Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1864)
- Date
- 1864-02-02
- Page
- Seite 81 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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81 diesem Boden erwuchs der Opfercullus mit seinen Formen, durch welche eine allgemeine Gleichheit geht, wenn sie auch bei den verschiedenen Völkern mannigfaltig modificirt wurden. Sobald nämlich die Erkenntniß durch die eingetretene Entwickelung sich Herausrang, behielt sie zwar die bisherige Form zum Ausdruck bei, weil sie noch nicht selbständig genug war, sich eigenen Ausdruck und eigene Formen zu schaffen, alsbald suchte sie aber ihre Resultate in diese Formen überzutragen, sie eigen zu gestalten und sie so zum Ausdruck ihrer gewonnenen Ideen zu machen. Dies war die Periode des mosaischen Opfercultus, und während die erwachte Erkenntniß die Ideen der Gotteslehre in bestimmten abstracten Sätzen aufstellte, durchdrang sie zugleich die Formen des Opfercultus mit ihren Ideen, sonderte aus der Masse der gegebenen Formen die ihr convenirenden aus und belebte sie durch ihre Gedanken. Sobald aber die Erkenntniß sich ganz frei gemacht und in den Geistern eine selbständige Energie gewonnen, zieht sie sich auch aus diesen ihren bisherigen Substraten zurück, bildet ihre Gedanken als solche frei aus und sucht sich den ihr eigenen Ausdruck, nämlich das Wort, in eultueller Beziehung das Gebet- Die bisherigen Formen verlieren damit ihren Inhalt, dem Volke entschwindet nach und nach deren Bedeutung und Verständniß, und so sehen wir in der letzten Zeit des Opfercullus diesen nur noch als leere, durch Zeit und frühere Vorschrift geheiligte Form bestehen, neben ihm aber das Gebet als den eigentlichen Ausdruck der religiösen Innerlichkeit kräftig erwachsen und sich nach nach zum Gebetcultus entwickeln. *) Es ist hier nun nicht der Ort, auszuführen, wie mit der dritten Periode, wo die Erkenntniß (Intelligenz) über die Gefühlswelt tritt und diese in ihr Bewußtsein zieht, derselbe Prozeß mit dem fest und stabil gewordenen Gebetcultus vor sich geht. Genug, wir haben hiermit erwiesen, daß der mosaische Opfercultus nicht eine Accommodation, sondern von innen heraus eine Nothwendigkeit war und die Ideen der Gotteslehre in der Auswahl der Formen und in diesen selbst zum Ausdrucke brachte. Wer mit diesem Gedanken das ganze Opfergesetz noch einmal durchlieft, wird *) Aus diesem Entwickelungsgange ergibt sich aber auch, warum auch der Gebetcultus noch so viel Symbolisches, so viele symbolische Ceremonien beibehalten hat, und zwar in allen positiven Religionen, ein Umstand, der wiederum rückwärts die symbolische Natur des Opfercultüs erweist. die Bestätigung in allen Einzelheiten und in vielen gebrauchten Ausdrücken, die sonst ganz unverständlich wären, wie mrp3 rrnb , ■panb , ynsTb , -iD^b u. s. w. finden. Es fragt sich nun, welche diese Ideen seien? welche Bedeutung noch aus den vorgefchriebenen Formen zu eruiren sei? Daß die Beantwortung dieser Frage von der größten Schwierigkeit ist, setzt jedermann voraus, weil eben die Schrift selbst nur wenige Andeutungen gibt, da sie es eben mit damals allgemein verstandenen Formen zu thun hatte, uns aber Jahrtausende von dem unmittelbaren Verständniffe trennen. Daher auch die vielfach verschiedene Auffasiung und Auslegung vom Talmud an bis zu den neuesten Forschungen. Unmöglich aber ist es nicht, auch hierin zu bestimmten Resultaten zu kommen, wenn Vorsicht und Scharfsinn sich vereinen und sich ebenso vor dem Zuviel wie vor dem Zuwenig zu hüten wissen. Diese Untersuchung hier zu führen, gehört nicht zu unserm Gegenstände und verweisen wir vielmehr auf unser Bibelwerk, wo wir die bisherigen Ansichten ausgeführt und die Untersuchung fortzuführen uns bemüht haben. Unser Zweck war heute nur, die Ansicht des Maimonides von der bloßen, leeren Accommodation zurückzuweisen und hiermit den rechten Boden wiederzugewinnen. Spenden-Liste für die Rießer-Stiftung 1) zur monumentalen Herausgabe der Schriften Rießer's, 2) zur Unterstützung solcher Israeliten, die Gerichtsassessoren oder zu Gymnasial- und Universitäts- Lehrämtern befähigt, aber ihrer Religion wegen nicht angestellt sind. 1080) Der Leseverein in Altenstadt (Baiern) 5 Thlr. 1081) Ignatz Bach daselbst 1 Thlr. — Gesammtfumme: 1899 Thlr. 24 Sgr. — Pf. Die Redaction. Literarischer Wochenbericht. Aus Südungarn, 12. Januar. lSchulwesen.) Die h. k. ungarische Statthalterei hat zu Ende des eben abgelanfenen Jahres der israelit. Volksschule wiederum