Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1864)
- Date
- 1864-01-26
- Page
- Seite 69 (sequence 9)
- Language
- German
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ständniß gelangt sei, als anderswo. Diese Erscheinung sei nicht etwa eine zufällige, sondern eine natürliche Consequenz der beiden Nationalitäten in fast gleichem Maße innewohnenden Gemüths- und Geistesrichtung, welche früher oder später eine völlige Verschmelzung in politischer und socialer Hinsicht herbeiführen müsse. Der Redner wandte sich sodann zur Beleuchtung einzelner Rollen im Lessing'schen „Nathan der Weise" und widmete namentlich dem Verhältnisse Mendelssohn's zu dem Träger der Hauptrolle in diesem Drama eine ausführliche, mit der vorangegangenen Gedankenentwickelung in engem Zusammenhänge stehende Besprechung, die besonders wegen ihrer ästhetischen Gesichtspunkte über die Beziehungen der realen Erscheinungen des Lebens zu den idealen Gestaltungen des Dichters Interesse erregte. Nach diesem Vorträge, der den lebhaftesten Beifall fand, wurden noch einige Scenen aus dem ebenerwähnten Stücke, sowie ein von Herrn Dr. Rappoport in Lemberg eingesandtes Gedicht vorgelesen, wodurch die Feier einen würdigen Abschluß erhielt. Preußen. Düsseldorf, 8. Januar. Die Notabeln des düsseldorfer Handelsstandes haben jetzt zweimal den Kaufmann Jacob Cohen zum Handelsrichter gewählt und jedesmal hat der König die Bestätigung der Wahl versagt und zwar, wie der Justizminister Graf zur Lippe selbst zugestanden hat, weil Herr Cohen Israelit sei. Aus der Altmark, im Januar. (Privatmitth.) Es wird manchen Freund der neuen jüdischen Literatur interessiren, zu erfahren, daß der Di-, med. PH. Philippson, der Verfasser der „Marannen", des „unbekannten Rabbi" u. s. w>, in diesen Tagen den Charakter als Sanitätsrath erhalten hat. Die großen Verdienste, welche dieser Mann in seinem ärztlichen Berufe innerhalb eines großen Kreises sich erworben hat, wie er denn unter anderm seit vielen Jahren die größte Zahl von Impfungen im Regierungsbezirke vollzogen und dafür von. der Regierung wiederholt öffentliche Belobungen erhalten hat, haben hierin ihren Ausdruck gefunden, den er in seiner Bescheidenheit nicht nachgesucht. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 13. Januar. (Privatmitth.) Der Prozeß und das Urtheil gegen Dr. Kompert ist von der hiesigen liberalen Presse viel weniger und zaghafter besprochen worden, als man es hätte voraussetzen sollen. Der Grund hiervon liegt aber nicht in den Ansichten der Blätter dieser Richtung, auch nicht in dem Mitgefühl für die Vcrurtheilung. Dahingegen beuten die ultramontanen Blätter Wiens, die durch diesen Vorgang eine neue Energie erhalten haben und sich über diesen Erfolg gewaltig blähen, die Sache tüchtig aus und häufen seitdem Denunciationen aller Art und gegen alle Welt. Dies bringt für die Presse einen gefährlichen Zustand herbei, der früher oder später durch Gerichtshöfe und Parlament wieder geklärt werden muß. Gegenwärtig glauben die fanatischen Ultramontanen wieder völlig im Besitze der Justiz zu sein und können wir nur hoffen, daß sie recht bald wieder aus diesem Traume geweckt werden mögen. Wie gesagt, die liberale Presse thut hierbei nichts Genügendes zur Abwehr und wird diese Schwäche noch eine Zeitlang zu beklagen haben. Nur dann und wann läßt sie sich ein wenig vernehmen. So heben wir aus der „Presse" den Anfang eines Artikels, überschrieben: „Ultramontane Polemik", vom 5. Januar hervor: „Die ultramontane Presse Wiens treibt es seit einiger Zeit wieder bunter denn je mit Denunciationen, Verleumdungen und Verdächtigungen aller Art. Wir haben geflissentlich geraume Zeit von diesen Organen keine Notiz genommen und haben jede Polemik mit ihnen gemieden, weil uns bekannt ist, wohin man mit dieser Syrte von Publicisten kommt, die sich hinter einer scheinheiligen Maske versteckt und von diesem Versteck aus jeden, der nicht mit ihr Halbpart macht, anspeit. Einige Vorkommnisse neuesten Datums zwingen jedoch dazu, wieder einmal von der Haltung dieser Clique zu reden. Man soll uns nicht mißverstehen. Mit der Partei, die man als die streng kirchliche bezeichnen könnte, hadern wir hier nicht. Wir sind, um uns an einem landläufigen Beispiel verständlich zu machen, Gegner des Concordats; aber deshalb brechen wir noch nicht den Stab über alle jene Leute, welche am Concordat sestgehalten wissen wollen; wir streiten mit ihnen, wir versuchen ihre Argumente zu widerlegen und hoffen sie zu besiegen. Aber in den Reihen dieser Partei be-