gesammtbevölkerung von 203,559 Seelen 4484 Juden. Schweiz. Aus dem Aargau, im Januar. (Privatmitth.) Dem allseits geachteten Kaufmann und Fabrikanten Herrn Ulmann auf Schloß Herdern im Thurgau wurde die Niederlassung in Stein, im Kanton Schaffhausen, ohne weitere Hindernisse bewilligt. Es ist das ein erfreulicher Anfang zum Bessern, denn Schasihausen gehört zu denjenigen Kantonen, welche sich bisher am hartnäckigsten gegen die Aufnahme der Juden sträubten. 6**

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