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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-02-02 · Heft 6 (2.2.1864) · p. Seite 85

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 6 (2.2.1864)
Date
1864-02-02
Page
Seite 85 (sequence 9)
Language
German
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85 nicht ausschließliche Wahl durch die Gemeinde — auch er würde sich gegen das System reiner Massenwahlen aussprechen — sondern sie verlangen nur eine Mitwirkung der Gemeinde bei den Wahlen. Mittnacht: Ihm sei aus dem Oberamt Mergentheim eine Mittheilung von Israeliten im entgegengesetzten Sinne, eine Warnung zugekommen, sich von dieser neuen Agitation nicht verwirren zu lassen. Der Commissions-Antrag wird mit 83 Stimmen angenommen. —. In Stuttgart wurde vor kurzem zum erstenmale vom Waisengericht ein Jude zum Vormund christlicher Kinder bestellt. Preußen. Bonn, im Januar. In den Zeitschriften der Mission cursiren setzt folgende statistische Bemerkungen: „Nach den in neuester Zeit von Judenmissionaren angestellten Berechnungen beträgt die Zahl der gegenwärtig auf der Erde lebenden Juden ungefähr 7 Millionen, wovon die Hälfte allein in Europa wohnt, und zwar die meisten in Rußland, man zählt daselbst 1 ,‘220,000 Israeliten, die Zahl der in Oesterreich wohnenden Juden beträgt 853,000, in Preußen 284,500, im übrigen Deutschland 192,000. Während bei der Bevölkerung in Frankfurt a. M. auf 16 Christen 1 Jude gerechnet wird, kommt in Preußen erst auf 73 Christen 1 Jude. In Sachsen wohnen im ganzen nur etwa 1600 Juden, und zwar zumeist in den beiden Städten Leipzig und Dresden. Am unbedeutendsten ist die Zahl der jüdischen Einwohner in Schweden und Norwegen, man rechnet daselbst auf 6000 Christen nur 1 Juden. In Frankreich wohnen ungefähr 800,000, in der Schweiz 3200, in Großbritannien 42,000 Israeliten." Diese Angaben leiden durchaus an Unrichtigkeiten und sind bald zu hoch bald zu tief gegriffen. Sowohl in Rußland als in Oesterreich ist die Zahl der Juden viel zu gering angegriffen, dagegen wohnen in Preußen nur 253,500. Die Zahl von 800,000 in Frankreich ist offenbar ein Druckfehler und soll 80,000 heißen, ist dann aber zu schwach, da die Zahl jetzt 100,000 übersteigt. Im ganzen ist aber die Anzahl durchaus nicht zu eruiren, da in der Türkei, in Asien, Afrika, Nordamerika, Neuholland die Zählung nicht möglich ist, in den einen, weil die Bevölkerung überhaupt nicht gezählt wird, in den andern, weil nicht nach der Religion. Breslau, 22. Januar. Wir erhalten von Breslau folgenden Artikel zugesendet, den wir gern aufnehmen, ohne jedoch für den letzten Theil desselben die Verantwortlichkeit zu übernehmen. Die Redaction. „In der vergangenen Woche fand im jüdischen Gemeindehause die Jnstallirung des neugewählten Rabbiners Dr. Joel in feierlicher Weise statt. Es waren hierzu eingeladen worden: die Mitglieder des Repräsentanten-Collegiums und deren Stellvertreter, die Mitglieder beider Cultus-Commissionen, die Vorstände der Religionsschulen und die Armen-Commission. Hr. Kaufmann Isidor Friedenthal, als Vorsitzender des Gemeinde-Borstandes, hielt eine ergreifende Ansprache an den Neugewählten, welche dieser in sehr treffender Weise dahin beantwortete, daß er das Rabbinat nicht als eine Herrschaft über die Gemeinde, sondern als einen Dienst in derselben ansehe und dieses Dienstes in Treue und Liebe stets warten wolle. Hierauf sprach Herr Sanitäts-Rath Dr. Graetzer, als Vorsitzender der Repräsentanten, einige Worte, welche von dem Angeredeten in herzlicher Weise erwidert wurden. Sonntag, 10. d. M. wurde Herr Dr. Josl als Director der Religionsschule eingeführt und wird fortan den ihm zufallenden Unterricht ertheilen. Die Antrittsrede desselben wird allgemein als ein homiletisches Meisterstück bezeichnet und dürfte wohl nächstens zum Besten der Rießer-Stiftung im Drucke erscheinen. Zu den vielen glänzenden Ovationen, welche dem von allen religiösen Parteien gleich verehrten Seelenhirten bei seinem Umzuge aus seiner früheren Amtswohnung zu Theil wurden, ist noch die Gründung eines Stipendiums für fleißige Schülerinnen der Industrie-Schule mit dem Namen: „Jovl-Stiftung" getreten. So hat denn die jüdische Gemeinde einen Lehrer erhalten, der, auf einer bedeutenden Höhe der Zeitbildung stehend, dem Glauben der Väter treu und innig ergeben ist, der die würdigen Lehrer der Vorzeit nach Gebühr in Ehren hält und die historisch geweihten Institutionen, so viel möglich, zu bewahren suchen wird. Dabei fehlt es ihm aber durchaus nicht an dem richtigen Berständniß für die Zeitströmungen, und gewiß wird das, was die Zeit Edles und Gutes geschaffen, zur Förderung religiösen Sinnes, an ihm einen eifrigen Pfleger und Beschützer finden. Möchten aber auch die Vertreter 6

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