Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1864)
- Date
- 1864-01-26
- Page
- Seite 73 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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73 Die Rabbiner, welche gleich in der ersten Zeit bereit waren, heftigen Widerstand zu leisten, suchte man durch die imponirende Stellung der Cultus-Vertreter zu entmuthigen, ihren Eifer zu verdächtigen, dieselben von ihrem Amte zu verdrängen, und wo dies nicht möglich war, setzte man an ihre Seite die sogenannten Prediger, die berufen waren, die Rabbiner, ihre Anhänger und den ganzen alten Ritus überhaupt durch moderne Kanzelreden im Ansehen der Massen und der israelitischen Jugend herabzuwürdigen und die Autorität derselben gänzlich zu vernichten. — Als nun der alten jüdischen Partei in jeder Gemeinde kein anderes Mittel zu Gebote stand, als den Schutz und die Hilfe der Landesbehörden anzurufen, fanden sie deshalb keine ausreichende Unterstützung, weil man solche Schritte scheinbar als Renitenz ansehen mußte, und der Bescheid der Behörden lautete auch jederzeit: „Ihr habt Euch Euren Vorstand freiwillig gewählt und ihm die Befugniß selbst in die Hände gelegt, Euren Cultus zu vertreten und zu verwalten." — Leider scheute man sich, der Regierung den wahren Grund bekannt zu geben, weshalb man solche Männer zu Vertretern gewählt habe, um so mehr Ursache hatte aber jede Judengemeinde, eine solche Wahl auf das schmerzlichste zu bedauern." — Marokko. Tanger, im Januar. Nach einer im „Gibraltar Chronicle" mitgetheilten Dankadresse der israelitischen Gemeinde zu Tanger vom 29. Dec. hat Sir Moses Montefiore dort auch eine jüdische Mädchenschule gestiftet, indem er die angesehenen Damen der Gemeinde bewog, die Herstellung und Beaufsichtigung einer Schule für arme jüdische Mädchen zu übernehmen und für die ersten Kosten 300 L. St. (circa 2000 Thlr.) spendete. Rußland. Petersburg, 7. Januar. Es hat sich der Verein zur Verbreitung der Bildung unter den Israeliten nunmehr constituirt. Vorsteher ist Banquier Günzburg, Vicepräses Banquier Brodskh, Kassirer Hr. Rosenthal, ein Commis im Bankhause Günzburg, und Secretär Hr. Lewin. Cs sind bis jetzt freiwillige Jahresbeiträge im Belaufe von 6300 Rubel gezeichnet. Der Verein wird seinen Zweck auf zwei Wegen verfolgen, einmal durch Unterstützung von jüdischen Studenten auf Gymnasien und Universitäten und zweitens durch Verbreitung nützlicher Bücher, welche von einer eigens zu diesem Zwecke zu bestellenden Commission geprüft werden sollen. Eigene israelitische Schulen werden nicht gegründet. Es sollen auch in die Provinzen Circulare abgehen, um für die Sache Propaganda zu machen. Anzeigen. Ein Cultus-Beamter, unverheiratet, der die Function eines Vorbeters, Schächters und Lehrers versehen kann, wird zum 1. Mai d. Ä. rn mit einem Gehalte von 100 Thlr. incl. Nebeneinkommen zu engagiren gesucht. Reflectanten können sich brieflich unter Beilegung ihrer Zeugnisse beim Unterzeichneten melden. Lenzen, den 20. Januar 1864. De r Vorstand. M. M. Samter. Für unsere Filial-Gemeinde zu Bissen bei Aachen, suchen wir schleunigst einen geprüften Elementar-Lehrer, der, womöglich, auch das Vorbeten versteht. Gehalt 250 Thlr. Aachen, den 8. Januar 1864. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Bei der hiesigen Synagogen-Gemeinde ist sofort die Stelle eines Lehrers und Schächters zu besetzen. Gehalt 200 Thlr. und beinahe ebensoviel Nebeneinkünfte. Qualificirte Bewerber wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse bei dem Unterzeichneten Vorstande melden. Hohenstein in Ostpreußen, den 30. December 1863. Der Synagogen-Vorstand. B. Hoffmanrr. Die hiesige Gemeinde beabsichtigt einen Lehrer zu engagiren, der neben der Befähigung den hebräischen Elementar- und wissenschaftlichen Unterricht in unserer Religionsschule zu ertheilen, auch die Qualification besitzt, Kinder bis einschließlich der Quarta eines Gymnasiums oder einer Realschule 1. Ordnung vorzubereiten, sowie den Gesangunterricht zu ertheilen. Geprüfte, durch Universitätsstudien gebildete Lehrer, welche hierauf reflectiren, wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse bis spätestens den 1. Februar a. f. in frankirten Briefen bei uns melden. Stettin, den 21. December 1863. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde.